Rems-Murr-Kreis

Corona-Symptome: Leicht oder schwer? Wann ist es vorbei? Doch Long Covid?

Long covid Feature
Undefinierbare Beschwerden nach einer Corona-Infektion: Ist das Long Covid? © pixabay

Im Zuge der gerade übers Land schwappenden Corona-Sommerwelle fragen sich viele: Wie kann ich mir sicher sein, dass meine Covid-Symptome nur leicht sind? Ab wann sollte ich unbedingt zum Arzt gehen? Und: Wie erkenne ich eigentlich, ob ich in Gefahr laufe, Long Covid zu bekommen?

Infiziert: Wann und warum ist ein Arztbesuch empfehlenswert?

„Mit leichten Symptomen und ohne Vorerkrankungen muss man nicht zwingend zum Arzt“, allerdings sich in Quarantäne halten, sagt Dr. Torsten Ade, Chefarzt der Notaufnahme der Rems-Murr-Klinik Winnenden. Habe man Vorerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder eine Herzschwäche, sei ein Gespräch mit dem Hausarzt auf jeden Fall angezeigt. Für eine Krankschreibung sei der Arztbesuch derzeit ohnehin erforderlich, da es aktuell keine Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung mehr gibt.

Im Gegensatz dazu empfiehlt Dr. Jens A. Steinat den Arztbesuch grundsätzlich jedem symptomatisch infizierten Patienten, auch wenn es für ihn und seine Kollegen Mehrarbeit bedeutet. Steinat ist der Pandemiebeauftragte des Rems-Murr-Kreises und niedergelassener Arzt in Oppenweiler. „Impfstatus, Vorerkrankungen, Symptome und Befunde sollten ärztlicherseits in die Risikoabklärung einbezogen werden und daraus ergibt sich gegebenenfalls eine Behandlungs- beziehungsweise Überwachungsnotwendigkeit“, sagt Steinat.

Bei welchen Symptomen sollte man unbedingt zum Arzt gehen und warum?

„Fieber über 40 Grad, Gefühl der Luftnot insbesondere in Ruhe, massiv reduzierter Allgemeinzustand, Herzrhythmusstörungen, unüblich stark ausgeprägte Allgemeinsymptome“, sagt Dr. Steinat. „Dies kann auf einen schweren Verlauf beziehungsweise Komplikationen wie eine Herzmuskelentzündung, bakterielle Superinfektion oder Thrombose hinweisen.“

Der Winnender Chefarzt Dr. Ade ergänzt: „Zunehmende Atemnot ist ein Warnsymptom, bei dem man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen sollte.“

Personen mit leichten Atemwegserkrankungen wie Schnupfen, Husten oder auch leichtem Fieber sollten zu Hause bleiben, sich bei Bedarf telefonisch medizinisch beraten lassen (Hausarztpraxen, Fieberambulanzen, bundesweite Rufnummer des Kassenärztlichen Notdienstes in Deutschland 116117), ergänzt Florian Mader vom Landes-Sozialministerium. „Sollte sich der Zustand während der ersten Woche einer akuten Atemwegserkrankung nicht verbessern oder sich verschlechtern, wenden Sie sich unbedingt an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin. In Notfällen (zum Beispiel Atemnot) wenden Sie sich an den Notruf 112 oder eine Notaufnahme.“

Mit welchen Covid-Symptomen kommen Menschen derzeit in die Notaufnahme ins Klinikum Winnenden?

Die Beschwerden sind vielfältig, sagt Chefarzt Dr. Torsten Ade. „Die meisten, die sich bei uns in der Notaufnahme vorstellen, klagen über Fieber, Husten und Atemnot. Auch Patienten, bei denen Kopfschmerzen oder auch Durchfälle im Vordergrund stehen.“ Bei der Mehrzahl der Patienten stehe aber die Verschlechterung einer Vorerkrankung im Vordergrund. „Auch ältere Patienten, die aufgrund eines Infektes geschwächt sind, gestürzt sind und sich eine Fraktur zugezogen haben, stellen sich bei uns vor.“

Bei welchen Covid-Patienten würden Sie wann und warum die Verschreibung welcher Medikamente empfehlen?

„Hier ist der Kontakt mit dem Hausarzt wichtig, der über die Risiken und Vorgeschichte des Patienten am besten Bescheid weiß“, betont Dr. Ade. „Antivirale Medikamente sind insbesondere in der Frühphase bei besonderen Risikopatienten sinnvoll. In dieser Phase sind die Patienten aber nicht in der stationären Behandlung, damit wäre dies ein Thema der niedergelassenen Ärzte.“ Dr. Jens A. Steinat verschreibt „Paxlovid, bei hohem Risiko für einen schweren Verlauf nach Risikoeinschätzung.“

Wie lange nach dem ersten positiven Test ist man aus dem Schneider, wenn man da noch keine schweren Symptome hatte?

„Das lässt sich nicht so einfach benennen. Ist abhängig vom Immunstatus und der Viruslast. Ich würde sagen im Maximalfall sieben bis zehn Tage“, sagt Dr. Steinat.

Ähnlich sieht das Dr. Ade: „Nach etwa sieben Tagen haben die meisten Patienten keine Verschlechterung ihres Zustandes mehr. Bei einem unkomplizierten Verlauf sind meist die ersten drei Tage nach Symptombeginn am unangenehmsten. Häufig wird von einer raschen Verschlechterung des Befindens in den ersten 1,5 Tagen berichtet.“

Ab wann beginnt Long Covid, wie und warum?

„Per Definition kommen Beschwerden, die vier Wochen nach der Infektion weiter bestehen, als Long Covid in Betracht“, sagt Chefarzt Dr. Torsten Ade. „Das Spektrum ist weit und beginnt mit anhaltender Müdigkeit über Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen bis hin zu einem Erschöpfungssymptom ME/CFS.“ Die Mechanismen seien derzeit noch nicht gut verstanden. Es würden in der Fachwelt sowohl Viruspersistenz im Körper als auch Autoimmunprozesse diskutiert, so Dr. Ade.

„Die Long-Covid-Beeinträchtigungen treten entweder bereits in der akuten Erkrankungsphase auf und bleiben längerfristig bestehen, oder sie treten im Verlauf von Wochen und Monaten nach der Infektion (wieder) auf“, sagt Dr. Torsten Ade. „Zeitlich betrifft dies Symptome die länger als vier Wochen nach Ansteckung anhalten, sich verschlechtern oder auch neu auftreten“, sagt Dr. Jens A. Steinat.

Mögliche längerfristige gesundheitliche Folgen einer Sars-CoV-2-Infektion („Long Covid“) würden aktuell intensiv erforscht, sagt auch Florian Mader vom Sozialministerium. „Bislang lässt sich kein einheitliches Krankheitsbild abgrenzen und die zugrundeliegenden Mechanismen sind noch nicht klar.“

Es würden sehr unterschiedliche Symptome, wie beispielsweise Müdigkeit, Erschöpfung, eingeschränkte Belastbarkeit, Kurzatmigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme berichtet, die über Wochen und Monate fortbestehen, phasenweise wieder auftreten oder auch neu hinzukommen können, so Mader.

Die ersten Leitlinienempfehlungen des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE) zu Diagnostik und Therapie bezeichnen Krankheitssymptome, die über mehr als vier Wochen seit Sars-CoV-2-Infektion/Covid-19-Krankheitsbeginn hinaus bestehen, als „Long Covid“, erläutert Mader.

„Als Post-Covid-Syndrom werden gesundheitliche Beschwerden definiert, die länger als zwölf Wochen nach Infektion bestehen oder nach mehr als zwölf Wochen neu auftreten und nicht anderweitig erklärbar sind“, sagt Mader.

Im Zuge der gerade übers Land schwappenden Corona-Sommerwelle fragen sich viele: Wie kann ich mir sicher sein, dass meine Covid-Symptome nur leicht sind? Ab wann sollte ich unbedingt zum Arzt gehen? Und: Wie erkenne ich eigentlich, ob ich in Gefahr laufe, Long Covid zu bekommen?

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Infiziert: Wann und warum ist ein Arztbesuch empfehlenswert?

„Mit leichten Symptomen und ohne Vorerkrankungen muss man nicht zwingend zum Arzt“, allerdings sich in Quarantäne

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