Rems-Murr-Kreis

Corona-Variante Omikron breitet sich auch im Rems-Murr-Kreis stark aus

PCR-Testzentrum
Das Foto ist Mitte September am PCR-Testzentrum am Winnender Krankenhaus entstanden. © Schmitzer

Die Omikron-Variante des Coronavirus ist, wie könnte es anders sein, auch im Rems-Murr-Kreis auf dem Vormarsch. Detaillierte Zahlen liegen zwar im Moment nicht vor, weil nicht alle Positiv-Tests die Variante filtern – doch der Trend ist klar.

Wie viele Omikron-Fälle sind im Rems-Murr-Kreis bisher nachgewiesen worden?

Es sind seit Mitte vergangener Woche 105 bestätigte Omikron-Fälle hinzugekommen. Im Rems-Murr-Kreis befinden sich aktuell 1201 infizierte Personen in Quarantäne (Stand 4. Januar), 220 mehr als am Vortag.

Die Gesamtzahl der dokumentierten Omikron-Fälle lag im Rems-Murr-Kreis am 28. Dezember bei 38. Stand Dienstag, 4. Januar, liegt die Gesamtzahl nun bei 143.

Wie aussagekräftig sind diese Zahlen?

Nicht besonders aussagekräftig. Dafür gibt es mehrere Gründe: Über die Feiertage ist weniger getestet worden, und es wird bei einer Infektion nicht in jedem Fall überprüft, ob sich eine Person mit der Omikron-Variante angesteckt hat oder nicht. Es ist noch mit Nachmeldungen zu rechnen, weil es je nach Art des PCR-Tests einige Tage dauern kann, bis eine Aussage zur Virus-Variante möglich ist.

Klar ist aber: Omikron wird sich auch im Rems-Murr-Kreis aller Voraussicht nach ziemlich schnell ausbreiten. Die ersten beiden Fälle wurden am 17. Dezember gemeldet. Nun hat sich die Zahl der erfassten Fälle innerhalb einer Woche fast vervierfacht.

Woher weiß man überhaupt, mit welcher Variante sich eine Person infiziert hat?

PCR-Tests zeigen zunächst nur an, ob eine Covid-19-Infektion vorliegt. Es gibt verschiedene Arten von PCR-Tests, und nur bei einem Teil dieser Tests wird nachvollzogen, ob die Omikron-Variante vorliegt. Um zuverlässigere Daten zu erhalten und damit einen besseren Überblick, wie schnell sich die Omikron-Variante tatsächlich ausbreitet, hat das Sozialministerium bereits vor Weihnachten folgende Aufforderung an die Labore und Uni-Kliniken geschickt: Sie sollen bei „möglichst vielen Proben“, so eine Sprecherin des Landratsamts, überprüfen, ob es sich um einen Omikron-Fall handelt.

Bei wie vielen der positiven PCR-Tests wird eigentlich geprüft, ob Omikron vorliegt?

Das ist nicht genau bekannt und ändert sich auch laufend. In der letzten Woche des Jahres 2021 wurde im Rems-Murr-Kreis laut einer Sprecherin des Landratsamts bei einem Drittel der PCR-Tests gemeldet, welche Variante vorlag. Es ist mit Nachmeldungen zu rechnen, weil die Ergebnisse von Sequenzierungen nicht sofort vorliegen.

Sequenzierung: Was ist das?

Es gibt zwei Verfahren, mittels derer man herausfinden kann, mit welcher Variante des Coronavirus sich jemand angesteckt hat. Sequenzierung bedeutet vereinfacht ausgedrückt, die genetischen Informationen des Virus, das man in einer Probe gefunden hat, werden haarklein auseinanderklamüsert, so dass man am Ende genau weiß, mit welcher Art oder Variante man es zu tun hat. Dieses Verfahren ist aber aufwendig, und es dauert ein bis zwei Wochen, bis ein Ergebnis vorliegt und die Sequenzdaten nach dem Hochladen beim Robert-Koch-Institut mit den weiteren verfügbaren Informationen zusammengeführt sind, erläutert Dr. med. Michael Müller, Erster Vorstandsvorsitzender des Vereins Akkreditierte Labore in der Medizin, auf Anfrage. Bis zu fünf Prozent aller positiven Proben sind einer speziellen Verordnung zufolge auf diese Weise zu prüfen. Zusätzlich werden noch anlassbezogen zum Beispiel bei Ausbrüchen weitere positive Proben mit der Sequenzierung nachuntersucht.

Die andere Methode liefert schnellere Ergebnisse: Wird ein PCR-Test eingesetzt, der durch den Nachweis bestimmter Mutationen direkt Hinweise auf Varianten liefern kann, spricht man zunächst von einem „Verdacht“. Dieses Verdachtsergebnis liegt schon nach ein bis drei Tagen vor. Um sicher zu sein, muss das volle Programm, also die Sequenzierung, noch folgen. Aber, so Dr. Michael Müller, „in aller Regel bestätigen sich diese Verdachtsmomente.“ Die variantenspezifischen Tests werden bereits jetzt schon „so viel es geht“ eingesetzt, erläutert der Facharzt für Laboratoriumsmedizin.

Wie geht das PCR-Testzentrum am Rems-Murr-Klinikum Winnenden vor?

Die Tests werden direkt im Kliniklabor ausgewertet. Aber „wir können leider nicht herausfiltern, wie groß der Anteil der Proben ist, bei denen eine Virusvariante festgestellt wird“, so die Landratsamtssprecherin.

Rund zehn Prozent der Proben werden an ein externes Labor weitergeschickt, um sie dort sequenzieren zu lassen. Diese langwierigen Untersuchungen kann das Kliniklabor nicht selbst leisten, dafür ist eine extra Ausstattung notwendig. Das Gesundheitsamt kann veranlassen, dass weitere Proben einer genauen Prüfung unterzogen, also sequenziert werden.

Man weiß also überhaupt nicht, wie viele Omikron-Fälle es tatsächlich gibt, auch bundesweit nicht?

So ist es. Das Robert-Koch-Institut kann auch nur die erfassten und gemeldeten Fälle zusammenzählen. Seit Mitte November 2021 sind in Deutschland 35 529 Covid-19-Fälle Omikron zugeordnet worden (Stand 4. Januar). Die Kurve geht sehr steil nach oben.

Ist es schlimm, dass man die genaue Zahl der Omikron-Fälle Stand heute gar nicht kennt?

Eigentlich nicht, denn die Dynamik ist bekannt, weil man die Erfahrungen mit Omikron aus Großbritannien oder Südafrika ja kennt. Die Virus-Variante breitet sich schnell aus, so viel ist sicher. Omikron wird sich durchsetzen, so fasst RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher die Erwartung der Experten zusammen.

Wie schnell wird sich Omikron ausbreiten?

Bereits kommende Woche oder nur ganz wenig später werden so gut wie alle Infektionen Omikron zuzuordnen sein, prophezeit Dr. Hendrik Borucki, Sprecher des Labor-Verbunds Bioscientia. Das Unternehmen bearbeitet an 19 Standorten rund 75 000 Patientenproben pro Tag.

Laut Borucki lag der Omikron-Anteil bei einer Untersuchung eines bestimmten Teils der Proben vor etwa drei Wochen bei knapp vier Prozent, vergangene Woche bei knapp 20 Prozent und am Montag dieser Woche bei nicht ganz zwei Dritteln.

Es handelt sich um ein exponentielles Wachstum, sprich, einem zunächst flachen Anstieg folgt flugs ein sehr, sehr steiler Zuwachs.

Und nun?

Der Expertenrat der Bundesregierung ist bereits diesen Dienstag zusammengekommen, um die Dinge zu beraten. Diesen Freitag, 7. Januar, sind Bund-Länder-Beratungen angesetzt.

Worauf kommt es jetzt an?

Was jede(r) tun kann und auch tun sollte, fasst Dr. Michael Müller in dieser Kurz-Liste zusammen:

  • sich impfen lassen
  • Auffrischungsimpfung in Anspruch nehmen
  • Kontakte reduzieren
  • Abstand halten
  • Maske tragen

Die Omikron-Variante des Coronavirus ist, wie könnte es anders sein, auch im Rems-Murr-Kreis auf dem Vormarsch. Detaillierte Zahlen liegen zwar im Moment nicht vor, weil nicht alle Positiv-Tests die Variante filtern – doch der Trend ist klar.

Wie viele Omikron-Fälle sind im Rems-Murr-Kreis bisher nachgewiesen worden?

Es sind seit Mitte vergangener Woche 105 bestätigte Omikron-Fälle hinzugekommen. Im Rems-Murr-Kreis befinden sich aktuell 1201 infizierte Personen

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