Rems-Murr-Kreis

Corona-Verdacht in der Kita - was tun?

Gretel-Nusser-Kinderhaus
Eine Gruppe sollte nach der Empfehlung dann vorsorglich schließen, wenn eine enge Kontaktperson eines Corona-Infizierten zu dem Zeitpunkt, in der sie hätte infektiös sein können, in der Kita-Gruppe war. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Öffnung von Schulen und Kindertagesstätten im Südwesten hat laut Daten des Landesgesundheitsamts zu einem deutlichen Anstieg der Corona-Fallzahlen bei Kindern und Jugendlichen geführt. Sie machen demnach derzeit bereits 20 Prozent aller Infektionen in Baden-Württemberg aus. Auch Kindgartenkinder stecken sich inzwischen vermehrt mit Virusmutationen an. Umso wichtiger ist das schnelle Handeln im Verdachtsfall. Handlungsempfehlungen des Gesundheitsamts Rems-Murr lauten:

Wie verhält es sich, wenn eine enge Kontaktperson zu einem Corona-Infizierten die Einrichtung in der Zeit besuchte, in der sie potenziell ansteckend war? Das Gesundheitsamt empfiehlt in solchen Fällen weiterhin eine vorsorgliche Schließung von Kita-Gruppen. Warum ist das der Fall?

Wenn eine enge Kontaktperson einer nachweislich mit Corona infizierten Person die Kita besuchte (zum Beispiel wenn ein Elternteil eines Kindes der Kita positiv getestet wurde), muss nach derzeitiger Gesetzeslage eigentlich nur die enge Kontaktperson, also im genannten Fall das Kind, in häusliche Quarantäne. Da aber das Risiko besteht, dass das Kind bei seinem letzten Kitabesuch schon infiziert und ansteckend war, rät das Gesundheitsamt bis zur Abklärung des Falles, die Kita-Gruppe geschlossen zu halten. Bereits im letzten Jahr hatte der Rems-Murr-Kreis das erste Corona-Schnelltestzentrum des Landes in Winnenden eröffnet, um zeitnahe Schnelltests für Kitas und Schulen anbieten zu können, um so Kitaschließungen wo möglich so kurz wie möglich zu halten. Ist der Schnelltest des Kita-Kindes, das enge Kontaktperson zu einer infizierten Person ist, negativ, ist das Risiko, dass das Kind in der Kita andere Personen angesteckt hat, so gering, dass die Gruppe wieder geöffnet werden kann. Die enge Kontaktperson muss auch in diesem Fall in Quarantäne bleiben.

Was sollte der Träger einer Kita tun, wenn bekannt wird, dass eine enge Kontaktperson zu einem mit dem Coronavirus Infizierten die Einrichtung besucht hat?

Der Träger der Einrichtung sollte umgehend Kontakt zum Gesundheitsamt aufnehmen. Dort wird jeder Einzelfall fachlich genau beleuchtet und es werden Empfehlungen zum weiteren Vorgehen ausgesprochen. Unter anderem wird z. B. geklärt, ob die enge Kontaktperson zu einem mit dem Coronavirus Infizierten beim letzten Besuch der Einrichtung schon ein Ansteckungsrisiko dargestellt hat. Ggf. wird durch das Gesundheitsamt den betroffenen Personen in der Kita wie auch bisher eine Reihentestung im Schnelltestzentrum in Winnenden per Antigen-Schnelltest angeboten. Darüber hinaus gibt es seit dem 8. März für alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit sich mindestens einmal die Woche einem kostenlosen Schnelltest zu unterziehen. Über die Seite www.rems-murr-kreis.de/schnelltest ist so ein Test ganz einfach zu organisieren.

Wie sollte die Einrichtung bei einem „bloßen“ Verdachtsfall handeln, sprich eine Person zeigt typische Symptome, z. B. Husten, Fieber oder Schnupfen, hatte aber keinen Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person?

Zu so einer Situation dürfte es eigentlich gar nicht kommen. Krankheitsverdächtigte Personen sind verpflichtet, sich unverzüglich abzusondern und dürften daher auch eine Kinderbetreuungseinrichtung nicht mehr besuchen. Das trifft auf Erzieherinnen und Erzieher und auf die Kinder gleichermaßen zu. Leider kommen diese Fälle trotzdem immer wieder vor. Um eine rasche Einschätzung eines Infektionsrisikos in der Kita zu ermöglichen, sollte schnellstmöglich eine Abklärung der krankheitsverdächtigen Person über den Haus- bzw. Kinderarzt erfolgen und per Antigen-Schnelltestung eine Corona-Infektion ausgeschlossen werden. Unabhängig vom Antigenschnelltest entscheidet der behandelnde Arzt, ob ein PCR-Test zu veranlassen ist. Das Ergebnis liegt allerdings in der Regel erst ein bis mehrere Tage später vor, also zu spät, um ein mögliches Infektionsgeschehen im Kindergarten zu unterbrechen. Zeigt eine Person zusätzlich zu Erkältungssymptomen Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns, die typisch für eine Corona-Infektion sind, steht das Gesundheitsamt beratend zur Verfügung.

Wo kann eine Person mit krankheitstypischen Symptomen einen Antigen-Test durchführen lassen?

Beim Kinder- oder Hausarzt ggf. auch bei einer Corona-Schwerpunktpraxis. Bei der Terminvereinbarung muss darauf hingewiesen werden, dass es sich um einen Corona-Verdachtsfall handelt.

Kann man denn überhaupt jemanden verpflichten, einen Corona-Test zu machen?

Es besteht keine Testpflicht. Enge Kontaktpersonen und Verdachtsfälle müssen sich aber auch dann, wenn sie einen Test verweigern, absondern. Testverweigerer haben wir glücklicherweise nur in seltenen Ausnahmen erlebt. In so einem unwahrscheinlichen Fall kann ein Träger aber gegebenenfalls eine Reihentestung für die Mitarbeitenden und Kinder anbieten und die Erlaubnis für das Betreten der Kita an die Vorlage eines negativen Antigen-Test-Ergebnisses knüpfen.

Wie verhält es sich bei einem nachgewiesenen Infektionsfall?

Bei einem nachgewiesenen Infektionsfall muss sich die infizierte Person gem. der Corona-Verordnung des Landes 10 Tage isolieren. In diesem Zeitraum kann die Person das Virus übertragen. Personen, die engen Kontakt zu der infizierten Person hatten, müssen in eine 14-tägige häusliche Quarantäne. Das ist der Zeitraum zwischen einer möglichen Infektion und gegebenenfalls dem Auftreten erster Symptome. Ab dem fünften Tag nach dem letzten Kontakt mit der infizierten Person kann sich die Gruppe, die in der Kita engen Kontakt zu einer infizierten Person hatte, durch einen Schnelltest „freitesten“ lassen. Allerdings nur, wenn alle Schnelltests der Gruppe negativ ausfallen und nur, wenn keine der ansteckenderen neuen Virusvarianten nachgewiesen wurde.

Die Öffnung von Schulen und Kindertagesstätten im Südwesten hat laut Daten des Landesgesundheitsamts zu einem deutlichen Anstieg der Corona-Fallzahlen bei Kindern und Jugendlichen geführt. Sie machen demnach derzeit bereits 20 Prozent aller Infektionen in Baden-Württemberg aus. Auch Kindgartenkinder stecken sich inzwischen vermehrt mit Virusmutationen an. Umso wichtiger ist das schnelle Handeln im Verdachtsfall. Handlungsempfehlungen des Gesundheitsamts Rems-Murr

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper