Rems-Murr-Kreis

Corona: Weniger Fahrgäste und steigende Spritpreise setzen Busunternehmen zu

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Weniger Fahrgäste und steigende Energiekosten machen Busunternehmen Sorgen. © Gaby Schneider

Während der Corona-Pandemie fahren weniger Menschen mit Bus und Bahn. Im vergangenen Jahr wurden knapp 261 Millionen Fahrten im VVS-Gebiet zurückgelegt, das sind 33,9 Prozent weniger als im Vor-Corona- und Rekordjahr 2019. Ein Drittel weniger Fahrten bedeuten für den Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) ein finanzielles Minus von rund 140 Millionen Euro. Rund 30 Millionen davon fehlen laut einem VVS-Sprecher den regionalen Busverkehren in den Landkreisen. Wie geht es den Omnibusunternehmen im Rems-Murr-Kreis?

Die Corona-Krise treffe seine Branche hart, sagt Markus Dannenmann. Sein Unternehmen mit Sitz in Weinstadt sei bisher glücklicherweise relativ glimpflich durch die Pandemie gekommen, weil er mit dem Rems-Murr-Kreis sogenannte Bruttoverträge habe. Das bedeutet, die Firma erhält einen festgelegten Betrag vom Landkreis für den Betrieb der Linienverkehre, dieser ist unabhängig von den Fahrgastzahlen.

Reisebetrieb ist komplett eingebrochen

Komplett eingebrochen ist dagegen der Reisebetrieb, der einmal rund ein Fünftel des Umsatzes des Unternehmens ausmachte. Nun werde gerade einmal ein Zehntel der Fahrten von vor der Krise durchgeführt. Dieser Geschäftszweig werde in Zukunft keine entscheidende Rolle mehr für sein Unternehmen spielen, sagt Dannenmann. Die nicht mehr benötigten Reisebusse wird er allerdings nicht los: Der Markt ist eingebrochen, für Fahrzeuge, die unter normalen Bedingungen noch 80.000 Euro wert wären, bekäme er gerade einmal die Hälfte, so der Geschäftsführer.

Nicht unmittelbar, aber mittelbar sei auch der Linienverkehr von Omnibus Dannenmann von Corona betroffen, sagt Markus Dannenmann: „Die Kosten sind auf breiter Front gestiegen, sowohl für Reifen als auch für Ersatzteile.“ Die Spritpreise hätten sich teilweise gar verdoppelt. Diese überdurchschnittlichen Kostensteigerungen werden nicht durch die Rettungsschirme abgedeckt, die Bund, Land und Landkreis für den öffentlichen Nahverkehr gespannt haben, um die Mindereinnahmen zu kompensieren.

Rettungsschirme retten Busunternehmen

Diese Rettungsschirme hätten die Existenz der mittelständischen Busunternehmen gerettet, betont Ralf Steinmetz, Geschäftsführer von Fischle Regionalverkehr. „In der Branche herrscht ein harter Wettbewerb, die Margen sind dünn.“ Einen Einnahmenrückgang um 10 bis 15 Prozent könnten die Unternehmen nicht überleben. Nach einem massiven Rückgang der Fahrgastzahlen während der Lockdowns seien auf den von Fischle betriebenen Linien derzeit noch rund zehn Prozent weniger Fahrgäste unterwegs als vor der Pandemie.

Fischle hat mit dem Landkreis für die betriebenen Linien sowohl Bruttoverträge als auch sogenannte eigenwirtschaftliche Verkehre. Bei der zweiten Vertragsform sind die Unternehmen allein auf die Fahrgeldeinnahmen angewiesen. So oder so greifen die Rettungsschirme von Bund und Ländern, der Unterschied besteht vor allem darin, ob der Landkreis die Gelder von Bund und Land beantragt oder die Busunternehmen selbst.

Bei den eigenwirtschaftlichen Verkehren müssen die Busunternehmen selbst aktiv werden, was mit erheblichem Verwaltungsaufwand verbunden war und ist, sagt Horst Windeisen, Geschäftsführer von Omnibusverkehr Ruoff (OVR) in Waiblingen. Dennoch ist er sehr dankbar für die Finanzspritze, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, den Verkehr aufrechtzuerhalten. Noch immer seien rund ein Viertel weniger Fahrgäste mit den Bussen des OVR unterwegs als 2019.

Angebot ausbauen, um neue Fahrgäste zu gewinnen

Nun gehe es darum, wie die Versorgung weiterhin sichergestellt werden könne. Die explodierenden Energiekosten sowie gestiegene Personalkosten setzen dem Unternehmen zu. Hinzu kommt, dass nach aktuellem Stand das in Rettungsschirmen zur Verfügung gestellte Geld bei den Verkehren in Baden-Württemberg nur ausreicht, um 85 Prozent der Mindereinnahmen auszugleichen. „Für die Verkehre, die unter den Rettungsschirm der Landkreise fallen, hat dies keine Bedeutung, da die Landkreise ihnen einen vollen Kostenausgleich garantieren“, sagt eine Sprecherin des Landratsamts. Aktuell beraten die Verbundlandkreise und der VVS, wie die Busunternehmen auch nach 2022 unterstützt werden können. Die Landkreise hoffen auf einen möglichst umfassenden Ausgleich durch Bund und Land, um sich dadurch zu refinanzieren.

Trotz finanzieller Sorgen sei es wichtig, das Angebot im öffentlichen Nahverkehr auszuweiten statt zurückzufahren, gerade auch in den ländlich geprägten Gebieten des Rems-Murr-Kreises, sagt Markus Dannenmann: „Nur wenn das Angebot attraktiv ist, kann es gelingen, Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen.“

Während der Corona-Pandemie fahren weniger Menschen mit Bus und Bahn. Im vergangenen Jahr wurden knapp 261 Millionen Fahrten im VVS-Gebiet zurückgelegt, das sind 33,9 Prozent weniger als im Vor-Corona- und Rekordjahr 2019. Ein Drittel weniger Fahrten bedeuten für den Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) ein finanzielles Minus von rund 140 Millionen Euro. Rund 30 Millionen davon fehlen laut einem VVS-Sprecher den regionalen Busverkehren in den Landkreisen. Wie geht es den Omnibusunternehmen im

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