Rems-Murr-Kreis

Corona: Weniger Impfungen und Arztbesuche bei Kindern zu Beginn der Pandemie

Kinderimpfen
Corona-Impfungen waren vor allem bei Kindern ab zwölf Jahren gefragt. © Alexandra Palmizi

Vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie war die Verunsicherung unter einigen Eltern groß: Soll man einen nicht unbedingt nötigen Arztbesuch lieber verschieben, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren? Können Impfungen gegen andere Krankheiten womöglich das Risiko erhöhen, sich mit dem Coronavirus zu infizieren? Das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Ständige Impfkomission (Stiko) appellierten schon im April 2020, Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen unbedingt wahrzunehmen, gerade auch bei Kindern. Der Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit zeigt allerdings, dass die Zahl der Impfungen in einigen Bereichen zurückgegangen ist.

Weniger 6-fach-Impfungen

So wurden 2020 nicht nur weniger Kinder und Jugendliche gegen Humane Papillomviren (HPV) geimpft als im Vorjahr (wir berichteten). Auch bei der 6-fach-Impfung gegen Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Tetanus (Wundstarrkrampf), Poliomyelitis (Kinderlähmung), Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B, die zwischen zwei und 14 Monaten erfolgen soll, verzeichnete die DAK-Gesundheit Baden-Württemberg unter den bei der Krankenkasse versicherten Kindern 2020 einen Rückgang um acht Prozent im Vergleich zu 2019. Auch die im Alter von fünf bis sechs Jahren empfohlene Impfung gegen Diphtherie, Pertussis und Tetanus ging um 16 Prozent zurück. Bei der im Alter von neun bis 16 Jahren empfohlenen weiteren Impfung gegen Diphtherie, Pertussis, Tetanus und Poliomyelitis verzeichnete die Krankenkasse einen Rückgang um acht Prozent.

Impfpflicht: Mehr MMR-Impfungen 

Eine leichte Zunahme hingegen gab es bei den Impfungen gegen Pneumokokken (plus fünf Prozent) sowie gegen das Rotavirus (plus vier Prozent). 41 Prozent mehr Kinder als im Vorjahr wurden 2020 gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) geimpft, was auf die Einführung der Masernimpfpflicht im März 2020 zurückzuführen ist.

Ralf Brügel, Sprecher der Kinderärzte im Rems-Murr-Kreis, beobachtet in seiner Praxis in Schorndorf weniger Veränderung: „Die allgemeine Impfbereitschaft in unserer Praxis erscheint mir und meinen Kolleginnen im Großen und Ganzen unverändert.“ Das gelte vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern. Bei den Impfungen gegen Diphtherie, Pertussis und Tetanus sieht Brügel keinen Rückgang. Etwas anders sei die Situation bei der HPV-Impfung. Eltern, deren Kinder im vergangenen Jahr gegen das Coronavirus geimpft worden seien, sei diese Impfung manchmal zu viel. Die meisten stellten aber nicht die HPV-Impfung an sich infrage, sondern lediglich den Zeitpunkt, und wollten noch ein wenig damit warten.

Bei den Schutzimpfungen gegen das Coronavirus sei die Nachfrage bei Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren relativ groß gewesen, unter zwölf Jahren eher gering. „Zurzeit wird kaum nach Impfterminen oder Beratungen gefragt“, so der Mediziner. „Es wird sicherlich spannend, wie es im Herbst weitergeht.“ Eine Prognose traue er sich nicht abzugeben. Inzwischen seien viele Kinder durch die natürliche Infektion immunisiert. Auch dürfte die Entscheidung für oder gegen eine Corona-Schutzimpfung vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängen.

Vorsorge wieder wie vor Corona

Zur Gesundheitsvorsorge gehören nicht nur Impfungen. Bei Kindern sind vor allem die U-Untersuchungen wichtig. Diese konnten bei etwas älteren Kindern (U 6 bis U 9) wegen der Corona-Pandemie auch außerhalb der eigentlich vorgesehenen Untersuchungszeiträume und Toleranzzeiten wahrgenommen werden. Die Sonderregelung galt bis März dieses Jahres und war laut Ralf Brügel sinnvoll. „In der ersten Pandemiephase im Frühjahr 2020 hatten wir einen deutlichen Rückgang der Inanspruchnahme von Vorsorgen.“ In dieser Zeit hätten viele Familien Arztbesuche massiv reduziert, besonders habe er das bei seinen Diensten in der Notfallambulanz gemerkt, manchmal sei an einem Samstag kaum ein Patient gekommen. „Aber auch das hat sich aus meiner Sicht inzwischen wieder gut eingependelt. Ich habe nicht den Eindruck, dass Vorsorgen weniger gemacht werden als vor Corona.“

Vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie war die Verunsicherung unter einigen Eltern groß: Soll man einen nicht unbedingt nötigen Arztbesuch lieber verschieben, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren? Können Impfungen gegen andere Krankheiten womöglich das Risiko erhöhen, sich mit dem Coronavirus zu infizieren? Das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Ständige Impfkomission (Stiko) appellierten schon im April 2020, Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen unbedingt wahrzunehmen, gerade auch bei

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