Rems-Murr-Kreis

Corona: Wie steht’s um die Intensivbetten im Rems-Murr-Kreis? Viel mehr Menschen in Quarantäne als Infizierte

Feature Krankenhaus
61 Intensivbetten gibt es in den Rems-Murr-Kliniken, belegt sind momentan 40 (Symbolbild). © Habermann

Das Wachstum der Infiziertenzahlen ist zwar auch im Rems-Murr-Kreis nicht mehr exponentiell. Die Zahlen bewegen sich aber im landesweiten Vergleich dennoch weiter auf konstant hohem Niveau, auch wenn Waiblingen und Fellbach tagesweise zweistellige Rückgänge und Großerlach und Kaisersbach keinen einzigen gemeldeten Infizierten (mehr) aufweisen.

Der Tageswert der Infizierten-Neumeldungen lag am Donnerstag (Stand 16 Uhr) bei 97. Ob die statistische Schwankungskurve insgesamt gesehen nach unten weist, ist noch nicht abzusehen. Zum Vergleich die Vortage: Freitag (144), Samstag (93), Sonntag (15), Montag (50), Dienstag (113) und Mittwoch (128).

Damit lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag bei 640 Fällen. Das entspricht einem Wert von 150 je 100.000 Einwohnern.

Rems-Murr-Kliniken: „Wir pendeln uns auf einem stabilen Plateau ein“

Die Rems-Murr-Kliniken in Winnenden und Schorndorf versorgen aktuell 44 Covid-19-Patienten. Davon müssen 13 auf der Intensivstation beatmet werden. „Wir pendeln uns auf einem stabilen Plateau ein“, sagt Klinikensprecherin Monique Michaelis. Die Zahlen der im Krankenhaus zu behandelnden Coronapatienten nehmen demnach gerade weder zu noch ab.

61 Intensivbetten gibt es in den Rems-Murr-Kliniken, belegt sind 40, auch von Patienten mit anderen Krankheiten. Nur ein Teil der Covid-19-Patienten muss intensivmedizinisch behandelt werden. Rund 28 Prozent der 61 Intensivbetten sind laut dem DIVI-Intensivregister (www.divi.de) mit Covid-19-Patienten belegt.

Der Bestand der Intensivbetten in den Rems-Murr-Kliniken ließe sich innerhalb einer gewissen Zeit aufstocken, die Voraussetzungen dafür wurden bereits im März geschaffen, sagt Monqiue Michaelis. Auf bis zu rund 90 Beatmungsgeräte könnten die Kliniken im Notfall zurückgreifen.

In Baden-Württemberg haben allein Waldshut (36%), Rottweil (33%), Esslingen (31%) und Ludwigsburg (28%) eine höhere Intensivbetten-Belegung durch Covid-19-Patienten als der Rems-Murr-Kreis.

Landesweit gesehen sind 14,1 Prozent der Intensivbetten in Baden-Württemberg mit Covid-19-Patienten belegt (Stand: Donnerstag, 13.19 Uhr). Höhere Intensivbetten-Belegungen haben Nordrhein-Westfalen (14,7%), Bremen (14,83%), Rheinland-Pfalz (15%), Bayern (15,8%), Hessen (16,5%), Sachsen (20,7%) und Berlin (23,3%).

Insgesamt werden in Baden-Württemberg 427 Covid-19-Patienten in Kliniken behandelt, davon müssen aktuell 239 invasiv beatmet werden. Zum Vergleich: In den vergangenen sieben Tagen wurden dem Landesgesundheitsamt 14.649 Corona-Infektionen gemeldet.

Intensivbetten im Ländle: Polster ist nicht unendlich dick

Die Zahlen scheinen zwar überschaubar zu sein, doch sind die landesweit rund 3000 Intensivbetten ja auch anderweitig belegt, nur noch 613 wären aktuell noch „frei“. Die Infektionszahlen sollten also besser nicht drastisch steigen, auch wenn innerhalb von sieben Tagen laut DIVI-Intensivregister 1521 zusätzliche Intensivbett-Plätze in baden-württembergischen Kliniken geschaffen werden könnten.

Unendlich dick ist das „Polster“ nicht. Das unterstreicht auch die aktuelle Lageeinschätzung von Dr. Marc Nickel, dem Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, und Dr. Richard Sigel, Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender, wonach die Kliniken mit Corona und Regelbetrieb bereits zu 70 Prozent ausgelastet sind.

Viel mehr Menschen in Quarantäne als Infizierte

In Quarantäne zu müssen, kann sehr belastend sein, gerade für Familien mit Kindern. So gibt die Zahl der Infizierten beileibe nicht das ganze Ausmaß der Schwierigkeiten wieder, in die die coronabedingten Kontaktbeschränkungen die Menschen stürzen. Die Infiziertenzahl ist nur die Spitze des Eisberges. Je nachdem, ob zum Beispiel Schulklassen und Angehörige betroffen sind, ist die Zahl der aktuell Infizierten mit circa vier bis fünf zu multiplizieren, wenn nicht sogar mehr, um ein realistisches Bild über die Menge der Menschen zu bekommen, die sich alltäglich, allwöchentlich in unserem Landkreis in Quarantäne befindet.

Das wird deutlich anhand der Ergebnisse einer kleinen Umfrage dieser Zeitung bei Kommunalverwaltungen. So waren zum Beispiel am 24. November in Backnang 149 Menschen als infiziert gemeldet, aber es befanden sich mehr als viermal so viele zusätzlich in Quarantäne, nämlich 520 Kontaktpersonen der Kategorie 1 und 80 Reiserückkehrer/Einreisende, wie Pressereferentin Christine Wolff mitteilte.

In Fellbach offenbarte sich eine ähnliche Relation. Laut Pressesprecherin Sabine Laartz gab es in der Stadt am 24. November 95 gemeldete Infizierte, aber zusätzlich mussten 381 Kontaktpersonen der Kategorie 1 in Quarantäne. Auch hier: Faktor vier.

In Winnenden waren am 24. November 61 Menschen als infiziert gemeldet. Zusätzlich in Quarantäne waren 159 Kontaktpersonen und sieben Reiserückkehrer. Hier: rund Faktor drei.

Der Redaktionskollege Martin Winterling titelte bereits am 20. November in dieser Zeitung: „Rund 3500 Bürger stehen unter Quarantäne“, die er den damals rund 830 Infizierten gegenüberstellte. Winterlings Rechenbeispiele ergaben den Faktor: 4,2.

In unserer spekulativen Rechnung kommen wir auf eine ähnliche Zahl: Inklusive (!) der momentan 781 als infiziert Gemeldeten (Stand Donnerstag, 16 Uhr) befinden sich derzeit schätzungsweise 3900 Menschen im Rems-Murr-Kreis in Quarantäne.

Wird die Einhaltung der Quarantäne überwacht?

Alle Kommunalverwaltungen antworteten auf diese Frage ähnlich: „Die Einhaltung der Quarantäne wird stichprobenhaft durch die Landespolizei sowie den städtischen Vollzugsdienst kontrolliert. Gleichzeitig können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des städtischen Corona-Teams die Einhaltung der Quarantäne beim gemeinsamen Ausfüllen der Fragebogen durch den telefonischen Kontakt überprüfen“, sagt Christine Wolff (Backnang).

Emely Rehberger (Winnenden): „Alle Personen, die in Quarantäne müssen, werden vom städtischen Ordnungsamt telefonisch und schriftlich über die Regeln informiert. In Fällen, in denen mit Verstößen gerechnet wird, erfolgt einzelfallbezogen eine Überwachung durch Vor-Ort-Kontrollen oder telefonische Kontrollanrufe.“

Verstöße gegen Quarantäne-Regeln sind nur ganz vereinzelt offenbar geworden. „Vereinzelt durch Kontaktpersonen. Nachträglich sind dem Ordnungsamt dabei zwei Fälle bekannt geworden, worauf jeweils eine Ahndung durch Ordnungswidrigkeitsanzeigen erfolgte“, so Rehberger.

Aus Schorndorf berichtete Pressesprecherin Nicole Amolsch sogar: „Bisher wurden keine Verstöße gegen Quarantäneregeln festgestellt.“

Das Wachstum der Infiziertenzahlen ist zwar auch im Rems-Murr-Kreis nicht mehr exponentiell. Die Zahlen bewegen sich aber im landesweiten Vergleich dennoch weiter auf konstant hohem Niveau, auch wenn Waiblingen und Fellbach tagesweise zweistellige Rückgänge und Großerlach und Kaisersbach keinen einzigen gemeldeten Infizierten (mehr) aufweisen.

Der Tageswert der Infizierten-Neumeldungen lag am Donnerstag (Stand 16 Uhr) bei 97. Ob die statistische Schwankungskurve insgesamt gesehen nach

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