Rems-Murr-Kreis

Corona - wie wir es vermasselt haben: Warum die zweite Welle im Rems-Murr-Kreis und in ganz Deutschland eskaliert ist

Test for coronavirus Covid-19. Female doctor or nurse doing lab analysis of a nasal swab in a hospital laboratory.
Symbolfoto. © Adobestock/Yauhen

Warum ist die Corona-Lage im Herbst so gnadenlos aus dem Ruder gelaufen? Im Frühjahr haben wir doch alles staunenswert gut hingekriegt! Was ging bei der zweiten Welle nur derart bitter schief? Beim Blick auf die Rems-Murr-Daten drängen sich drei glasklare Antworten auf – und ein schmerzliches Fazit: Wir hätten es kommen sehen können, es war absehbar.

Zunächst: Der Vergleich zwischen erster und zweiter Welle birgt eine Tücke: Da im Frühjahr die Zahl der Tests viel niedriger war, ergab sich damals ein sehr unscharfes Bild vom Infektionsgeschehen – de facto dürfte es deutlich mehr Ansteckungen gegeben haben, als in die Statistik einflossen. Das bedeutet aber nicht, dass die zweite Welle in Wahrheit harmlos ist – sondern lediglich, dass wir das Ausmaß der ersten wohl unterschätzt haben.

Bekämpfung von Corona, Erfolgsfaktor 1: Schnelligkeit

Am 3. März wurde die erste Infektion im Rems-Murr-Kreis diagnostiziert. Bereits wenige Tage danach schränkten viele Bürger – das belegen diverse Geodaten – ihre Mobilität freiwillig stark ein. Genau zwei Wochen nach dieser ersten Rems-Murr-Ansteckung wurden die Schulen geschlossen; die Inzidenz – die Zahl der Neu-Infektionen pro 100 000 Einwohner im Kreis binnen sieben Tagen – lag da erst bei 13! Einen Tag später folgten weitere Einschränkungen (unter anderem Schließung von Sportanlagen und vielen Läden), weitere drei Tage später wurde das Maßnahmenbündel vervollständigt (Verbot aller Versammlungen mit mehr als fünf Personen, Schließung der Gaststätten) – zu einem Zeitpunkt, da die Inzidenz erst auf 45 geklettert war. Zusammengefasst: Vom ersten lokalen Aufkeimen der Krise im Rems-Murr-Kreis bis zur Vollbremsung vergingen 18 Tage.

Blick auf die zweite Welle: Sie gischtete im Rems-Murr-Kreis Anfang Oktober auf, als nach vielen ruhigen Monaten die Inzidenz zwischen dem 5. und 10. des Monats von 13 auf 31 sprang. Bereits am 15. Oktober war mit 54 die heikle 50er-Inzidenz überschritten – damit war klar: Ab jetzt würde es aufgrund der Vielzahl der Fälle schwierig werden, die Kontaktketten noch nachzuverfolgen und das Ausbreitungsgeschehen im Griff zu behalten. Aber erst am 2. November – die Inzidenz näherte sich da schon der 150er-Marke! – trat der Teil-Lockdown in Kraft; der unterm Strich obendrein milder war als das Maßnahmenbündel im Frühjahr. Es hatte fast einen Monat gedauert bis zur Intervention. Und erst am 13. Dezember – die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis lag mittlerweile bei völlig entfesselten 229 – wurde beschlossen, den Lockdown ab dem 16. zu verschärfen. Seit Beginn der zweiten Welle sind mittlerweile mehr als zwei Monate ins Land gegangen.

Warum ist die Corona-Lage im Herbst so gnadenlos aus dem Ruder gelaufen? Im Frühjahr haben wir doch alles staunenswert gut hingekriegt! Was ging bei der zweiten Welle nur derart bitter schief? Beim Blick auf die Rems-Murr-Daten drängen sich drei glasklare Antworten auf – und ein schmerzliches Fazit: Wir hätten es kommen sehen können, es war absehbar.

Zunächst: Der Vergleich zwischen erster und zweiter Welle birgt eine Tücke: Da im Frühjahr die Zahl der Tests viel niedriger war, ergab

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