Rems-Murr-Kreis

Coronakrise: Wenn Läden und Geschäfte mit der Miete in Rückstand geraten

geschlossene Läden
Geschlossen! Im Frühjahr mussten viele Geschäfte und Läden wegen Corona schließen. Der Lockdown führte bei einigen gewerblichen Mietern der Kreisbaugruppe zu finanziellen Schwierigkeiten und Mietrückständen. © ALEXANDRA PALMIZI

Bei der Kreisbaugesellschaft sind bereits rund 35 000 Euro Mietschulden aufgelaufen. Laden- und Geschäftsinhaber konnten und können sich aufgrund der Corona-Lockdowns die Mieten nicht mehr leisten. Es handelt sich um Einzelfälle. Bei sechs ist die Lage jedoch ernst und es soll auf die Miete verzichtet werden. Die Entscheidung, ob die Miete erlassen wird, wollte die Kreisbau, eine Tochtergesellschaft des Rems-Murr-Kreises, „aufgrund der politischen Dimension eines Mietverzichts“ jedoch nicht alleine fällen. Der Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss stimmte am Montag einem Mietverzicht zu – „soweit dies aufgrund der Coronapandemie wirtschaftlich geboten ist, weil andere Hilfsmechanismen nicht greifen“.

Die Kirchberger Kreisrätin Gudrun Wilhelm witterte bei dem Antrag sogleich Unheil. Sie erinnerte sich, dass im ersten Lockdown im Frühjahr ausgerechnet Konzerne wie Adidas oder H&M die Chance in der Krise nutzen und Mietnachlässe bei ihren Ladengeschäften durchdrücken wollten. Landrat Richard Sigel, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Kreisbau-Gruppe, brachte die besorgte Kreisrätin auf den Boden der Tatsachen zurück. Nein, bei den betroffenen Geschäften handele es sich nicht um Adidas & Co, sondern „um den Friseur nebenan“, Läden oder Restaurants.

„Die Ausfälle belaufen sich auf ein vertretbares Niveau“

Und es handelt sich um Einzelfälle. Noch. Die meisten Gewerbemietverhältnisse schätzt die Kreisbau als „sehr robust und krisenfest“ ein. Die Gewerbemieter verfügen über eine ausgezeichnete Bonität, heißt es in der Vorlage für den Kreistag: „Die jetzt pandemiebedingten Ausfälle belaufen sich auf ein vertretbares Niveau.“ Die Kreisbau vermietet eigenen Angaben zufolge 770 Wohnungen und 31 Gewerbeeinheiten. Angesichts des Umsatzes von 45 Millionen Euro und einer Bilanzsumme von über 200 Millionen Euro handelt es sich bei den Mietschulden um eher geringere Beträge.

Betroffen seien ausschließlich gewerbliche Mietverhältnisse. Aufgrund der Coronakrise sei die Kreisbau einigen, teils sehr langjährigen Mietern entgegengekommen und die Miete gestundet. Richard Sigel nannte im Kreistag einen Betrag von rund 35 000 Euro. Bei sechs dieser Mieter reiche aber eine Stundung der Kaltmiete nicht mehr aus. Ihnen will die Kreisbau die Miete von rund 15 000 Euro ganz erlassen. Diese Summe sei zwar in einem „wirtschaftlich vertretbaren Bereich“. Gleichwohl möchte die Tochtergesellschaft des Kreises diesen Verzicht nicht auf die eigene Kappe nehmen, sondern bat um ein Okay des Kreistages. Denn letztlich treffe der Mietverzicht den Rems-Murr-Kreis als Hauptgesellschafter der Kreisbaugruppe „und sollte daher in einer Krisensituation wie aktuell auch politisch getragen werden“.

Viele Gewerbemieter waren durch den Lockdown im Frühjahr von Kurzarbeit und Betriebsschließungen betroffenen. Der neuerliche Teil-Lockdown seit November beeinträchtige die Geschäfte oder „unterbinde gar eine positive unternehmerische Entwicklung“. Mit diesen Mietern hatte die Kreisbau zunächst Vereinbarungen über die Stundung der Mieten getroffen. Sie will die Mieter nicht hängen lassen, sieht sich als öffentliches Unternehmen in einer gesellschaftlichen Verantwortung und „legt zu Recht Wert darauf, ihren Mietern ein verlässlicher Partner zu sein, gerade auch in schwierigen Zeiten“.

Die Gefahr ist groß, dass sich die Lage für viele Geschäftsinhaber nicht verbessert. Schließlich droht der Rems-Murr-Kreis zum Corona-Hotspot zu werden, was beispielsweise eine erneute Schließung der Friseursalons zur Folge hat. Die Kreisbau-Geschäftsführung tut sich jedenfalls schwer einzuschätzen, „ob bei Gewerbemietern wieder neue Mietrückstände entstehen werden“. Das hänge vom weiteren Pandemiegeschehen ab. „Im Bereich der privaten Wohnungsvermietung gibt es derzeit erfreulicherweise keine Mietrückstände, die das übliche Maß überschreiten.“

Bei der Kreisbaugesellschaft sind bereits rund 35 000 Euro Mietschulden aufgelaufen. Laden- und Geschäftsinhaber konnten und können sich aufgrund der Corona-Lockdowns die Mieten nicht mehr leisten. Es handelt sich um Einzelfälle. Bei sechs ist die Lage jedoch ernst und es soll auf die Miete verzichtet werden. Die Entscheidung, ob die Miete erlassen wird, wollte die Kreisbau, eine Tochtergesellschaft des Rems-Murr-Kreises, „aufgrund der politischen Dimension eines Mietverzichts“ jedoch nicht

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