Rems-Murr-Kreis

Coronavirus hat die Krankenhaus-Beschäftigten nicht verschont: Jeder zehnte Mitarbeiter infiziert

Covidstation
In wenigen Monaten ist am Rems-Murr-Klinikum in Winnenden eine neue Infektionsstation errichtet worden. Hier können Corona-Verdachtsfälle und Infizierte räumlich getrennt von den übrigen Abteilungen behandelt werden. © Gabriel Habermann

Vor einem Jahr hat die erste Corona-Welle den Rems-Murr-Kreis überrollt: Anfang März 2020 sind die ersten Infizierten entdeckt worden, am Schorndorfer Krankenhaus wurde das erste „Corona-Testzentrum“ eröffnet und die Rems-Murr-Kliniken schränkten die Besuchszeiten ein. In den beiden Krankenhäusern waren Desinfektionsmittel und Schutzkleidung plötzlich Mangelware. Das aber war nur der Anfang der Umwälzungen im Alltag und im Betrieb der Krankenhäuser. Markanteste Zeichen sind heute die Eingangsschleusen in den Klinken, die an Flughäfen erinnern, oder die neue Infektionsstation am Winnender Klinikum. In Modulbauweise in kurzer Zeit errichtet, schafft sie die Möglichkeit, Corona-Verdachtsfälle und isolationspflichtige Patienten vom normalen Klinikbetrieb räumlich getrennt zu behandeln.

Das Coronavirus hat das Klinikpersonal nicht verschont

Seit März 2020 sind mehr als 300 Menschen im Rems-Murr-Kreis an oder mit Corona gestorben, mehr als 13 000 Rems-Murr-Bürger haben sich angesteckt. Die Mitarbeitenden der beiden Krankenhäuser Winnenden und Schorndorf hat das Virus nicht verschont. Etwa jeder zehnte der 2600 Beschäftigten hat sich infiziert, teilen die Kliniken auf Anfrage mit. „Auf die Betriebsfähigkeit hatten diese Ausfälle kaum Auswirkungen, da beispielsweise durch das Verschieben von planbaren Eingriffen Personalkapazitäten umgeschichtet werden konnten.“

Seit Jahren klagen die Kliniken über Fachkräftemangel, an dem Corona nichts geändert hat. Im Gegenteil. Offenbar war die Wechselwilligkeit der Beschäftigten im medizinischen Sektor gering. Dennoch haben die Krankenhäuser im Pandemiejahr offene Stellen erfolgreich besetzen können, so die Kliniken auf Anfrage. Die Zahl der Beschäftigten stieg um drei Prozent. Mittlerweile haben sich viele Mitarbeiter gegen Corona impfen lassen. Genaue Zahlen gibt es keine: Denn den Arbeitgeber über die eigene Impfung zu informieren, sei ebenso freiwillig wie die Impfung selbst. Die Rems-Murr-Kliniken selbst impfen dreimal wöchentlich. „Allein in den Kliniken werden bis Mai rund 1200 Impfungen durchgeführt.“ Dennoch könne nicht vollständig erfasst werden, welche Impfquote derzeit tatsächlich erreicht wird. „Die Impfquote der Prio-1-Gruppe haben wir zuletzt auf etwa 70 Prozent geschätzt.“ Dazu zählt das Personal in Krankenhäusern, das häufig Kontakt mit infektionsgefährdenden Patienten hat.

Die Krankenhäuser haben wirtschaftlich betrachtet die Corona-Pandemie besser bewältigt, als zunächst befürchtet. „Die Rems-Murr-Kliniken bleiben trotz Corona auf Kurs und sind zuversichtlich in das Jahr 2021 gestartet“, heißt es in einer Pressemitteilung zur ersten Aufsichtsratssitzung in diesem Jahr. Das vorläufige Jahresergebnis 2020 verzeichnet ein verbessertes operatives Ergebnis in Höhe von 2,2 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Der Verlust beträgt 14,5 Millionen Euro, der vom Landkreis Rems-Murr ausgeglichen wird.

Weniger Patienten, höherer Umsatz

Im Pandemiejahr 2020 gingen die Fallzahlen deutlich zurück. Es wurden 7400 stationäre Fälle weniger behandelt als in 2019 (50 583). Das entspricht einem Rückgang von 15 Prozent. Die Rems-Murr-Kliniken haben planbare Eingriffe verschoben, um ausreichend Kapazitäten für die Behandlung von Covid-19-Patienten, Notfällen und medizinisch dringlichen Fällen vorzuhalten. Gleichwohl haben bundesweit viele Patienten in Notfallsituationen Krankenhäuser aus Sorge vor dem Coronavirus gemieden. „Die Rems-Murr-Kliniken appellieren weiterhin, gesundheitliche Probleme nicht unnötig aus Sorge vor dem Coronavirus aufzuschieben: Mit einem umfangreichen Maßnahmepaket sind wir mit Sicherheit für unsere Patienten da.“

Trotz Patientenschwund stieg der Umsatz der Kliniken um sieben Prozent gegenüber 2019 (235 Millionen Euro). „Dank der Investitionen im Rahmen der Medizinkonzeption und des Maßnahmenpakets von Bund und Land konnten die Erlösausfälle der Corona-Pandemie kompensiert werden.“

Bisher konnten die finanziellen Mehraufwendungen der Corona-Krise zu großen Teilen durch das Maßnahmenpaket von Bund und Land Baden-Württemberg kompensiert werden. Die Kliniken sind clever unter den Rettungsschirm geschlupft. Zur positiven Entwicklung habe „auch das vorausschauende Handeln der Rems-Murr-Kliniken beigetragen, die sich rasch auf die sich immer wieder verändernde Pandemiesituation eingestellt haben“, loben sich die Kliniken für ihr Krisenmanagement. Die Investition in den Status der erweiterten Notfallversorgung in Schorndorf und die flexible Steuerung der Personalauslastung seien weitere Bausteine für den eingeschlagenen Wachstumskurs. Dieser wird maßgeblich durch den Beschluss des Ministeriums für Soziales und Integration in Baden-Württemberg gestützt, die Campusentwicklung an beiden Standorten zu fördern.

Das planen die Krankenhäuser für die Zukunft

„Die Förderung der medizinischen und baulichen Weiterentwicklung der Rems-Murr-Kliniken ist ein Meilenstein – und ein sehr hervorragendes Signal für die Gesundheitsversorgung des Rems-Murr-Kreises. Mit diesem Beschluss haben wir die Gewissheit, dass wir Schorndorf und Winnenden zukunftsfest machen können. Der Weg für die rasche Umsetzung der Campusentwicklung ist damit frei“, wird Landrat Dr. Richard Sigel zitiert.

Der Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, Dr. Marc Nickel, ergänzt: „Das positive Jahresergebnis und die Aufnahme beider Standorte in die Jahreskrankenhausplanung des Landes Baden-Württemberg zeigen, dass wir mit unserer Medizinkonzeption und der Campusentwicklung richtig liegen: Es zahlt sich aus, in die Zukunft zu investieren. Wir verfolgen das klare Ziel, unsere medizinischen Leistungen in Schorndorf und Winnenden noch besser an die Bedürfnisse der Menschen im Rems-Murr-Kreis anzupassen und zukunftsfähig auszurichten.“

Am Standort Schorndorf entsteht im Rahmen der Bauprojekte in einem ersten Bauabschnitt eine neue und moderne zentrale Patientenaufnahme mit einem freundlichen, hellen Empfangs- und Check-in-Bereich für die Patienten. Im Anschluss folgt der Neubau des Funktionsbaus. In Winnenden können die Planungen des Erweiterungsbaus (Haus D) weiter vorangetrieben werden. Die genauen Förderbeträge werden nach Abschluss der baufachlichen Prüfung und weiterer Fördergespräche festgelegt.

Mehr Parkplätze am Klinikum in Winnenden

Bereits seit Inbetriebnahme des Klinikums Winnenden im Jahr 2014 existiert ein Parkplatzproblem. Eine Aufstockung der verfügbaren Parkplätze sei zwingend erforderlich, um dem Bedarf für die Besucher und Mitarbeiter aufgrund der gestiegenen Patientenzahlen gerecht zu werden. Deshalb wird ein Parkhaus mit einer Kapazität von 567 Parkplätzen gebaut. Mit einer Übergabe und Inbetriebnahme wird zum Jahr 2022 gerechnet. Parallel werden in Winnenden die Pläne zur Campusentwicklung vorangetrieben.

Vor einem Jahr hat die erste Corona-Welle den Rems-Murr-Kreis überrollt: Anfang März 2020 sind die ersten Infizierten entdeckt worden, am Schorndorfer Krankenhaus wurde das erste „Corona-Testzentrum“ eröffnet und die Rems-Murr-Kliniken schränkten die Besuchszeiten ein. In den beiden Krankenhäusern waren Desinfektionsmittel und Schutzkleidung plötzlich Mangelware. Das aber war nur der Anfang der Umwälzungen im Alltag und im Betrieb der Krankenhäuser. Markanteste Zeichen sind heute die

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