Rems-Murr-Kreis

Coronawelle: Remstäler Reisebüros wollen dem Gesundheitsamt helfen

Reisebüro / Gesundheitsamt
Ein Büro voller Urlaubsträume, aber keiner kommt: Sonja Großmann vom Beutelsbacher Reisebüro Ambiente Reisen und vier weitere Kolleginnen und Kollegen aus dem Remstal wollen deshalb bei der Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten helfen. © Benjamin Büttner

Es herrscht Corona-Chaos und die Welt gerät so schnell aus den Fugen, dass keiner hinterherkommt? „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“, sagt Sonja Großmann, Inhaberin des Reisebüros Ambiente Reisen in Beutelsbach. Und so stellte sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus Waiblingen, Schorndorf, Oeffingen und Winterbach, die ebenfalls zum Reisebüro-Verbund Best Reisen gehören, eine „Anfrage der außergewöhnlichen Art“: Sie schrieben ans Gesundheitsamt in Waiblingen und boten sich als „Taskforce zur Pandemiebekämpfung“, also als eine für eine begrenzte Zeit gebildete Arbeitsgruppe zur Lösung komplexer Probleme an.

Bewerbung beim Landratsamt: „Perfekte Voraussetzungen“

Dafür ging eine richtige Bewerbung raus: Sonja Großmann und ihre Remstäler Kolleginnen und Kollegen argumentieren mit freien Kapazitäten und dem dringenden Interesse daran, dass die Pandemie „ein rasches Ende findet“. Die klassischen Qualifikationen von Reisebüro-Mitarbeitern seien die „perfekte Voraussetzung für den Einsatz als Pandemie-Taskforce“. Man könne, sagt Sonja Großmann, professionell kommunizieren, und das auch noch in mehreren Sprachen, habe soziale Kompetenz, sei vor Ort bestens vernetzt und natürlich in der Lage, sich ganz schnell auf neue Herausforderungen einzustellen. Sensible Daten? Nichts Neues für Reise-Fachleute. Und die Arbeit am Computer sowieso nicht.

Tagtäglich, sagt Sonja Großmann, sehe man im Fernsehen, dass die Gesundheitsämter mit der Arbeit überhaupt nicht mehr fertig werden könnten, weil das Infektionsgeschehen explodiert. Man sehe Bundeswehr-Soldaten, die am Telefon hängen. Warum, fragt sie, sollen wir nicht auch helfen? Die Reisebüros stünden im Stillstand. Nach bewegten Zeiten: Im März begann der ganze Schrecken. Minütlich seien die Meldungen eingegangen: Flughafenschließungen, Grenzschließungen, Reisewarnungen. Stornierung auf Stornierung folgte. „Wir sind wahrscheinlich die Einzigen, bei denen die Arbeit immer mehr wurde und die die Mitarbeiter trotzdem in Kurzarbeit schicken mussten.“ Denn die Arbeit, die bis in den August hinein getan werden musste, brachte kein Geld. Erst Ende August, sagt Sonja Großmann, wurde es ruhig. Und das ist es seither geblieben. Denn die Reisebuchungen, die üblicherweise im Herbst fürs nächste Jahr abgeschlossen werden, bleiben aus.

Sonja Großmann und ihre Kollegen bieten also ihre Kompetenz, Arbeitskraft und Arbeitszeit und sogar ihre Büros an.

Noch ist die Situation beim Gesundheitsamt komfortabel

„Wir sind sehr dankbar“, heißt es aus dem Landratsamt. Denn schon allein das Zeichen, dass jemand helfen würde, helfe. Die Lage sei schließlich dynamisch. Doch aktuell wird das Gesundheitsamt auf das Angebot noch nicht zurückkommen. Der Rems-Murr-Kreis gehe einen anderen Weg als viele andere Gesundheitsämter in Deutschland. Die Nachverfolgung der Infektionsketten werde von Anfang an gemeinsam mit den 31 Städten und Gemeinden gestemmt. In gemeinsamen Fünfer-Teams, die jeweils 20 000 Einwohner betreuen, mit einem „Kümmerer“, der bei Fragen zwischen Landratsamt und Kommune hilft und bei Bedarf zusätzliches Personal organisiert, fahre man bislang gut. Außerdem unterstützen inzwischen 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Abteilungen des Landratsamts das Gesundheitsamt. Wenn die nicht mehr ausreichen, sollen Mitarbeiter aus Unternehmen eingesetzt werden, die zum Landkreis gehören und eng kooperieren. Gemeint sind damit beispielsweise die Kreissparkasse oder das Jobcenter.

Die Situation sei bislang komfortabel, teilt Landrat Richard Sigel mit. Doch man wolle nichts ausschließen und habe das freundliche Angebot bei den Planungen auf dem Radar. Allerdings sei der Datenschutz bei so sensiblen Daten natürlich eine Hürde.

„Wir sind krisenmanagementgestählt“, sagt Sonja Großmann. Und: „Wir sind da“.

Es herrscht Corona-Chaos und die Welt gerät so schnell aus den Fugen, dass keiner hinterherkommt? „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“, sagt Sonja Großmann, Inhaberin des Reisebüros Ambiente Reisen in Beutelsbach. Und so stellte sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus Waiblingen, Schorndorf, Oeffingen und Winterbach, die ebenfalls zum Reisebüro-Verbund Best Reisen gehören, eine „Anfrage der außergewöhnlichen Art“: Sie schrieben ans Gesundheitsamt in

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