Rems-Murr-Kreis

Dürre im Rems-Murr-Kreis: Welche Obst- und Gemüsesorten trotz Hitze gedeihen

Kleingärtner
Kommen mit der Hitze vergleichsweise gut klar: Zucchini. © Gabriel Habermann

Der Boden war noch bis vor kurzem staubtrocken, auf Rasenflächen fand sich kein grünes Hälmchen mehr, die Bäche wurden zu muffigen Rinnsalen. Der Sommer war extrem trocken. Wie gehen Kleingärtnerinnen und Kleingärtner damit um?

Bei den Gartenfreunden Waiblingen herrscht keine Krisenstimmung. Heike Peisker, Iris Kniesel, Jörg Lang und Friederike Arras erzählen im Gartenlokal des Vereins vom Gärtnern ohne Regen. 200 Mitglieder hat der Verein, der vier Gartenanlagen betreut. „2003 fing es an mit der großen Hitze“, erinnert sich Iris Kniesel, Kassiererin im Vorstand. So viele Wochen anhaltende Hitze ohne Regen wie in diesem Jahr hat sie aber noch nicht erlebt. Und der Wasserverbrauch im Verein sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.

Regenwasser auffangen und in unterirdische Zisternen leiten

Aber wo kommt das Wasser her, ohne das es keine Ernte geben kann? Ganz wichtig ist das Dachwasser, sagt Kniesel. Es läuft in Tonnen oder besser noch in unterirdische Zisternen. Oft reicht es aber zur Bewässerung nicht aus. Manche nutzen ein Hauswasserwerk, das Wasser aus einem Brunnen zu den Pflanzen befördern kann. Oder es gibt eben einen Wasseranschluss. Dann gibt es noch einen öffentlichen Brunnen in Beinstein. Der schwere Lehmboden speichert Wasser eigentlich recht gut und erleichtert daher das Gießen. Und trotzdem: „Grünen englischen Rasen gibt es eigentlich nicht mehr“, sagt Friederike Arras, bis vor kurzem noch Vorstandsvorsitzende. „Das würde sich auch nicht richtig anfühlen, den zu gießen, dafür ist das Wasser zu kostbar.“ Und sie fügt hinzu: „Die Dürre im Sommer wäre kein so großes Problem, wenn es im Winter viel regnen würde, so dass sich die Wasservorräte wieder auffüllen können.“

Blumen müssen bei dieser Trockenheit meist auf Wasser verzichten. Da bietet es sich an, statt Rosen doch lieber Johannisbeeren zu pflanzen. An einem Baum im Nachbargarten hängt nur eine Handvoll trockener Pflaumen. Junge Obstbäume brauchen viel Wasser. Äpfel bleiben meist sehr klein und fallen früh vom Baum.

Tomaten reifen in Hülle und Fülle

Dass die Laune bei den Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern trotzdem gut ist, liegt daran, dass es ihnen vor allem um das Gemüse geht. Und die Ernte scheint in diesem Jahr gar nicht schlecht zu sein. Tomaten, die im vergangenen Jahr stark unter der Braunfäule gelitten hatten, reifen in Fülle. „Man darf sie als kleine Pflanzen nicht zu viel gießen“, sagt Friederike Arras, „sonst verwöhnt man sie und sie bilden keine tiefen Wurzeln.“ Gemüse wie Zucchini und Kürbis kommen mit der Hitze gut klar. Auch Melonen, Paprika und Chili. Anderes Gemüse wie Rhabarber gedeiht bei Hitze nicht so gut, auch Spinat ist schnell überfordert. Alte Gemüsesorten wie Pastinake und Rote Bete, die heute wieder viel angebaut werden, kommen mit Trockenheit relativ gut zurecht.

Der Klimawandel eröffnet durchaus neue Möglichkeiten. Viele Schädlinge wie Schnecken ziehen sich bei der Dürre zurück. Vereinzelt werden im Verein mittlerweile sogar Feigen, Kiwis und sogar Mangos angebaut. Feigen wurden auch im vergangenen, relativ regenreichen Sommer reif, weil auch da die Durchschnittstemperatur deutlich höher lag als zu früheren Zeiten. Friederike Arras hat es erfolgreich mit Ingwer probiert. Auch Trauben profitieren von der intensiven Sonne.

Um einen Garten grundsätzlich vor Austrocknung und Hitze zu schützen, bieten sich Bäume und Hecken als Schattenspender an. Sie halten auch den Wind ab und vermindern so die Verdunstung. Eine Möglichkeit ist auch Mischkultur, die den Boden großflächig bedeckt, so dass er nicht so schnell austrocknen kann.

„Arbeiten kann man nur morgens und abends“

„Na ja, bei der Hitze kann man eben nicht richtig viel machen im Garten. Man schwitzt halt. Arbeiten kann man nur morgens und abends“, sagt Jörg Lang, Schriftführer des Vereins und verheiratet mit Iris Kniesel. Man müsse zurzeit auch auf die Brandgefahr achten. Zum Beispiel beim Rasenmähen. Und das Grillen sei natürlich eine Gefahrenquelle.

Die Zweite Vorsitzende Heike Peisker bewirtschaftet seit etwa 14 Jahren einen eigenen Garten. Ihr Keller ist gut gefüllt mit Vorräten aus dem Garten. Die Versorgung mit frischen Lebensmitteln ist ein wichtiger Grund für die meisten Vereinsmitglieder, einen eigenen Garten zu bewirtschaften. Peisker schwärmt aber vor allem von der Erholung während der Arbeit. „Eigentlich ist das gar keine Arbeit“, sagt sie und zitiert ein Schild an einem Eingang zur Gartenanlage „Im Schänzle“: "Man betritt den Garten nicht mit den Füßen, sondern mit dem Herzen“. Apokalyptische Stimmung? Fehlanzeige. Zukunftsängste haben die vier Hobbygärtnerinnen und -gärtner nicht. Den zunehmenden Hitzesommern sehen sie eher gelassen entgegen. „Man wird wahrscheinlich bald besonders hitzeresistente Sorten anbieten“, vermutet Jörg Lang. „Der Schwabe dünstet ja so gerne ein. Am liebsten würde man die Wärme eindünsten, dann hätte man es im Winter schön warm“, fügt er lachend hinzu.

Der Boden war noch bis vor kurzem staubtrocken, auf Rasenflächen fand sich kein grünes Hälmchen mehr, die Bäche wurden zu muffigen Rinnsalen. Der Sommer war extrem trocken. Wie gehen Kleingärtnerinnen und Kleingärtner damit um?

Bei den Gartenfreunden Waiblingen herrscht keine Krisenstimmung. Heike Peisker, Iris Kniesel, Jörg Lang und Friederike Arras erzählen im Gartenlokal des Vereins vom Gärtnern ohne Regen. 200 Mitglieder hat der Verein, der vier Gartenanlagen betreut. „2003 fing

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