Rems-Murr-Kreis

Dank der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung: Krebstherapie weit über das Übliche hinaus

Weltkrebstag
An der gefürchteten Chemotherapie führt nach wie vor in vielen Fällen kein Weg vorbei. Hier hängt gerade Friederike Stockmann, die pflegerische Stationsleitung in der Tagesklinik des Tumorzentrums, einer Patientin den Tropf an. © Alexandra Palmizi

Jedes Jahr erhalten etwa 2 600 Menschen im Rems-Murr-Kreis die niederschmetternde Diagnose Krebs. Die Waiblinger Eva-Mayr-Stihl-Stiftung engagiert sich seit Jahren im Stuttgarter Tumorzentrum. Dessen Leiter sagt: „In den letzten fünf Jahren wurden mehr Medikamente entwickelt als die 50 Jahre vorher“. Die Krebstherapie entwickelt sich rasant; wer früher dem Tod geweiht war, kann heute mit einer Tablette täglich gut leben. Doch die moderne Krebstherapie hat noch ganz andere Facetten.

Zen-Priester und Bioinformatiker: Die verschiedenen Aspekte der Therapie

Jüngst hat das Stuttgarter Tumorzentrum zwei Zen-Priester eingestellt. Die machen mit Krebspatientinnen und -patienten Qigong. Qigong ist eine jahrtausendealte Form der Achtsamkeitsübung aus China. In diesem Jahr hat das Stuttgarter Tumorzentrum auch ein hochmodernes Sequenziergerät angeschafft, das in wenigen Stunden schafft, wofür früher Jahre gebraucht wurden. Es liest das komplette Genom eines Tumors aus und analysiert die Mutationen gleich noch mit dazu. Das Sequenziergerät ist aber nichts ohne den dazugehörigen Spezialisten. Seit diesem Jahr arbeitet deshalb auch ein Bioinformatiker in Stuttgart, der all die Daten, die das Gerät ausspuckt, interpretieren kann. Meditation und Erbgutanalyse bis in den hintersten Winkel des Zellkerns hinein – das sind die zwei Pole der modernen Krebstherapie.

Jeder zweite Mensch erkrankt an Krebs: Heute können immer mehr überleben

Etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung erkrankt, so die Deutsche Krebshilfe, im Laufe des Lebens an Krebs. Die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland liegt bei rund 510.000 Menschen pro Jahr. In Deutschland leben etwa 83,2 Millionen Menschen. Im Rems-Murr-Kreis leben 426.635 Menschen: Die Statistik sagt also, dass 2602 Menschen hier jedes Jahr die niederschmetternde Diagnose erhalten. Die Diagnose Krebs war früher ein Todesurteil. Heute können viele Krebsarten gut behandelt werden. Bestimmte Formen der Leukämie gehören dazu, Lymphome oder Lungenkrebs. Bei anderen Tumoren tappen die Forscher immer noch im Dunkeln. Der Krebs der Bauchspeicheldrüse etwa ist nach wie vor kaum behandel- geschweige denn heilbar. Aber: In den letzten 20 Jahren hat die Krebstherapie eine unglaubliche Entwicklung gemacht. Mit molekularer Diagnostik, personalisierter Medizin, Antikörpertherapie, der Umprogrammierung von patienteneigenen Immunzellen, neuartigen Operationsverfahren und, zwar weiterentwickelten, jedoch altbewährten, nach wie vor nicht zu ersetzenden Mitteln wie Chemo- oder Strahlentherapie können immer mehr Menschen lange gut leben oder gar geheilt werden. Prof. Dr. Gerald Illerhaus hat Patienten, deren Überlebenschance zu Beginn der Erkrankung gering war. Doch sie sind gemeinsam mit der Forschung auf die Reise durch ihre Behandlung gegangen. Und sie leben.

Das Tumorzentrum: Eine Bündelung des vorhandenen Spezialistenwissens

Prof. Dr. Gerald Illerhaus ist Onkologe und Hämatologe. Er ist also Spezialist für Krebserkrankungen, die das Blut und das Lymphsystem des Körpers betreffen, etwa Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs. Illerhaus ist aber noch übergreifender unterwegs. Er leitet das SCC, das „Stuttgart Cancer Center“, zu dessen vollständigem Namen auch noch „Tumorzentrum Eva Mayr-Stihl“ gehört, im Katharinenhospital Stuttgart. Illerhaus versammelt hier alle Krebsspezialisten des großen Hauses. Hier wird der gesamte Körper abgedeckt, vom Kopf über den Hals, die Brust, die Lunge, Magen und Darm samt Bauchspeicheldrüse, Prostata und Blase und so weiter. Dazu kommen außerdem: Chirurgen, Pathologen, Strahlenmediziner und andere mehr.

Illerhaus kam von der Uniklinik Freiburg, ist seit 2012 in Stuttgart und baut das Tumorzentrum seither auf, entwickelt es weiter. Von Anfang an ist auch die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung mit dabei – dahinter steht auch eine persönliche Verbundenheit. Eine Verbundenheit, die es möglich macht, dass die jährlich mehr als 11.000 Krebspatienten in Stuttgart ein Gesamtpaket an Therapie bekommen können, das über die reguläre Krankenhaus- und Behandlungsfinanzierung hinausgeht.

Unterstützende Therapie: Die Psyche ist enorm wichtig für den Behandlungserfolg

Moderne Krebstherapie, sagt Gerald Illerhaus, ist freilich die Hightech-Spitzenmedizin, bei der eine Spritze mit dem ausschließlich für diesen einen Patienten hergestellten Medikament mehrere 100.000 Euro kosten kann.

Moderne Krebstherapie ist aber auch die Stunde der Zenpriester, Mal- und Musiktherapie, Physiotherapie und Psychotherapie. „Supportiv-Therapie“ heißt der Überbegriff, „unterstützende“ Therapie. Denn wer psychisch stabil ist, womöglich gar positiv gestimmt durch eine Krebstherapie geht, dessen Chancen sind, sagt Illerhaus, besser. „Krebstherapie“, sagt Illerhaus, „ist ein Rundum-Lebens- und Versorgungspaket“. Er wünscht, dass zum Team mit den verschiedenen Therapeuten auch noch Sozialarbeiter dazustießen. Denn wie oft löst die Diagnose Krebs Krisen in den Familien aus, gar einen richtigen Zusammenbruch? Eigentlich – das ergibt die Analyse der vielen, vielen Fälle, die hier jährlich die Mediziner und Therapeuten beschäftigen – müsste sogar noch eine Stelle geschaffen werden, die sich beispielsweise um Überbrückungsgelder und andere Unterstützung kümmern kann.

Die Corona-Pandemie: Womöglich ein Impulsgeber für weitere Krebstherapien?

Die Forschungen zu neuartigen Krebsmedikamenten waren im vergangenen Jahr die Rettung in Bezug auf die über die Welt hereinbrechenden Herausforderungen der Corona-Pandemie. Der mRNA-Impfstoff, der die Bekämpfung der Viruserkrankung – natürlich neben anderen Impfstoffen – erst möglich machte, war nämlich eigentlich für die Krebstherapie gedacht. Bei der Krebsimpfung wird dem Immunsystem des Patienten beigebracht, die Krebszellen rasch zu erkennen und zu bekämpfen. Dafür wird dem Impfstoff die Erbinformation der Oberfläche der Krebszelle eingespeist. Mit der Impfung entwickelt der Körper dagegen Abwehrstoffe.

Genau dieses Prinzip wurde auf den Corona-Impfstoff übertragen. Mit größerem Erfolg, als er dem ursprünglichen Ansatz bislang beschieden ist. Doch Prof. Gerald Illerhaus rechnet damit, dass die Arbeit am Corona-Impfstoff umgekehrt die Arbeit am Krebs-Impfstoff auch unterstützen und vorantreiben wird. Vielleicht kommt der Durchbruch in der Krebstherapie schneller – wegen Corona.

Das Stuttgarter Tumorzentrum und seine Spezialisten wären für die neuen Therapien bereit. Auch dank der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung.

Jedes Jahr erhalten etwa 2 600 Menschen im Rems-Murr-Kreis die niederschmetternde Diagnose Krebs. Die Waiblinger Eva-Mayr-Stihl-Stiftung engagiert sich seit Jahren im Stuttgarter Tumorzentrum. Dessen Leiter sagt: „In den letzten fünf Jahren wurden mehr Medikamente entwickelt als die 50 Jahre vorher“. Die Krebstherapie entwickelt sich rasant; wer früher dem Tod geweiht war, kann heute mit einer Tablette täglich gut leben. Doch die moderne Krebstherapie hat noch ganz andere

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