Rems-Murr-Kreis

„Danke, dass Sie zugehört haben“: Engagierte für Klinikseelsorge gesucht

Klinikseelsorge
Die ehrenamtlichen Klinik-Seelsorgerinnen Hedwig Heubach (links) und Hanna Krentz (Zweite von rechts) zusammen mit den hauptamtlich Verantwortlichen, Pfarrerin Annkatrin Jetter und Pastoralreferent Martin Stierand. Gesucht sind Interessierte, die sich ehrenamtlich in Winnenden oder Schorndorf in der Klinik-Seelsorge engagieren möchten. © Alexandra Palmizi

Sie hätte eine einfachere Aufgabe finden können. Aber nein, es musste diese sein: „Das ist ein Dienst, der mich mit Haut und Haaren packt“, sagt Hedwig Heubach. Nach 40 Jahren, die sie als Grundschullehrerin gearbeitet hat, wollte die Rudersbergerin „noch mal etwas ganz anderes machen. Etwas, das mich neu herausfordert.“

Das ist jetzt sieben Jahre her. Hedwig Heubach zählt zu den ehrenamtlichen Klinik-Seelsorgerinnen der ersten Stunde am Winnender Krankenhaus. An Krankenbetten hört sie oft diese eine Frage, zu welcher die 70-Jährige die Antwort nicht kennt: Warum?

Gefragt sind Einfühlungsvermögen, Offenheit, Ruhe und Zeit

Es geht gar nicht darum, auf alles eine Antwort zu haben, weil dazu sowieso niemand in der Lage ist. Zuweilen geht’s ganz einfach ums Aushalten von etwas Schwerem, etwas Unabänderlichem gar.

„Danke, dass Sie Zeit gehabt haben. Danke, dass Sie zugehört haben“ – mit Worten wie diesen endet fast jeder Besuch, erzählt Hedwig Heubach. Manche Kranke sieht sie nur einmal, und man redet über Alltägliches, einfach so zum Zeitvertreib – oder über sehr Persönliches, Tiefgehendes. Andere Patient/-innen verbringen sehr viel Zeit auf Station, so dass Hedwig Heubach ihnen über Wochen hinweg immer wieder begegnet.

Auswahlverfahren ist vorgesehen

Einmal in der Woche verbringt die Rudersbergerin ein paar Stunden auf Station, und ob sich an jenem Tag hochemotionale Gespräche entwickeln, die sich um die ganz großen Fragen drehen, ob jemand einfach nur von früher erzählen oder von seiner Krankengeschichte berichten will – das weiß man vorher nicht. Einfühlungsvermögen, Offenheit, Zugewandtheit, Ruhe und Zeit sind vonnöten für diese Aufgabe. Wer sich vorstellen kann, es Hedwig Heubach gleichzutun, möge sich bei der hauptamtlichen Klinikseelsorge melden (siehe unten): Neue Kräfte sind dringend gesucht. Pfarrerin Annkatrin Jetter und Pastoralreferent Martin Stierand begleiten als hauptamtliche Seelsorger/-innen Ehrenamtliche am Klinikum Winnenden. In Schorndorf ist Margret Schauaus-Holl zuständig.

„Der Gesprächsbedarf ist wirklich hoch“, berichtet Martin Stierand mit Blick auf Patienten. Niemand werde allein gelassen; Ehrenamtliche erhalten regelmäßig Supervision – und vor allem eine intensive Ausbildung vor dem Start. Der nächste Kurs beginnt Mitte Januar 2022. Bei einem Informationsabend am 14. Dezember können Interessierte abchecken, ob diese Aufgabe passend sein könnte und der Vorbereitungskurs ihren Vorstellungen entspricht. Rund 100 Stunden sind alles in allem zu absolvieren, verteilt auf ein halbes Jahr. Teilnehmer/-innen sollten, wie es in der Einladung heißt, „sich selbst auch infrage stellen lassen“, sich nicht in einer akuten Krisensituation befinden und bereit sein, ein Auswahlverfahren zu durchlaufen. Entsprechende Auswahlgespräche sind während des Infoabends am 14. Dezember geplant.

Bereitschaft vonnöten, sich selbst tiefer kennenzulernen

Im Kurs für ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger (kurz KESS) geht es nicht allein um Gesprächsführung oder Grundlagen der seelsorgerischen Arbeit, um Fragen der Spiritualität und dergleichen mehr. Teilnehmende setzen sich mit der eigenen Lebensgeschichte auseinander, mit Krisen, die sie selbst durchlaufen haben, mit ihren Stärken und Schwächen: „Eines der Grundanliegen des Kurses ist es, dass die Teilnehmenden über die Beschäftigung mit den Inhalten sich selber tiefer kennenlernen und das eigene Leben besser verstehen. Denn die eigene Person ist das einzige Werkzeug der Seelsorge und dieses sollte Seelsorger/-innen vertraut sein“, heißt es in den Infos zum KESS-Kurs, den das Seminar für Seelsorgefortbildung verantwortet. Hedwig Heubach bestätigt das: Als sehr eindrücklich hat sie die Erkenntnis erlebt, wie sehr die schwierigen Zeiten in ihrem eigenen Leben sie geprägt haben.

Hanna Krentz aus Stetten engagiert sich ebenfalls seit sieben Jahren schon in der ehrenamtlichen Klinik-Seelsorge. Die Aufgabe hat ihren Blick auf andere verändert, erzählt die 67-Jährige: „Ich beobachte die Menschen jetzt mehr.“ Die Stettenerin scheut sich nicht, einen fremden Menschen im Park oder wo auch immer nach dessen Befinden zu fragen, wenn sie das Gefühl hat, hier geht es jemandem nicht gut, hier wären ein paar freundliche, zugewandte Worte angebracht. Ihre Besuche bei Patienten in der Klinik legt sie bewusst so, dass hinterher kein Termin mehr ansteht, dass die Menschen spüren, hier ist jemand, der Zeit hat und nicht schon gedanklich wo ganz anders ist. Ob sich in den Patientenzimmern Gespräche zu religiösen Themen ergeben oder nicht – das hängt ganz von der Situation ab. Hedwig Heubach und Hanna Krentz sind zwar beide der Kirche eng verbunden, werden diese Themen aber niemandem aufdrängen. Sowieso spielt es keinerlei Rolle, wie die Patienten über welche Religion denken, betont Pfarrerin Annkatrin Jetter: „Wir kommen ohne Vorbehalte zu jeder und zu jedem, die oder der das möchte.

Sie hätte eine einfachere Aufgabe finden können. Aber nein, es musste diese sein: „Das ist ein Dienst, der mich mit Haut und Haaren packt“, sagt Hedwig Heubach. Nach 40 Jahren, die sie als Grundschullehrerin gearbeitet hat, wollte die Rudersbergerin „noch mal etwas ganz anderes machen. Etwas, das mich neu herausfordert.“

Das ist jetzt sieben Jahre her. Hedwig Heubach zählt zu den ehrenamtlichen Klinik-Seelsorgerinnen der ersten Stunde am Winnender Krankenhaus. An Krankenbetten hört

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