Rems-Murr-Kreis

Das Internet ist zu einem großen Marktplatz für Drogen geworden

Hacker using laptop. Lots of digits on the computer screen.
Das Internet ist zu einem Hauptumschlagsplatz für Drogen geworden. © Artur Marciniec - Fotolia

Heroin, Kokain, Ecstasy, Marihuana: Alle möglichen Drogen – und davon viele – fanden die Ermittler in der Wohnung eines 26-jährigen Deutschen. Der hat am Donnerstag zu Beginn der Hauptverhandlung vor dem Stuttgarter Landgericht eingeräumt, die Betäubungsmittel verkauft, aber auch zu einem nicht geringen Teil für den Eigenbedarf verwendet zu haben.

Der Fall ist einer von rund 1260 im Rems-Murr-Kreis, mit denen sich die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Aalen herumgeschlagen hat. Tendenz steigend. Wie die Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Aalen ausweist, geht die Kripo in Sachen Rauschgiftkriminalität von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn angezeigt werden die Delikte so gut wie nie.

Heutzutage kann man alles online bestellen, und für illegale Substanzen eignet sich besonders das Darknet, ein nicht frei zugänglicher Teil des Internets, zeigt der jetzt verhandelte Fall. Verschlüsselte Kanäle machen es den Behörden schwer, illegale Geschäfte aufzudecken und nachzuvollziehen. Deshalb verwundert es nicht, dass der Drogenhändler, bei dem der Beschuldigte einkaufte, noch nicht ermittelt ist. Dem Rudersberger dagegen, seit Anfang Dezember in Haft, sind offenbar seine eigene Abhängigkeit und das damit verbundene wenig clevere Verhalten zum Verhängnis geworden.

Mitte September 2019, so heißt es in der Anklageschrift, hatte sich der Beschuldigte für 1000 Euro 500 Gramm an Amphetaminen kommen lassen. Das Paket wurde an seine damalige Adresse in Schorndorf geschickt. Laut Staatsanwalt wurden die Drogen aber von einem anderen Bewohner, mittlerweile ebenfalls inhaftiert, abgefangen. Hinweise darauf hätten sich auf dem Handy des Beschuldigten gefunden.

Weitere Pakete, darunter eines mit fast 50 Gramm Marihuana, ließ sich der Mann nach Rudersberg schicken. Eine Sendung, so der Staatsanwalt weiter, sei von einem Hausbewohner entgegengenommen worden – während der Rettungsdienst vor Ort war, um den Beschuldigten wegen „akuten Substanzenmissbrauchs“ zu behandeln. Bald darauf erfolgte die Festnahme. In der Wohnung des 26-Jährigen stießen die Beamten nicht nur auf ein großes Sammelsurium an Drogen, sondern auch auf Gerätschaften zur Herstellung von Betäubungsmitteln, darunter Reagenzgläser und eine Feinwaage. Beschlagnahmt wurde auch das Mobiltelefon des Beschuldigten.

In einer vom Anwalt verlesenen Erklärung hat der Rudersberger am Donnerstag vor dem Schöffengericht in Stuttgart ein Geständnis abgelegt. Der Vorwurf des Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sei „insgesamt zutreffend“. Hintergrund gewesen sei die eigene Abhängigkeit. Nach Schätzung des Rechtsanwalts hat der Beschuldigte rund ein Viertel der bestellten illegalen Substanzen selbst konsumiert.

Der auf fünf Verhandlungstage terminierte Prozess wird am Donnerstag, 28. Mai, fortgesetzt. Dem Beschuldigten droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Immer mehr Drogendelikte im Rems-Murr-Kreis

Die Zahl der Drogendelikte hat 2019 einen Zehn-Jahres-Höchststand erreicht, schreibt das Polizeipräsidium Aalen in der Kriminalitätsstatistik 2019. Sie nahm in den drei Landkreisen Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall, für die das Präsidium zuständig ist, um 5,7 Prozent auf 2701 Fälle zu, davon fast die Hälfte im städtischer geprägten Rems-Murr-Kreis (1261 Fälle).

Wie hat sich der Drogenkonsum entwickelt?

Um Besitz und Erwerb von Rauschgift ging es in 2117 Fällen (+9,5 Prozent), wobei die starke Zunahme von Heroin und psychoaktiven Substanzen besonders ins Auge fällt. Heroin weist eine Zunahme um 75 Prozent auf 42 Fälle auf, psychoaktive Substanzen sogar fast eine Verdreifachung auf 17 Fälle. „Hauptanteil im Deliktsfeld der Rauschgiftkriminalität haben jedoch nach wie vor die Cannabis-Straftaten mit 1585 Fälle“, so die Polizei.

Wer nimmt überhaupt Drogen?

Es ist keineswegs so, dass nur junge Leute wegen Drogen ins Visier der Polizei geraten. Von den insgesamt 2348 ermittelten Tatverdächtigen waren 16 Kinder, 365 Jugendliche und 509 Heranwachsende. Zu den Erwachsenen zählten 1458 Tatverdächtige, weist die Kriminalitätsstatistik aus. Und allen Vorurteilen zum Trotz waren es überwiegend deutsche Staatsbürger, die wegen Drogen in Konflikt mit dem Gesetz kamen. 23 Prozent der Tatverdächtigen waren Nichtdeutsche sowie fünf Prozent Flüchtlinge und Zuwanderer.

Wieviel Rauschgift wurde von der Polizei beschlagnahmt?

In den drei Landkreisen wurden 2019 weniger Betäubungsmittel sichergestellt und beschlagnahmt als im Vorjahr. Cannabis war 2019 die mit Abstand am häufigsten sichergestellte Droge, „was ihre unverändert große Bedeutung in der Drogenszene deutlich mache“, so die Polizei. So wurden 2019 insgesamt 55 Kilogramm Marihuana (2018: 67,7 kg), 2,2 Kilo Haschisch (2018: 2,4 kg), 212 Joints (2018: 229), 468 Cannabispflanzen (2018: 241) und 1539 Cannabissamen (2018: 369) sichergestellt.

Wie gefährlich sind Ecstasy und Amphetamine?

Die Bedeutung der klassischen Drogen Heroin und Kokain sei trotz Rückgang der Sicherstellungsmenge weiterhin groß. 2019 wurden 532 Gramm Kokain (2018: 14,3 kg) und 738 Gramm Heroin (2018: 563 g) sichergestellt beziehungsweise beschlagnahmt. „Synthetische Drogen gewinnen bedauerlicherweise weiter an Beliebtheit“, so die Polizei. Sichergestellt wurden 3591 Tabletten der Stimulanzdroge Ecstasy (2018: 4226) und fast acht Kilogramm Amphetamin (2018: 13,9 kg).

Die Kripo stellt zunehmend fest, „dass die Drogen weiterhin am alltäglichen Leben verbreitet sind.“ Die Gefährlichkeit einer Ecstasy-Tablette liege in der Verharmlosung durch Form und Farbe oder bestimmter aufgedruckter Motive. „Doch jede Tablette wirkt individuell verschieden und kann zu Gesundheitsschäden bis hin zur Lebensgefahr führen.“

Wie viele Menschen sind an ihrem Drogenkonsum gestorben?

Wie tödlich Drogen sind, zeigt der Blick auf die Todesfälle. Acht Menschen sind im vergangenen Jahr gestorben, drei davon im Kreis. So viele wie 2018. Alle acht hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. „Haupttodesursache bleibt der Konsum von Heroin, oftmals in Verbindung mit weiteren Drogen, Ausweichmitteln, Medikamenten und Alkohol.“

Das Polizeipräsidium Aalen kündigte an, sich in diesem Jahr verstärkt um Drogendelikte kümmern zu wollen. Es setze alles daran, „den Menschen die Risiken des Drogenkonsums stärker ins Bewusstsein zu rücken“. Zur Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität würden „alle polizeilichen Ressourcen im präventiven wie repressiven Bereich noch energischer eingesetzt“.

Heroin, Kokain, Ecstasy, Marihuana: Alle möglichen Drogen – und davon viele – fanden die Ermittler in der Wohnung eines 26-jährigen Deutschen. Der hat am Donnerstag zu Beginn der Hauptverhandlung vor dem Stuttgarter Landgericht eingeräumt, die Betäubungsmittel verkauft, aber auch zu einem nicht geringen Teil für den Eigenbedarf verwendet zu haben.

Der Fall ist einer von rund 1260 im Rems-Murr-Kreis, mit denen sich die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Aalen herumgeschlagen hat.

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