Rems-Murr-Kreis

Das passiert in Leutenbachtunnel und Kappelbergtunnel

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Putzete im Leutenbach-Tunnel am Freitagabend. © Martin Winterling

Fellbach/Leutenbach. Am Wochenende sind Leutenbach- und Kappelbergtunnel teilweise nicht befahrbar, weil sie gereinigt werden müssen. Damit ab Montag der Pendlerverkehr wieder umleitungsfrei rollen kann, ist ein Riesenaufgebot im Einsatz. Maschinen, Maloche, Manpower: die wichtigsten Fakten zur Putzete.

Wenn Jürgen Bihlmaier von der Rems-Murr-Straßenmeisterei erzählt, wie viele motorisierte Apparate am Wochenende unter Tage tuckern, müssen Technikfreaks glänzende Augen bekommen: Kappelberg- und Leutenbachtunnel verwandeln sich in riesige Waschstraßen. Erst kommt das „Vorreinigungsgerät“: Der mit 10 000 Litern Wasser ausgerüstete Lkw entfernt den Grobschmutz. Danach folgen nicht ein, zwei, drei, sondern gleich fünf „Tunnelwaschgeräte“ – ihre zwei Meter langen Bürstenausleger schrubben an den Wänden lang. Und da, im Windschatten, nahen auch schon drei Kehrmaschinen – sie säubern per Hochdruckwasserstrahl die Bankette und den Fahrbahnbelag. Dazu bringt ein Spritzfahrzeug Putzmittel aus. Wow, Herr Bihlmaier, beeindruckend.

Moment, antwortet der Experte, „wir sind noch nicht fertig!“ Denn da gibt es auch noch Transporter, die Absperrtafeln liefern; Vorwarn-Anhänger, die den Verkehr vor dem Tunnel ausleiten; und Personal nicht zu knapp – 23 Leute von einer Spezialfirma, dazu sechs von der Straßenmeisterei. Und bei weitem nicht für alles taugt die grobe Wurzelbürste: Es gibt hochsensible elektronische Einrichtungen in der Unterwelt – da muss man teilweise mit dem Schwämmchen „von Hand drüberstreicheln“.

Wer putzt besser – die 68er oder Bihlmaiers Hygiene-SEK?

Die 68er nannten sich einst auch „Putztrupp“: weil sie den alten Nazi-Ungeist wegwienern wollten. Wären die Maoisten, Trotzkisten, Anarchos und Spontis damals aber dermaßen kampagnenfähig gewesen wie heute Bihlmaiers Mannschaft: Der Kapitalismus wäre längst abgeschafft.

Dieses mächtige Aufgebot also hat sich zunächst von Freitagabend auf Samstagmorgen über den Leutenbachtunnel, Fahrtrichtung Stuttgart, hergemacht; schrubbt von Samstagabend bis Sonntagfrüh den Kappelbergtunnel Richtung Stuttgart; und zieht am Sonntagabend wieder ins Leutenbacher Erdreich, um die Fahrtrichtung Backnang bis Montagmorgen mit der Power von tausend schwäbischen Hausfrauen besenrein zu kriegen. Dieses heldenhafte Team hätte es verdient, in einer Oper von Giacomo Putzini verewigt zu werden; oder zumindest müsste man Bihlmaier den Ehrentitel „Tante Clementine“ verleihen.

Aber könnte man das alles nicht auch mit kleinerem Lappen und etwas gemächlicher angehen? Im Prinzip schon, erklärt Bihlmaier. Großes Aber: Die Arbeiten sollen ja am Wochenende und in den Nachtstunden abgewickelt werden, damit tagsüber und erst recht ab Montag der Verkehr wieder umleitungsfrei fließen kann. Wären die unterirdischen Verkehrsadern Kappelberg- und Leutenbachtunnel an einem normalen Werktagmorgen verstopft – auf den Umleitungsstrecken bräche das nackte Stau-Chaos aus. Und deshalb bewältigt Bihlmaiers Hygiene-SEK im Dienste der Berufspendler pro Nacht bis zu anderthalb Kilometer: „eine sportliche Aufgabe“.

Warum solche Reinigungen wichtig sind

Diese Reinigungen sind wichtig: In verschmutzten Tunneln leidet die Verkehrssicherheit. In Zeiten des Klimawandels erfüllt so eine Putzaktion – wenngleich sie natürlich Energie frisst und Wasser kostet – obendrein einen ökologischen Auftrag. Sind die Tunnellampen dreckig, muss die Beleuchtungsleistung hochgefahren werden, damit das Licht durch den Schmutzfilm dringt – Folge: höherer Stromverbrauch. Sind die Wände staubtrüb statt hell, reflektieren sie weniger Licht, die Lampen müssen weiter aufgedreht werden. Folge: noch höherer Stromverbrauch.

Das Geschäft geht Bihlmaier und Co. nicht aus: Immer mehr Verkehr drängt sich durch die Tunnelröhren, unterm Kappelbergtunnel sind es an Spitzentagen – werktags, keine Ferienzeit – mittlerweile 94 000 Fahrzeuge, bei Leutenbach immerhin 37 000. Die Straßenmeisterei hat deshalb entschieden: Während es früher einen Frühjahrsputz mit Komplettreinigung und im Herbst nur ein abgespecktes Programm gab, finden dieses Jahr im Kappelberg- und im Leutenbachtunnel erstmals zwei Vollwaschgänge statt.

Die verkehrspolitische Kernaussage dieser Putztage lautet also: Verdammt viele Autos machen verdammt viel Dreck.


Fellbach/Leutenbach. Am Wochenende sind Leutenbach- und Kappelbergtunnel teilweise nicht befahrbar, weil sie gereinigt werden müssen. Damit ab Montag der Pendlerverkehr wieder umleitungsfrei rollen kann, ist ein Riesenaufgebot im Einsatz. Maschinen, Maloche, Manpower: die wichtigsten Fakten zur Putzete.

Wenn Jürgen Bihlmaier von der Rems-Murr-Straßenmeisterei erzählt, wie viele motorisierte Apparate am Wochenende unter Tage tuckern, müssen

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