Rems-Murr-Kreis

Das Scool-Abo wird billiger: Warum der Rems-Murr-Kreis aber noch zögert, ein 365-Euro-Ticket für alle Schüler einzuführen

Corona Bus
In Schulbussen geht es oftmals eng zu. Zu eng in Coronazeiten, weshalb seit den Herbstferien auf stark frequentierten Linien Verstärkerbusse unterwegs sind. Diese Extrabusse sollen bis zu den Sommerferien fahren. Vom kommenden Schuljahr an werden Schülermonatstickets etwas günstiger. © ALEXANDRA PALMIZI

Seit mehr als drei Monaten ist das Scool-Abo für die meisten Schülerinnen und Schüler schlicht für die Katz. Denn Unterricht findet nicht oder allenfalls sporadisch statt. Der VVS hat deshalb die Abbuchung des Scool-Abos im April ausgesetzt. Danke, sagt eine Mutter von zwei schulpflichtigen Jugendlichen, der Monat für Monat 86,60 Euro für zwei Scool-Abos abgebucht werden. Sie kritisiert trotz des April-Geschenkes die ihrer Meinung nach viel zu hohen Preise für die Schülertickets, die in Coronazeiten umso ärgerlicher sind, weil Kinder und Jugendliche Busse und Bahnen oft nur in ihrer Freizeit nutzen. Die Nachricht, dass die Schülerabos vom nächsten Schuljahr an günstiger werden, ist für die verärgerte Mutter nur ein kleines Trostpflaster. Statt 43,20 Euro im Monat kostet das Scool-Abo für Schüler an weiterführenden Schulen künftig 41,15 Euro; Grundschüler sowie Schüler der Förderschulen zahlen ab dem 1. September einheitlich 28,95 Euro.

Der Rems-Murr-Kreis lässt sich die Schülerbeförderung künftig 3,2 Millionen Euro kosten. Das VVS-Scool-Abo wird ab September vom Kreis mit 15 Euro bei Schülern ab Klasse 5 beziehungsweise 27,20 Euro bei Grund- und Förderschülern bezuschusst. Letztmals hatte der Landkreis den Zuschuss ab der fünften Klasse 2014 auf elf Euro erhöht.

Keine Ausnahmen mehr bei Grund- und Förderschülern

Sehr kompliziert ist bisher die Zuschussregelung für Schüler der Klassen 1 bis 4. Zu kompliziert, weshalb sämtliche Ausnahmeregelungen entfallen. Wie zum Beispiel das Scool-Abo ohne Netzwirkung für Grundschüler, deren Eltern darauf beharrten, dass ihre Kinder ja nur zwischen Wohnort und Schule die Busse benutzen und vom Netz nicht profitieren würden. Dieses Sonderticket gibt es nur im Rems-Murr-Kreis und wird derzeit von 600 Familien genutzt. Ab September entfällt es.

Das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises begründet die Erhöhung der Zuschüsse mit der VVS-Preisentwicklung. Jahr für Jahr erhöht der Verkehrsverbund die Preise, so dass sich der Kostenanteil der Eltern ebenfalls erhöhte. „Gleichzeitig haben die Schülerinnen und Schüler nicht von der Tarifzonenreform profitiert, da das Scool-Abo im gesamten VVS-Netz gilt“, heißt es in der Vorlage für die Kreisräte im Umwelt- und Verkehrsausschuss, der am Montag die Erhöhung des Zuschusses beschlossen hat. Um diesen Nachteil auszugleichen und das Scool-Abo attraktiver zu machen, haben sich die Verbundlandkreise geeinigt, ihre Zuschüsse zu erhöhen: von elf auf 15 Euro für Schüler ab Klasse 5 und auf einheitlich 27,20 Euro für Schüler der Klassen 1 bis 4. Hat eine Familie zwei Kinder in der Grundschule, fährt das zweite Kind wie bisher umsonst.

Die Stadt Stuttgart geht übrigens einen anderen Weg. Sie bietet ihren Schülerinnen und Schülern künftig ein 365-Euro-Jahresticket an. Der Rems-Murr-Kreis wie auch die anderen Verbundlandkreise scheuen diesen Schritt und wollten abwarten, wie sich das Stuttgarter Modell bewährt. „Mittelfristig ist die Umwandlung des Scool-Abos in ein Jahresticket geplant, wobei die Details, wie Kündigungsmöglichkeiten und Kosten, noch abgestimmt werden müssen“, heißt es in der Kreistagsvorlage. Das Bundesverkehrsministerium fördert Ideen wie das 365-Euro-Ticket, um den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen. In Aussicht steht eine Zwei-Drittel-Förderung über einen zweijährigen Zeitraum. Den Rems-Murr-Kreis würde das 365-Euro-Ticket ohne Förderung rund 1,4 Millionen Euro zusätzlich kosten.

Im Umwelt- und Verkehrsausschuss gab es Kritik an der abwartenden Haltung des Landratsamtes zum 365-Euro-Ticket. Von welchen Erfahrungen einer Großstadt wie Stuttgart denn der großteils ländlich geprägte Rems-Murr-Kreis eigentlich profitieren wolle, fragte die grüne Kreisrätin Marie-Luise Schmidt in Richtung Verwaltungsbank. Und auch Klaus Riedel (SPD) und Norbert Barthold (ÖDP) sprachen sich für eine einfache Lösung aus, nämlich 365 Euro für alle.

Und noch ein weiteres Schulbusthema ist im Ausschuss behandelt worden. Der Rems-Murr-Kreis will die sogenannten Verstärkerbusse bis zu den Sommerferien fahren lassen. Im morgendlichen Berufsverkehr sind seit den Herbstferien auf einigen, besonders von Schülern frequentierten Linien mehr Busse im Einsatz, um die Ansteckungsgefahr in überfüllten Bussen zu verringern. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss hat zugestimmt, dass der Kreis weiterhin das Covid-19-Landesförderprogramm „Verstärkerfahrten im Schülerverkehr“ in Anspruch nimmt und notfalls die nicht durch das Landesförderprogramm gedeckten Kosten selbst zahlt.

Land übernimmt die Kosten für Verstärkerbusse bis Pfingsten

„Die weiterhin sehr angespannte Corona-Pandemielage macht es aus Sicht der Kreisverwaltung erforderlich, nun noch eine Entscheidung für die Zeit bis zu den Sommerferien 2021 herbeizuführen“, heißt es in der Vorlage für die Kreisräte. Bis zu den Pfingstferien übernimmt das Land auf jeden Fall die Kosten für den Einsatz von Verstärkerbussen zu 95 Prozent. Erst nach den Osterferien entscheidet das Land aber, wie’s bis zum Sommer weitergeht. Doch das Landratsamt will Planungssicherheit und übernimmt notfalls die durchaus überschaubaren Kosten von höchstens 70 000 Euro für Verstärkerbusse selbst.

„In welchem Umfang Verstärkerbusse tatsächlich notwendig sein werden, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden“, so das Landratsamt. Maßgeblich werde sein, wie sich die Corona-Pandemielage bis dahin entwickelt. Von dieser Entwicklung hängt es ab, in welchem Umfang Präsenzunterricht stattfinden wird und ob insbesondere Wechselunterricht dazu führt, dass die Auslastung der Busse auch ohne den Einsatz von Verstärkerbussen moderat ist. „Die Landkreisverwaltung beobachtet die Situation gemeinsam mit dem VVS, den Busunternehmen und den Schulträgern laufend, um kurzfristig und flexibel reagieren zu können.“

Seit mehr als drei Monaten ist das Scool-Abo für die meisten Schülerinnen und Schüler schlicht für die Katz. Denn Unterricht findet nicht oder allenfalls sporadisch statt. Der VVS hat deshalb die Abbuchung des Scool-Abos im April ausgesetzt. Danke, sagt eine Mutter von zwei schulpflichtigen Jugendlichen, der Monat für Monat 86,60 Euro für zwei Scool-Abos abgebucht werden. Sie kritisiert trotz des April-Geschenkes die ihrer Meinung nach viel zu hohen Preise für die Schülertickets, die in

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