Rems-Murr-Kreis

Dauerregen im Rems-Murr-Kreis: Droht uns ein Hochwasser?

Regen
Fotograf Gabriel Habermann war lange auf der Suche, bis er an der Fischtreppe der Rems in Waiblingen ein bisschen sprudelndes Wasser gefunden hat, wenige Meter entfernt, am Wehr, sagt er, schwammen die Enten ganz tiefenentspannt. © Gabriel Habermann

Die Handy-App des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe „Nina“ warnt vor „Dauerregen“. Außerdem heißt es, dass in den kommenden Tagen zu erwarten ist, dass hier und da die Flüsse „stark“ ansteigen. Bislang allerdings liegt die Rems noch ganz zahm in ihrem Bett. Müssen wir uns Sorgen machen?

Warnung vor Dauerregen mit bis zu 50 Litern auf den Quadratmeter

Dauerregen soll’s geben. Erwartet werden an manchen Stellen 35 bis 50 Liter auf den Quadratmeter. Welzheim soll laut Nina-Warn-App besonders betroffen sein. Welzheim allerdings ist nicht hochwassergefährdet. Die Stadt liegt auf dem Berg und wird von keinem hochwasserträchtigen Fluss durchzogen. Anders sieht’s da in den Orten und Städten an Rems und Murr aus.

Die Rems aber zeigt noch keine Anzeichen von Wachstum. Der Fotograf vor Ort ist nachgerade verzweifelt und meint, der Fluss gebe in Sachen Pegelanstieg „wirklich noch nix her“.

Stimmt. Obwohl es in den letzten Tagen auch schon ausgiebig geregnet hat, sind die Messwerte an der Rems seit Samstag, 1. Januar, gesunken. Einen leichten Schlenker nach oben hat der Pegel am Montag, 3. Januar, zwar gemacht. Doch dann ist er wieder nach unten gerutscht, um dann, am Dienstag um die Mittagszeit, noch mal um ein schwäbisches Muggaseggele nach oben zu gehen. Auf ungefähr 50 Zentimeter beim Schorndorfer Bauhof und auf vielleicht 75 Zentimeter an der Messstelle in Neustadt.

Die Murr hat in Sachen Pegelstand einen Schlenker nach oben gemacht - allerdings auf niedrigem Niveau

Auch die Wieslauf bei Haubersbronn, durchaus zu gewaltigen Überflutungen fähig, fließt mit unter 40 Zentimetern dahin. Nur die Murr bei Oppenweiler hat am Dienstag einen zumindest in der Grafik der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg gut sichtbaren Schlenker nach oben gemacht. Allerdings startete dieser Schlenker im gerade mal gut knöcheltiefen Wasser und endete bei 50 Zentimetern.

Wie’s weitergeht mit den Pegeln? Tja, genau weiß man das ja immer erst hinterher. Und die Vorhersagen der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg haben dementsprechend einen großen Spielraum. Für die Murr bei Oppenweiler zum Beispiel schätzen die Fachleute, dass der Pegel am Mittwoch, 5. Januar, einen Höchststand von 140 Zentimetern erreichen wird. Es könnten aber auch nur knapp 90 Zentimeter sein. Oder aber 185 Zentimeter. Beim großen und verheerenden Hochwasser im Jahr 2011 hatte die Murr allerdings hier 359 Zentimeter zu bieten. Die Wieslauf hatte im Jahr 2011 ebenfalls Schreckliches angerichtet. Sie kam damals mit einem Pegelstand von 312 Zentimetern daher. Was dort für die Tage jetzt zu erwarten ist? Abwarten. Die Hochwasservorhersagezentrale veröffentlicht für deren Pegel leider keine Vorhersagen.

Wird die Rems am Mittwoch auf 230 Zentimeter ansteigen?

Die Rems bei Neustadt könnte bis zu etwa 230 Zentimetern ansteigen. Wahrscheinlich werden’s aber nur 185 Zentimeter. Kein Vergleich zum Hochwasser von 2002, das mit 497 Zentimetern daherkam. Ganz zu schweigen von 1956: 609 Zentimeter. Und auch beim Schorndorfer Bauhof wird der Wasseranstieg moderat bleiben. Die Vorhersagespanne liegt zwischen 100 und 170 Zentimetern. Im Jahr 2013 waren’s 404 Zentimeter.

Wenn’s nach den Leuten vom Forstamt geht, dürfte es im Übrigen gerne noch weiterregnen. Natürlich ohne dass es zu einem Hochwasser kommt. Doch auch das Jahr 2021, das in der Wahrnehmung der Menschen ja fürchterlich mieswettrig und wasserlastig war, hat dem Remstal deutlich zu wenig Regen gebracht. Eine Aufstellung der Agrarmeteorologie Baden-Württemberg, einem Dienst des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg und des Landwirtschaftsministeriums, zeigt: Im Jahr 2021 hat es im Remstal insgesamt 659,8 Millimeter auf den Quadratmeter geregnet. Das langjährige Mittel, ermittelt aus den Jahren von 1961 bis 1990, liegt bei 791,6 Millimetern auf den Quadratmeter. 2021 war's also eindeutig zu wenig. Und die Jahre zuvor – abgesehen vom Jahr 2017 – war es genauso schlimm bis schlimmer.

Um das Wasserdefizit auszugleichen, müsste es 70 Tage lang regnen

Kilian Knötzele vom Forstamt Rems-Murr schreibt: „Wenn es an einem starken Dauerregentag zehn Millimeter regnet, und wir die letzten vier Jahre circa 700 Millimeter Defizit hatten, dann müsste es jetzt 70 Tage durchregnen.“ Dann erst wäre das Wasserdefizit, unter dem der Wald seit Jahren leidet, ausgeglichen.

Doch so weit wird’s nicht kommen. Das Ende des Dauerregens ist absehbar. Und die Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg schätzt die Hochwassergefährdung für den Rems-Murr-Kreis als „gering“ ein.

Die Handy-App des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe „Nina“ warnt vor „Dauerregen“. Außerdem heißt es, dass in den kommenden Tagen zu erwarten ist, dass hier und da die Flüsse „stark“ ansteigen. Bislang allerdings liegt die Rems noch ganz zahm in ihrem Bett. Müssen wir uns Sorgen machen?

Warnung vor Dauerregen mit bis zu 50 Litern auf den Quadratmeter

Dauerregen soll’s geben. Erwartet werden an manchen Stellen 35 bis 50 Liter auf den Quadratmeter.

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