Rems-Murr-Kreis

Der bedrängte Rettungswagen auf der B14 bei Korb und das immer aggressivere Verkehrsklima

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An einer Fahrzeugkolonne vorbeifahren und sich vorne wieder reindrängeln – nur eine von vielen wenig sozialen Verhaltensweisen mancher Autofahrer, auch auf der B14 (hier ein Symbolbild von einer Szene auf der Bundesstraße). © Habermann

Drängeln, hupen, nötigen, Rettungsgassen zum Überholen nutzen, andere gefährden, Rettungskräfte behindern oder sogar bedrohen: Die Liste der Verfehlungen und des im Straßenverkehr immer aggressiver und ignoranter werdenden Zeitgeistes ließe sich fast unendlich fortsetzen. Das wird in der jährlichen repräsentativen Querschnittsbefragung der deutschen Bevölkerung im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer (UDV) deutlich, die diese unter dem Titel „Verkehrsklima“ herausgeben.

Am Donnerstag, 1. Oktober, wurde nun also die Bilanz „Verkehrsklima 2020“ in Berlin vorgestellt. 94 Prozent der insgesamt 2080 Befragten unterschiedlichen Alters ab 18 Jahren wollen regelmäßig beobachtet haben, wie andere durch Vorbeifahrt an einer Autokolonne versuchen, sich möglichst weit vorne einzuordnen; nur 46 Prozent gaben an, dies regelmäßig selbst zu tun, wenn viele Autos auf ihrer Spur warten.

Außerdem empfinden viele der Befragten das allgemeine Verhalten im Straßenverkehr als zunehmend aggressiv und vermuten folgende Faktoren als „sehr häufig“ ursächlich für Verkehrsunfälle:

  • Fahren unter Alkoholeinfluss: 84 Prozent der Befragten.
  • zu geringer Sicherheitsabstand, zu schnelles Fahren oder während der Fahrt SMS lesen/schreiben: jeweils 88 Prozent der Befragten; während der Fahrt im Internet surfen: 82 Prozent der Befragten;
  • aggressives Verhalten im Straßenverkehr: 87 Prozent der Befragten.

Passend dazu vermeldete das Polizeipräsidium Aalen Anfang der Woche einen Vorfall auf der B 14 bei Korb: „Rettungswagen bedrängt. Ein 20-jähriger Rettungswagenfahrer war am Montag gegen 14.30 Uhr mit Sondersignal auf der B14 in Richtung Winnenden auf dem linken Fahrstreifen unterwegs. Dabei fuhr ein BMW-Fahrer sehr dicht auf den Rettungswagenfahrer auf und signalisierte durch Lenkbewegungen und Lichthupe, dass er den Rettungswagen trotz eingeschaltetem Signal überholen wolle. Der 20-Jährige machte dem BMW-Fahrer Platz, so dass dieser mit hoher Geschwindigkeit weiterfuhr und weitere Fahrzeuge überholte. Das Polizeirevier Waiblingen bittet unter07151 / 950422 um Hinweise, auch von eventuell weiteren Geschädigten.“

Auch der Respekt und die Empathie für Rettungskräfte haben abgenommen und das ungenierte Gaffertum hat zugenommen. Der Rettungsdienstleiter des Roten Kreuzes Rems-Murr berichtete dieser Zeitung mehrfach, dass zunehmend nicht hinnehmbares Verhalten Schaulustiger zu beobachten sei. Beim Citytreff in Winnenden 2018 zum Beispiel wurden Sanitäter verbal massiv angegangen, als sie einen Patienten versorgten.

Drängeln, hupen, nötigen, Rettungsgassen zum Überholen nutzen, andere gefährden, Rettungskräfte behindern oder sogar bedrohen: Die Liste der Verfehlungen und des im Straßenverkehr immer aggressiver und ignoranter werdenden Zeitgeistes ließe sich fast unendlich fortsetzen. Das wird in der jährlichen repräsentativen Querschnittsbefragung der deutschen Bevölkerung im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer (UDV) deutlich, die diese unter dem Titel „Verkehrsklima“ herausgeben.

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