Rems-Murr-Kreis

Der DGB im Rems-Murr-Kreis steckt im Konflikt: Frieden! Aber wie?

Matthias Fuchs
Der Wunsch nach Frieden in Zeiten des Krieges: Der Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Rems-Murr, Matthias Fuchs, im Gespräch. Links neben ihm: DGB-Gewerkschaftssekretär André Fricke. © Gabriel Habermann

In weniger als einer Woche, am Donnerstag, 1. September, ist Antikriegstag, traditionell der Tag, an dem am Fellbacher Friedensbaum eine Kundgebung stattfindet. Traditionell zutiefst pazifistisch. Nie war dieser Tag aktueller denn heute. Aber: Noch nie hat sich der DGB-Kreisvorsitzende Matthias Fuchs so offen hin- und hergerissen gezeigt.

Was vor wenigen Jahren zu 100 Prozent richtig schien, scheint heute falsch

Sein innerer Pazifist, sagt Matthias Fuchs, Rems-Murr-Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds DGB, kämpfe: die weltpolitische Lage, der Ukrainekrieg und seine Auswirkungen. Man habe gedacht, das sei schnell vorbei und idealerweise zögen sich die Russen zurück. Und jetzt könne man sogar von einer Eskalation sprechen. Fuchs sieht eine „Art Hurra-Patriotismus“ in Deutschland. Daher sei der Antikriegstag schon lange nicht mehr so aktuell gewesen. „Wir wollen, dass es Frieden gibt in der Welt.“ Denn im Krieg würden die Menschen nur verlieren. Vor allem die, für die die Gewerkschaften stehen. Aber andererseits: „Darf man einem Despoten alles durchgehen lassen?“

Matthias Fuchs fordert eine europaweite Friedensinitiative - schon jetzt, zu Kriegszeiten

„Für was wir vor Jahren zu hundert Prozent standen, scheint heute falsch“, sagt Fuchs. Er fragt sich heute, ob man „richtig“ und „falsch“ wirklich so eindeutig definieren könne. Handel, das zeige sich jetzt, „verhindert den Krieg leider nicht“. Und jedes Volk habe das Recht, sich zu verteidigen, wenn es angegriffen wird. Genauso, wie Deutschland die Verpflichtung habe, die Angegriffenen zu unterstützen. „Da bin ich sehr dafür.“ Und trotzdem: Er wolle, sagt Matthias Fuchs, „dass die Waffen weniger werden“. Es brauche daher schon jetzt – in einer Zeit, in der die Ukraine noch mit Waffen unterstützt wird – eine europaweite Friedensinitiative. Man müsse schon jetzt über den Frieden danach nachdenken. Und man dürfe gleichzeitig jene Menschen nicht vergessen, die hier in Deutschland unter den Kriegsfolgen leiden. Die 100 Milliarden, die so plötzlich und so schnell für die Bundeswehr zur Verfügung standen, seien keine Antwort auf die Probleme jener Menschen, die nicht mehr wissen, wie sie das Geld, das das Leben kostet, zusammenbringen sollen. Der Staat habe bewusst den Weg für 100 Milliarden für die Bundeswehr frei gemacht. Doch der Rest bleibe offen. Dabei müsse auch hier, sagt Fuchs, geklotzt und nicht gekleckert werden.

Und wer soll das bezahlen? Matthias Fuchs ist für eine Übergewinnsteuer. „Es sollen die zahlen, die noch viel mehr und unverschämt viel haben.“ Vor allem jene, die am Krieg verdienen.

In weniger als einer Woche, am Donnerstag, 1. September, ist Antikriegstag, traditionell der Tag, an dem am Fellbacher Friedensbaum eine Kundgebung stattfindet. Traditionell zutiefst pazifistisch. Nie war dieser Tag aktueller denn heute. Aber: Noch nie hat sich der DGB-Kreisvorsitzende Matthias Fuchs so offen hin- und hergerissen gezeigt.

Was vor wenigen Jahren zu 100 Prozent richtig schien, scheint heute falsch

Sein innerer Pazifist, sagt Matthias Fuchs,

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