Rems-Murr-Kreis

Der Impfgegner-Mitläufer und ehemalige Schorndorfer Pfarrer Steffen Kaupp

Montagsspaziergang LB
Einer der jüngsten Montagsspaziergänge in Ludwigsburg. © Holm Wolschendorf/LKZ

Der Fall Bernhard Elser, der Fall des Hegnacher Pfarrers, Impfgegners und NS-Zeit-Verharmlosers ist nicht einzig in der Evangelischen Landeskirche. Jetzt hat sich der langjährige ehemalige Schorndorfer Stadtpfarrer Steffen Kaupp positioniert. Er läuft bei den sogenannten Spaziergängern mit.

Es gibt Fotos von ihm im nächtlichen Dunkel in Ludwigsburg, zu finden in den sozialen Netzwerken. Texte, die er drunterstellt, lauten so: „Heute waren wieder viele Engel auf der Straße.“ Und: „Bleib auch du gesund und geh spazieren.“ Kein einfaches Mitlaufen, sondern ein Aufruf. Und der dürfte allemal kirchenintern, kirchenrechtlich zu bewerten sein.

Nach seiner Schorndorfer Zeit heuerte Kaupp erst als Projektpfarrer beim Evangelischen Landeswerk an, heute macht er das Verbindungsglied zwischen der Ludwigsburger Gesamtgemeinde und der Karlshöhe-Diakonie. Zu 50 Prozent ist er noch Klinikseelsorger am Olga-Krankenhaus. Ausgerechnet Krankenhauspfarrer. Es ist, als ob er einer Intensivkrankenschwester mit einem Ruck die dreifache Schutzkleidung runterreißt. So muss es sich anfühlen etwa für Pflegekräfte, die sehr oft Ungeimpfte verzweifelt am Leben halten.

Kaupp erreicht man problemlos unter seiner Krankenhausseelsorger-Nummer. Er leugnet auch nicht die Urheberhaft für die Fotos und die Texte. Er sieht sich indes in der Rolle eines Vermittlers. Er wolle, sagt er dieser Zeitung, einer „schweigenden Mehrheit“ Plattform und Kanal sein. Sein Aufruf sei geeignet, die „demokratische Debattenkultur“ zu sichern, „ich will dem Recht auf freie Meinungsäußerung Ausdruck verleihen“. Er habe die Erfahrung machen müssen, dass Leserbriefe nicht abgedruckt werden. Beim sogenannten Montagsspaziergang in Ludwigsburg – Ähnliches fand auch in Winnenden und Waiblingen und Schorndorf statt – habe er keine Transparente gesehen, hinter denen er nicht dreinlaufen könne. Er sah auch „keine dummen Reichsbürger“. Diese Aufläufe, bei denen mutmaßlich meist von der AfD gesteuerte Kundgebende Katz und Maus mit der Polizei spielen, würden von „den Medien etwas einseitig dargestellt“, die Teilnehmer „sofort verdächtigt“.

Kaupp verbrachte frühere Jahre mit seiner Familie in Ostdeutschland. Er beobachtet, wie etwa in Sachsen die Bewegung der Impfgegner unterdrückt werde und „außer Schweigen“ sich wenig mehr rege im Land. So viel dazu: Dass Kaupp in Ludwigsburg keine Plakate sah, hat etwas mit der Taktik der obskuren Demonstrantenschar zu tun. Nicht auffallen, einfach diffus einsickern in die jeweilige Stadtgesellschaft.

Nicht wenige in Schorndorf werden sich jetzt getäuscht sehen in ihrem Pfarrer Kaupp. Denn dass er eine hohe Bindungskraft entwickeln konnte zu seinem Klientel, das steht für den außer Zweifel, der ihn je erlebt hat. Vorne, niederschwellig, stand er nicht im schwarzen Talar, was jüngste Gemeindemitglieder hätte schrecken können, sondern im weißen, naturbelassenen Gewand. Die Orgel durfte nicht oft ertönen in seinen Gottesdiensten. Sie drücke mit ihrer Wucht die Gemeinde nur tief in die Kirchenbänke, sprach er einmal. Lieber griff der "Waschbrett"-Musiker zur Akustikgitarre und stimmte luftigen Sacro-Pop an. Es durfte gerne was Internationales sein, was Rockiges und Folkiges. Die Kirche als erlebnispädagogischer Ort.

In Schorndorf rätselte der Kirchennahe wie der Kirchenferne bald, wo Kaupp denn stehe. Die evangelische Kirche ist ja gespalten in politische Interessengruppen. Gehört er den Bibeltreuen an, den Pietisten? Er wich aus bei Zuschreibungen. Man beließ es dabei, ihn als Charismatiker zu bezeichnen. Als Mann mit Charme und jugendlichem Habitus, der das Wort direkt aus der Bibel nimmt. Da hat man es mit der Wissenschaft nicht so. Auf die Frage, ob er denn den Forschungsstand zu Corona auch als Meinung bezeichnen will, weicht er aus, ein weiteres Mal. Wissenschaft könne für jeden anders ausschauen.

Der Fall Bernhard Elser, der Fall des Hegnacher Pfarrers, Impfgegners und NS-Zeit-Verharmlosers ist nicht einzig in der Evangelischen Landeskirche. Jetzt hat sich der langjährige ehemalige Schorndorfer Stadtpfarrer Steffen Kaupp positioniert. Er läuft bei den sogenannten Spaziergängern mit.

Es gibt Fotos von ihm im nächtlichen Dunkel in Ludwigsburg, zu finden in den sozialen Netzwerken. Texte, die er drunterstellt, lauten so: „Heute waren wieder viele Engel auf der Straße.“ Und:

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