Rems-Murr-Kreis

Der Rems-Murr-Kreis als Atommüll-Lager? Prüfung hat begonnen, Thema im Kreistag

Schorndorf Marktplatz  Die Naturfreunde veranstalten auf dem marktplatz eine Mahnwache gegen Atomkraft
Die Suche nach einem Endlager wird absehbar dazu führen, dass die Debatte über Sinn und Unsinn der Atomkraft neue Schärfe gewinnt. Das Foto entstand 2011 in Schorndorf bei einer Mahnwache nach dem Reaktor-Unglück in Fukushima. © Habermann

Tausend Meter unter der Oberfläche tummelt sich kristallines Wirtsgestein. Diese teils mehrere Hundert Meter dicke Granit-Schicht taugt nicht allzu viel und wäre nicht der Rede wert – wenn es sich nicht als Endlagerstätte für Atommüll eignen würde. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat mit Erkundungen begonnen, inwieweit sich der Rems-Murr-Kreis als Atommüll-Endlager eignet.

Ob der Kreis zu einem Gorleben 4.0 wird, ob hier eines Tages Schächte in die Erde getrieben werden und ob Atomkraftgegner die Schienen blockieren, ist allerdings längst nicht ausgemacht – immerhin halten die Geologen insgesamt 54 Prozent der Fläche Deutschlands wegen ihrer tief gelegenen Gesteinsschichten aus Ton, Salz oder eben Granit potenziell für geeignet als Endlagerstätten. In die Debatte um die Zukunft der Atomkraft wird die Suche nach einer Endlagerstätte jedenfalls absehbar neuen Zündstoff bringen. 

Das Kern-Problem: Wohin mit dem strahlenden Abfall?

1960 ging im bayrischen Kahl das erste deutsche Atomkraftwerk in Betrieb. Wo der radioaktive Müll gelagert wird, ist bis heute nicht klar. Derzeit stapeln sich die Castorbehälter in den AKW. Ende 2022 sollen hierzulande die letzten abgeschaltet werden. Mit dem strahlenden Abfall aus den Kernkraftwerken werden sich noch viele, viele Generationen herumschlagen müssen.

Seit ein paar Jahren ist nun die Bundesgesellschaft für Endlagerung auf der Suche nach Standorten und will in vier Teilgebieten „neuartige repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen“ vornehmen, um neue Methoden zur Standortwahl zu entwickeln und zu erproben. „Eines dieser vier Teilgebiete zur Methodenentwicklung ist das Teilgebiet 009 00 Kristalin (Saxothuringikum), welches auch Flächen des Rems-Murr-Kreises beinhaltet“, heißt es in einer Vorlage für den Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages, der am Montag, 21. März, tagt. „Dies bedeutet nicht, dass dieses Teilgebiet für ein Endlager besonders geeignet ist“, heißt es dort weiter. „Auch eine Vorfestlegung auf eine Standortregion ist damit nicht verbunden.“ Wo genau das im Rems-Murr-Kreis sein soll, weiß auch noch keiner. Der passende Granit tief unten in der Erde muss erstmal gefunden werden.

Uff, gerade noch mal davon gekommen? Doch was ist geplant?

Suche nach dem Endlager: Derzeit läuft Phase 1

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ist mit der Aufgabe beauftragt, bis zum Jahr 2031 einen Standort zu finden, der für eine Million Jahre die bestmögliche Sicherheit für den Einschluss hoch radioaktiver Abfälle bietet, heißt es in der Vorlage für den Kreistag. Die Suche erfolge „in einem wissenschaftsbasierten und transparenten Verfahren“ in drei Phasen.

  • Phase I: Ausschluss ungeeigneter Gebiete durch Auswertung vorhandener Geodaten und Ermittlung prinzipiell geeigneter Teilgebiete. Aus den Teilgebieten werden nach öffentlicher Diskussion und Auswertung weiterer Daten Standortregionen festgelegt, die für die Endlagerung günstig erscheinen.
  • Phase II: Oberirdische Erkundung der Standortregionen. Festlegung der Standorte, die untertägig untersucht werden sollen.
  • Phase III: Erkundung unter Tage an mindestens zwei Standorten. Festlegung des bestmöglichen Endlagerstandortes.

Im Rems-Murr-Kreis befinden sich zwei Teilgebiete, die sich als „kristallines Wirtsgestein“ zumindest theoretisch als Endlager anbieten. Ganz optimal sind sie jedoch nicht. Bei einem der elf Kriterien, nämlich dem Kriterium 11 – „Bewertung des Schutzes des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs durch das Deckgebirge“ – wird das Teilgebiet nur „bedingt günstig“ bewertet.

Die BGE hat im Juli 2021 das Landratsamt informiert, dass es nun in einem zweiten Schritt der Phase I darum geht, erste Sicherheitsbewertungen vorzunehmen und so eine Eingrenzung der insgesamt 90 zum Teil sehr großflächigen Teilgebiete zu ermöglichen.

Am Ende dieser Phase 1 werde die BGE einen Vorschlag machen, in welchen Standortregionen oberirdische Erkundungen, also Bohrungen, Messprogramme oder Ähnliches stattfinden sollten.

Online-Veranstaltungen für den Rems-Murr-Kreis geplant

Als eines der vier Gebiete zur Methodenentwicklung wurde das Teilgebiet 009 00 Kristalin (Saxothuringikum) ausgewählt, das sich von Baden-Württemberg bis nach Sachsen zieht. Somit befindet sich auch der Rems-Murr-Kreis in diesem Gebiet zur Methodenentwicklung.

Hierbei gehe es nun um praktische Fragen wie etwa: Wie viele Bohrungen gibt es in diesem Teilgebiet, und was lässt sich aus den ermittelten Daten für die umfassende geologische Beschreibung des Gebiets mit Blick auf den sicheren Einschluss der radioaktiven Abfälle ableiten?

Die BGE wird Ende März 2022 einen Arbeitsstand ihrer Methodik veröffentlichen und acht Wochen lang online zur Diskussion stellen. Eine Reihe von Veranstaltungen, bei denen Experten der BGE das Vorgehen erläutern und erste Fragen beantworten, wird die Online-Konsultation und die Möglichkeit zur Einreichung von Stellungnahmen ergänzen.

Für den Rems-Murr-Kreis ist am Donnerstag, 31. März, von 18 bis 20 Uhr eine Online-Informationsveranstaltung vorgesehen.

Darüber hinaus gibt es neben diesen gebietsspezifischen Veranstaltungen eine digitale Einführungsveranstaltung pro Gebiet zur Methodenentwicklung für Einsteiger. Diese digitale Veranstaltung mit Bezug konkret auf den Rems-Murr-Kreis findet am Mittwoch, 30. März, von 16 bis 17 Uhr statt.

Beide Veranstaltungen finden digital über das Konferenz-Tool „Zoom“ statt. Der jeweilige Link hierfür wird am entsprechenden Veranstaltungstag unter https://www.bge.de/de/ veröffentlicht.

Zudem werden die Veranstaltungen auf Youtube im Livestream (externer Link) übertragen.

Tausend Meter unter der Oberfläche tummelt sich kristallines Wirtsgestein. Diese teils mehrere Hundert Meter dicke Granit-Schicht taugt nicht allzu viel und wäre nicht der Rede wert – wenn es sich nicht als Endlagerstätte für Atommüll eignen würde. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat mit Erkundungen begonnen, inwieweit sich der Rems-Murr-Kreis als Atommüll-Endlager eignet.

Ob der Kreis zu einem Gorleben 4.0 wird, ob hier eines Tages Schächte in die Erde getrieben werden und ob

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