Rems-Murr-Kreis

Deutscher Wandertag im Remstal: Was wird für Menschen mit Behinderung geboten?

1. Mai
Touren für jeden Geschmack will der Deutsche Wandertag 2022 bieten. © ALEXANDRA PALMIZI

Der 121. Deutsche Wandertag, der vom 3. bis 7. August in Fellbach und im Remstal stattfindet, ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein besonderer. Nachdem die Veranstaltung 2020 wegen der Corona-Pandemie ausgefallen war und im vergangenen Jahr nur in einer abgespeckten Version stattfinden konnte, wird es in diesem Jahr wieder ein Großevent, 30 000 Wanderfreunde werden erwartet. Zum ersten Mal wird außerdem ein Fokus auf die Teilhabe beeinträchtigter Menschen gelegt.

„Inklusion ist in Fellbach schon lange ein großes Thema, deshalb war es uns wichtig, auch den Deutschen Wandertag so zu planen, dass Teilhabe für alle möglich ist“, sagt Gabriele Zull, Oberbürgermeisterin von Fellbach, der Wandertagshauptstadt in diesem Jahr. Seit Jahren arbeitet die Stadt mit der Arbeitsgemeinschaft „hürdenlos“ zusammen, um etwa bei Bauprojekten oder Infrastrukturmaßnahmen Betroffene direkt zu beteiligen, so auch nun beim Deutschen Wandertag.

„Wandern für alle“

Zu den inklusiven Angeboten gehören unter anderem Wanderungen, Tastmodelle für Blinde, Übersetzungen in „leichte Sprache“, die Übersetzung der Eröffnungs- und Abschlussfeier in Gebärdensprache, speziell gekennzeichnete und zertifizierte Wege sowie mehr als 30 speziell geschulte Wanderbegleiter. „Geschult wurde, wie sich Einschränkungen beispielsweise in der Orientierung, Kommunikation, Mobilität oder Selbstversorgung auswirken“, erklärt Marina Cillessen von der Diakonie Stetten, die bei diesen Ausbildungen federführend war.

„Elf von insgesamt mehr als 200 Touren sind explizit für Menschen mit Beeinträchtigungen geeignet“, sagt Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident sowohl des Deutschen Wanderverbands als auch des Schwäbischen Albvereins. Neben diesen Touren bietet der Schwäbische Albverein außerdem die Möglichkeit, für Gruppen auf Nachfrage zusätzliche Wanderungen zu organisieren, die individuell auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind sowie zwei Workshops zum Thema. „Menschen mit Beeinträchtigungen verbringen ihre Freizeit ebenso gerne in der Natur wie alle anderen auch, weshalb ,Wandern für alle‘ ein wichtiger Baustein für uns ist“, sagt Rauchfuß.

FE7: Neuer barrierearmer Wanderweg am Kappelberg

Das bestätigt Sebastian Till. Er hat seit sieben Jahren Multiple Sklerose, ist deshalb auf den Rollstuhl angewiesen und engagiert sich in der Arbeitsgemeinschaft „hürdenlos“. Die Natur biete für alle etwas, erklärt er. Ein Sehbehinderter nehme das Rauschen eines Baches oder die Düfte wahr, ein Rollstuhlfahrer genieße frische Luft mit beeindruckenden Aussichten. Gerade weil die Beeinträchtigungen so unterschiedlich sind, sei es aber schwer, Wanderwege zu zertifizieren, denn es gehe ja auch um die Natur und deren Erhalt. Ganz entscheidend seien deshalb sehr detaillierte Beschreibungen der Touren, so dass jeder individuell entscheiden könne, ob er diese Anforderungen schaffe oder vielleicht unterwegs Hilfe einer Begleitperson braucht.

Till steuerte sein Fachwissen unter anderem bei der Konzeption des extra für den Wandertag entstandenen Fellbacher Wanderwegs FE7 am Kappelberg bei. „Ich habe eine Übersichtskarte erstellt mit Park-, Sitz- und Einkehrmöglichkeiten, Steigungen und gefährlichen Stellen“, erklärt er. Danach wurde beispielsweise der Straßenbelag ausgebessert und neue Sitzbänke aufgestellt. „Die Zertifizierung von Wegen gibt Betroffenen Sicherheit und schafft Anreize, Neues auszuprobieren“, sagt Till. „Außerdem wird eine dadurch öffentliche Wahrnehmung geschaffen.“

Mehr Inklusion in der Zukunft

Insgesamt werden beim 121. Deutschen Wandertag knapp 70 Veranstaltungen und Touren für Menschen mit Beeinträchtigungen angeboten. Zu finden sind diese auch auf der barrierearmen Veranstaltungswebseite, wo sie direkt über ein buntes Symbol, den sogenannten Inklusionsball, aufgerufen werden können. Dort gibt es nicht nur Informationen zu Veranstaltungen und Touren, sondern auch darüber, wo sich beispielsweise Behinderten-Parkplätze und -Toiletten befinden.

Der 121. Deutsche Wandertag, hofft Rauchfuß, wird die Initialzündung dafür sein, dass auch bei kommenden Wandertagen Inklusion ein selbstverständlicher Bestandteil sein wird.

Info

Die Wandertagsplakette gibt es unter anderem in den Rathäusern der teilnehmenden Kommunen und unter www.remstal.de. Sie berechtigt auch zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Sie kostet 8,50 Euro, für Kinder und Schwerbehinderte ermäßigt 4 Euro. Weitere Informationen zum Wandertag unter www.dwt2022.de.

Der 121. Deutsche Wandertag, der vom 3. bis 7. August in Fellbach und im Remstal stattfindet, ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein besonderer. Nachdem die Veranstaltung 2020 wegen der Corona-Pandemie ausgefallen war und im vergangenen Jahr nur in einer abgespeckten Version stattfinden konnte, wird es in diesem Jahr wieder ein Großevent, 30 000 Wanderfreunde werden erwartet. Zum ersten Mal wird außerdem ein Fokus auf die Teilhabe beeinträchtigter Menschen gelegt.

„Inklusion ist in

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