Rems-Murr-Kreis

Die besten Weingüter im Remstal: Von A wie Aldinger bis Z wie Zimmerle

Weinlese 2020
Auf diesen Lemberger vom Korber Kopf darf man sich freuen. © Benjamin Büttner

Der Markt an Weinführern wird zunehmend unübersichtlich. Bis vor ein paar Jahren buhlten derer zwei, der Eichelmann und Gault&Millau, um die Gunst der Leser – und vor allem um die der Weingüter. Inzwischen sind es vier. Egal, ob der Verlag nun einen Obolus fürs Erscheinen verlangt oder nicht, die Weingüter müssen den Verkostern zumindest eine Kollektion zur Verfügung stellen. Bei Preisen von bis zu 50 Euro je Flasche kommt schnell ein hübsches Sümmchen zusammen. Kein Wunder, wenn der eine oder andere Wengerter dankend auf eine Teilnahme verzichtet – vor allem wenn ihm in der Vergangenheit die Kritiken nicht geschmeckt haben.

Das Spitzenfeld der Weingüter im Remstal zeigt sich über die vergangenen Jahre hinweg als konstant. Selbst der Newcomer bei den von uns betrachteten Weinführern, der Falstaff Wein Guide, bricht nicht aus dem Mainstream aus. An der Spitze stehen unverändert die beiden Fellbacher Weingüter Aldinger und Schnaitmann sowie Karl Haidle aus Stetten. Einen Trend nach oben zeigt Markus Heid aus Fellbach, der sowohl vom Eichelmann wie auch Vinum höher bewertet wird. Gleiches gilt für Jochen Beurer aus Stetten, den der Gault&Millau auf drei Trauben und Vinum auf zweieinhalb Sterne aufwertet.

Aufsteiger: Sterneisen, Leon Gold und Michael Maier

Sterne hin, Trauben her. Dem Remstal wird in den aktuellen Weinführern ein hohes Niveau attestiert und es gilt auch als führend in Württemberg. Neu im Eichelmann taucht das Weingut Sterneisen aus Remshalden auf. Viel Lob gibt es für Leon Gold aus Gundelsbach und Michael Maier aus Schwaikheim.

Die beste Lage im Remstal ist der Fellbacher „Lämmler“. Obwohl die mehr als 60 Hektar unter dem Kappelberg eigentlich nicht im Remstal liegen, sondern eher dem Neckar zugewandt sind. Sei’s drum. Der Eichelmann zeichnet den Lämmler-Spätburgunder „Großes Gewächs“ von Schnaitmann deshalb als „Klassiker“ aus, weil er Jahr für Jahr hohe Qualität biete und ein klares Profil zeige. Halt ein Klassiker, der „als Prototyp seiner Rebsorte und Region gelten kann“.

Der Falstaff zählt den Lämmler zu den privilegiertesten Weinlagen in Württemberg. Dort wachse nicht nur Schnaitmanns Spätburgunder, sondern auch die herausragenden Lemberger und Spätburgunder der Fellbacher Weingärtner, von Aldinger und Heid. Allesamt Große Gewächse.

Was gibt es sonst Neues aus der Weinwelt? Vinum kürt Jahr für Jahr „Deutschlands Spitzenweine“. Das Remstal ist zweimal in dieser Bestenliste vertreten, und zwar mit einem vierten und achten Platz bei den „Anderen Rotweinen“, worunter Vinum alle anderen Sorten außer Spätburgunder versteht. Platz vier belegt das Fellbacher Weingut Aldinger mit – siehe oben! – einem Lämmler Lemberger Großes Gewächs („Kühle Duftattacke“); auf dem achten Platz landet das Weingut Karl Haidle mit dem 2018er Stettener Gernhalde Lemberger Großes Gewächs („Leichter Anflug von Kirsche und frisch gebackenem Brot“).

Das Kapitel über Württemberg überschrieb Vinum mit „Die Emanzipation des Lembergers“. Die schwäbische Weltoffenheit kenne keine Grenzen, meint Vinum: „Der eigentliche Star unter den eingewanderten Rebsorten ist schon so lange heimisch, nämlich rund 170 Jahre, dass er mittlerweile als Urschwabe gelten darf: der Lemberger.“ Der Siegeszug des Lembergers sei bemerkenswert. Richtig. Viertelesschlotzer kannten Lemberger bloß als farbliche Zugabe zu ihrem geliebten Trollinger. Die Lemberger, so Vinum, erreichen jedoch heute eine „Feinheit und Tiefe, die vor einem Jahrzehnt wohl noch kaum für möglich schienen“. Bestes Beispiel sei Haidles „phänomenaler Lemberger Gernhalde“. Der sei nicht nur Jahrgangsbester seiner Klasse gewesen, sondern zähle zu den besten Rotweinen Württembergs überhaupt.

Gute Weiß- und Rotweine für jeden Tag – und für weniger als zehn Euro

Der neue, regionale Gault&Millau geht bei seiner Betrachtung von Baden und Württemberg ins Detail und unterscheidet die elf Regionen, darunter auch „Remstal-Stuttgart“. In der Hitparade der „preiswerten Weißweine für jeden Tag" taucht ein hiesiger Wein auf dem sechsten Platz auf, ein Weißburgunder von Schnaitmann für 9,50 Euro. Bei den erschwinglichen Rotweinen für unter zehn Euro findet sich ein Merlot „Ballade“ vom Weingut Doreas für 9,50 Euro und ein Blaufränkisch „Bunter Mergel“ von Karl Haidle.

Der Gault&Millau tut etwas, was unter vielen Weinexperten als Fauxpas gilt. Er druckt eine „Liebeserklärung an den Trollinger“ ab – und kürt die sieben besten Trollinger als „unvergleichliche, einzigartige Spezialität“: Der beste Trollinger stammt übrigens vom Weingut Aldinger.

Was beim Durchblättern der Weinführer auffällt, sind die vielen altbackenen, verschnörkelten Etiketten, die in anderen Weinregionen noch immer die Flaschen zieren. Die meisten Remstäler Weingüter heben sich mit klaren Linien und eher schlichtem Design angenehm ab. Das Auge trinkt schließlich mit.

Der Markt an Weinführern wird zunehmend unübersichtlich. Bis vor ein paar Jahren buhlten derer zwei, der Eichelmann und Gault&Millau, um die Gunst der Leser – und vor allem um die der Weingüter. Inzwischen sind es vier. Egal, ob der Verlag nun einen Obolus fürs Erscheinen verlangt oder nicht, die Weingüter müssen den Verkostern zumindest eine Kollektion zur Verfügung stellen. Bei Preisen von bis zu 50 Euro je Flasche kommt schnell ein hübsches Sümmchen zusammen. Kein Wunder, wenn der

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