Rems-Murr-Kreis

Die Cosima-App verhindert Zettelwirtschaft bei Antigen-Schnelltests

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In der Cosima-App werden negative Coronatests einen Tag lang gespeichert. © Joachim Mogck

Etwa 200 Schulen und schon 130 Firmen im Rems-Murr-Kreis setzen bereits auf die Cosima-App. Diese App verhindert nicht nur die lästige und zweitaufwendige Zettelwirtschaft, die mit einem Antigen-Schnelltest in Schule, im Betrieb oder beim Friseurbesuch einhergeht. Dank der digitalen Erfassung der Ergebnisse und der Bestätigung durch einen geschulten Dritten ist der Test einen ganzen Tag lang gültig. Wer sich morgens am Arbeitsplatz oder in der Schule einem Schnelltest unterzogen hat, kann nachmittags zum Friseur gehen und - wenn denn die erhofften Lockerungen je kommen werden - am Abend im Fitnessstudio trainieren, in der Kneipe ein Viertele trinken oder ein Konzert besuchen.

Cosima ist eine Insellösung für den Rems-Murr-Kreis

Einziges Manko der Cosima-App ist, dass sie nur im Rems-Murr-Kreis zum Einsatz kommt und somit eine Insellösung darstellt. Bei einem Pressegespräch stellte Landrat Richard Sigel jedoch klar, dass der Rems-Murr-Kreis bereit ist, die in eigener Regie und auf eigene Kosten entwickelte Software an andere Landkreise weiterzugeben. Denn deren Vorteile liegen auf der Hand, wie schon Cosan, die große Schwester von Cosima, gezeigt hat. Cosan vernetzt die 160 Testzentren zwischen Rems und Murr, ermöglicht eine schnelle Terminvereinbarung und verbindet sie mit dem Gesundheitsamt. Cosima schließt die Lücke zwischen dem beispielsweise von Ärzten oder Apotheken zertifizierten Antigentest in einem Testzentrum und einem selbst durchgeführten Test. Wird Letzterer von einem geschulten Dritten, einem sogenannten „Tester“, überwacht und bestätigt, so ist er so viel wert wie ein Test aus einem Testzentrum. Voraussetzung ist freilich, dass der Tester eine Einweisung und Schulung durchlaufen hat.

Scholz Haare: „Die App hilft uns enorm weiter“

So wie inzwischen mehr als 100 Mitarbeiter von Scholz Haare mit rund einem Dutzend Salons in der Region Stuttgart. Dank der Cosima-App habe sich die Akzeptanz der Antigentests bei der Kundschaft deutlich erhöht, sagte Geschäftsführer Oliver Scholz beim Pressegespräch. Für eine neue Frisur muss der Kunde einen negativen Test oder die Impfbestätigung vorlegen. Während der Viertelstunde, die ein Antigentest ja mindestens dauert und bei Scholz Haare zum Selbstkostenpreis von fünf Euro gemacht wird, kann sich der Kunde im Rems-Murr-Kreis nun auch die Cosima-App aufs Smartphone herunterladen. Der Tester bestätigt dann mit seinem Handy das negative Ergebnis auf das des Kunden. Diese Tests sind dann über den Friseurbesuch hinaus einen ganzen Tag lang gültig. Oliver Scholz' Fazit lautet: „Die Cosima-App hilft uns enorm weiter.“

IHK-Bezirkskammerpräsident Claus Paal bestätigt den positiven Eindruck. „Die Unternehmen sind interessiert und begeistert von der App!“ Der Rems-Murr-Kreis mit Landrat Richard Sigel an seiner Spitze beweise, dass die Politik über den Tag hinaus in die Zukunft denke. Cosima gehe richtigerweise den digitalen Weg. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Nachverfolgung von Infektionsketten oft genug am Papierkrieg gescheitert ist. Die Cosima-App erhöhe die Bereitschaft der Beschäftigten, sich regelmäßig testen zu lassen. Aber auch Claus Paal wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem Gastronomie, Kultur- und Sporteinrichtungen wieder vorsichtig öffnen dürfen, und natürlich auf die Tage, wenn die Pandemie überwunden und ganze Testerei überflüssig ist ...

Gesundheitsamt wird über positive Testergebnisse informiert

Die Schulung der Tester stellt sicher, dass der Test in isolierten Zonen erfolgt, über das Ergebnis nach außen Stillschweigen bewahrt und mit ihm „kein Schindluder getrieben“ wird. Im Fall eines positiven Tests jedoch sei garantiert, dass das Gesundheitsamt informiert wird und der wahrscheinlich Infizierte sich im nächsten Schritt einem PCR-Test unterzieht und sich vorläufig in Quarantäne begibt.

Als „Tester“ registrieren lassen kann sich im Prinzip jeder, der die theoretische und praktische Schulung hat. Voraussetzung ist jedoch, dass eine Firma, eine Schule, eine Behörde oder beispielsweise auch ein Sportverein dahintersteht. Nur im Namen einer solchen Institution kann man sich zum Tester registrieren lassen.

Seit über einem Jahr hadert Landrat Richard Sigel mit den Pleiten, Pech und Pannen, die mit der Bekämpfung der Pandemie einhergehen. So zum Beispiel im Herbst 2020 als das baden-württembergische Kultusministerium keinerlei Anstalten machte, die Schulen auf die bei einer zweiten Welle notwendigen Reihentestungen von Schulklassen vorzubereiten. Der Rems-Murr-Kreis sprang mit einem zentralen Schnelltestzentrum in die Bresche, um auch kurzfristig Tausende Schüler und Lehrer auf das Coronavirus testen zu lassen. Der Kreis ließ die Software Cosan entwickeln, über die Schulen ihre Termine buchen konnten und die die Ergebnisse ohne Zettelwirtschaft verwaltet.

Dank Cosan konnte der Rems-Murr-Kreis Bürgerinnen und Bürgern vor Weihnachten Schnelltests anbieten, ohne sie der Gefahr auszusetzen, sich in den Warteschlangen mit Corona anzustecken, sagte Richard Sigel über die Vorgeschichte von Cosima. Inzwischen vernetzt Cosan 160 Testzentren im Kreis mit dem Gesundheitsamt. Mitte April seien schließlich die Schulen verpflichtet worden, Kinder und Jugendliche zweimal in der Woche auf das Virus zu testen. Schon beim Gedanken an die Zettelwirtschaft, die auf die Rektorate, die Eltern und Schüler zugekommen wären, standen dem zweifachen Vater die Haare zu Berge. So ward Cosima geboren, zuzusagen als kleine Schwester von Cosan. Sie ist dank der Erweiterungen mit viel Mehrwert für die Bürger verbunden.

Sigel räumte bei dem Pressegespräch aber ein: „Wir hätten uns als Landkreis gewünscht, die App nicht selbst machen zu müssen.“ Die Kosten beziffert er mit unter 20 000 Euro - ohne die hohe Eigenleistung der Mitarbeiter des Landratsamtes einzuberechnen, allen voran des Kreismedienzentrums, das Sigel als „Think-Tank“ und digitale Denkfabrik des Rems-Murr-Kreises bezeichnete.

Etwa 200 Schulen und schon 130 Firmen im Rems-Murr-Kreis setzen bereits auf die Cosima-App. Diese App verhindert nicht nur die lästige und zweitaufwendige Zettelwirtschaft, die mit einem Antigen-Schnelltest in Schule, im Betrieb oder beim Friseurbesuch einhergeht. Dank der digitalen Erfassung der Ergebnisse und der Bestätigung durch einen geschulten Dritten ist der Test einen ganzen Tag lang gültig. Wer sich morgens am Arbeitsplatz oder in der Schule einem Schnelltest unterzogen hat, kann

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