Rems-Murr-Kreis

Die Freibäder öffnen: Wer kontrolliert die Einhaltung der coronabedingten Regeln?

Freibad
Ganz so unbeschwert wie 2019 wird der Freibad-Besuch in diesem Jahr wegen der coronabedingten Einschränkungen nicht werden. © ALEXANDRA PALMIZI

Das Korber Freibad ist an diesem Samstag, 6. Juni, neben dem Gmünder und dem Karlsruher eines der landesweit ersten in Baden-Württemberg, das nach der coronabedingten Schließung wieder für das allgemeine Publikum öffnet. Die Betreiber anderer Freibäder im Rems-Murr-Kreis lassen sich noch einige Tage mehr Zeit. Der Freibadbereich des Backnanger Wonnemar macht am Montag, 8. Juni, auf. Für das Winnender Wunnebad wird der Dienstag oder Mittwoch, 9./10. Juni, angepeilt. In Waiblingen und Bittenfeld wird vom 15. Juni für die Freibadöffnung gesprochen, so auch in Schorndorf für das Ziegeleiseebad, und in Fellbach für das F 3.

„Die für die Freibadöffnungen aktualisierte Landesverordnung stellt strenge Infektionsschutzregeln auf. Aber es obliegt uns nicht, hier Besserwisserei zu betreiben oder zu beurteilen, ob sie angemessen sind oder nicht, weil es ja um die Gesundheit aller geht. Kritikwürdig ist nur, dass wir als Badbetreiber alle Haftpflichten und Verantwortlichkeiten zugewiesen bekommen haben, wenn die Regeln von den Badegästen nicht eingehalten werden“, sagt Stefan Schwarz, einer der beiden Geschäftsführer der Winnender Stadtwerke.

Langt es, die Badegäste darauf hinzuweisen, dass die Regeln eingehalten werden müssen, bei Verstoß der Badbetreiber vom Hausrecht Gebrauch macht und Zuwiderhandelnde des Bades verweist? Und wenn derjenige nicht gehen möchte, wird die Polizei gerufen? Was ist, wenn sich jemand im Bad mit dem SARS-CoV-2 ansteckt und die Stadtwerke verklagt? – fragt Schwarz.

„Uns wäre lieber gewesen, wenn die Infektionsschutzkonzepte vom Gesundheitsamt vor Ort geprüft und abgenommen würden. So steht es aber leider in der Verordnung nicht drin“, sagt der Schorndorfer Bäderleiter Jörg Bay. Die Konzepte müssten nur auf Verlangen den Gesundheitsämtern vorgelegt werden. Durchführung und Kontrolle obliege ausschließlich den Badbetreibern, die Ordnungsämter und Ortspolizeien seien ebenfalls komplett außen vor. „Das wird sehr personalintensiv werden“ – wohl auch der Grund, warum die Ämter eine Involvierung abgelehnt haben.

Wie setzt man für jeden das „Recht aufs Wasser“ durch?

Sowohl in Winnenden als auch in Schorndorf sind trotzdem zunächst keine privaten Sicherheitsleute in den Freibädern im Einsatz, sondern nur mehr Aufsichtspersonal – laut Verordnung pro Becken und pro Attraktion (Sprungturm, Rutsche und dergleichen) je eine Person, zusätzlich zur „normalen“ Badaufsicht.

Die Anzahl der Badegäste muss der Verordnung folgend restriktiv beschränkt werden: „In Schwimmerbecken errechnet sich die maximale Anzahl an Personen, die sich gleichzeitig im Becken aufhalten, aus der Wasserfläche mit zehn Quadratmetern pro Person, in Nichtschwimmerbecken gelten vier Quadratmeter pro Person.“ Hinzu kommt der obligatorische und stets einzuhaltende 1,5-Meter-Sicherheitsabstand zwischen Personen. Wie setzt man dann aber zum Beispiel für jeden Badegast das „Recht aufs Wasser“ durch, wenn manche sich gefühlt ewig in den Becken aufhalten und andere länger warten müssen? Was ist, wenn Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden?

Schwarz und Bay setzen hier auf die Vernunft, Disziplin und Solidarität der Badegäste. „Es muss allen klar sein, wenn es zu viele Problem gibt, müssen wir das Ziegeleiseebad wieder schließen“, sagt Bay. Und Schwarz: „Wir sind ganz froh, dass andere vor uns aufmachen. Wir können von deren Erfahrungen profitieren. Und wir sehen das Wunnebad auch als Testlauf für das Mineralbad Höfen, das wohl erst ein, zwei Wochen später aufmachen wird.“

Zeitfenster für den Badbesuch: Maximal drei Stunden pro Tag

Für die Badbetreiber stehe nunmehr eine Lernkurve bevor. „Vielleicht wird es auch so sein müssen, dass Leute, die sich nicht an die Regeln halten, nicht erst ein paarmal ermahnt werden wie im Normalbetrieb, bevor sie des Bades verwiesen werden, sondern eben sofort“, sagt Bay. Definitiv werde es deftige Zusatzgebühren bei Überziehung der Besuchszeiten geben. Die Betreiber sind angehalten, ausschließlich zeitlich begrenzte Besuche zuzulassen. Das ist nicht nur nötig, um die Besucherzahl zu kontrollieren, sondern auch, um zwischendrin die vorgeschriebenen aufwendigen Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten durchzuführen.

Ins Ziegeleiseebad lassen die Betreiber zunächst maximal 900 Bade-Gäste gleichzeitig hinein, ins Wunnebad 500 bis 600. Es wird drei „Zeitfenster“ à drei Stunden geben. Im Ziegeleiseebad von 9 bis 11 Uhr, von 12 bis 15 Uhr und von 16 bis 20 Uhr. Im Wunnebad von 10 bis 13 Uhr, von 13.30 bis 16.30 Uhr und von 17 bis 20 Uhr. Die Zwischenzeiten sind für das Reinemachen der Anlage und für das Gehen und Kommen der Badegäste gedacht. „Alle Kontaktflächen, Sitzbänke, Türklinken, Handläufe etc. müssen nach drei Stunden desinfiziert werden. Das Reinigungspersonal müssen wir deshalb auch aufstocken“, sagt Bay.

„Machern der Verordnung scheint Wirkung von Chlor unbekannt“

Noch deutlichere Kritik an der zur Öffnung der Schwimmbäder aktualisierten Verordnung für Sportstätten kommt von Michael Krieger. „Als Erstes fällt auf, dass keinerlei Unterschiede zwischen Frei- und Hallenbädern gemacht werden. Damit scheint auch nicht berücksichtigt zu werden, dass ein Betrieb an der frischen Luft sicherer ist als in einer Halle.“ Dabei gebe es im Freien:

  • Wind und Luftbewegungen, die mögliche Viren zum Beispiel in Aerosolen wegtrügen;
  • eine geringere relative Luftfeuchte, die zu schnellerer Auflösung von Aerosolen führe;
  • eine durch mehr Luftvolumen bessere Verdünnung, um die Konzentration von Viren zu reduzieren;
  • und vor allem auch die UV-Strahlung von der Sonne, die Viren zerstört.

„Die durchweg guten Erfahrungen an allen Seen und Flüssen auch im Rems-Murr-Kreis zeigen, welch geringes Risiko einer Infektion im Freien besteht“, sagt Krieger. Der Geprüfte Meister für Bäderbetriebe aus Geradstetten hat Berufserfahrung als Betriebsleiter und stellvertretender Betriebsleiter von Bädern in Geradstetten, Leonberg und Filderstadt. Sonst schafft er mit viel Herzblut auch immer wieder im Freibad in Weinstadt-Strümpfelbach mit.

„Weiterhin scheinen den Machern der Verordnung immer noch nicht die stark desinfizierenden Eigenschaften von Chlorwasser bekannt zu sein. Chlorwasser zerstört das Virus in Sekunden. Auch die technische Möglichkeit, um noch sicherer zu sein, temporär die Chlorkonzentration geringfügig zu erhöhen, wird nicht erwähnt. In Warmsprudelbecken ist das zum Beispiel der Standard“, wundert sich Krieger.

„Während des gesamten Badebetriebs muss ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen sämtlichen anwesenden Personen … durchgängig eingehalten werden“ – so steht es in der Verordnung. „Es kommt zum Glück zwar selten vor, aber wie soll sich denn ein Mitarbeiter verhalten, wenn jemand zu retten ist?“, fragt Krieger.

Das Korber Freibad ist an diesem Samstag, 6. Juni, neben dem Gmünder und dem Karlsruher eines der landesweit ersten in Baden-Württemberg, das nach der coronabedingten Schließung wieder für das allgemeine Publikum öffnet. Die Betreiber anderer Freibäder im Rems-Murr-Kreis lassen sich noch einige Tage mehr Zeit. Der Freibadbereich des Backnanger Wonnemar macht am Montag, 8. Juni, auf. Für das Winnender Wunnebad wird der Dienstag oder Mittwoch, 9./10. Juni, angepeilt. In Waiblingen und

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