Rems-Murr-Kreis

Die Impfquote im Rems-Murr-Kreis: Eine Statistik mit Rätselfaktor

Altenheim
Ein Piks zum Schutz vor Corona: Wie viele Menschen im Rems-Murr-Kreis haben diesen inzwischen schon bekommen? © ALEXANDRA PALMIZI

Wie viele Menschen im Rems-Murr-Kreis sind mittlerweile geimpft? Das müsste sich doch eigentlich leicht beantworten lassen – sollte man meinen. Von wegen.

Die vom Sozialministerium am Dienstag veröffentlichten Impfquoten der Stadt- und Landkreise werfen Fragen auf. Vor allem, wenn jene Zahlen mit in Betracht gezogen werden, von denen auch Landrat Richard Sigel am Dienstagmorgen noch ausgegangen war. Er nämlich schrieb in einem Brief an alle Kreisräte, Oberbürgermeister, Bürgermeister und die Landtagsabgeordneten aus dem Rems-Murr-Kreis Folgendes: „Unsere Quote liegt bei 12,89 Prozent für die Erstimpfungen. [...] In der Gesamtbetrachtung liegen wir damit auf dem vorletzten Platz“.

28 190 Impfungen in einer Woche - kann das sein?

Diese Einschätzung war mit der Tabelle des Sozialministeriums, die am späteren Dienstagnachmittag öffentlich gemacht wurde, hinfällig: Der Rems-Murr-Kreis war von Platz 43 auf Platz 31 vorgerutscht in der Reihe der insgesamt 44 Stadt- und Landkreise. In der vom Sozialministerium veröffentlichten Tabelle wurden für den Zeitraum vom 27. Dezember bis zum 2. Mai für den Rems-Murr-Kreis 83 319 Erstimpfungen gezählt – ohne die Impfungen, die in Arztpraxen durchgeführt worden waren. In einer Tabelle, in der nur vom 27. Dezember bis zum 25. April gezählt worden war, wurden dem Rems-Murr-Kreis 55 129 Erstimpfungen zugeschrieben. Die Differenz liegt bei 28 190 Impfungen. Diese Impfungen müssen, so die Angaben in den Tabellen korrekt sind, in einer einzigen Woche über die Bühne gegangen sein. Kann das sein? Wo sollte das passiert sein? Im Kreisimpfzentrum sicherlich nicht.

Zuordnung der Impfungen jetzt mit "offizieller Postleitzahlenliste"

Das Sozialministerium erklärt auf Anfrage so: Die Auswertung vom 3. Mai sei exakter als die Auswertung, die bis zum 25. April zählte. Das liege daran, dass „die Zuordnung der Postleitzahl zu den Landkreisen“ nun „auf Grundlage einer offiziellen Postleitzahlliste mit entsprechender Zuordnung von der Deutschen Post AG“ erfolge. Daher gebe es jetzt nur für ganz wenige Postleitzahlbereiche noch „gewisse Unsicherheiten, weil diese in zwei oder mehr Landkreisen“ liegen. Durch diese exaktere Datengrundlage habe sich tatsächlich beim Rems-Murr-Kreis ein „leichter Sprung nach oben ergeben“. „Die zusätzlichen 28 190 Erstimpfungen von Menschen aus dem Landkreis Rems-Murr wurden also nicht allesamt in der vergangenen Woche durchgeführt, sondern manche davon wurden in der Auswertung vom 26. April noch irrtümlich einem anderen Landkreis zugeschlagen.“

Nach dieser Aussage des Sozialministeriums müsste der Rems-Murr-Kreis also auch in der Vergangenheit etwas besser dagestanden haben, als es die alten Zahlen vermuten ließen.

Insgesamt 65 525 Erstimpfungen im Rems-Murr-Kreis durchgeführt

Mit den Zahlen lässt sich aber noch mehr vermuten: Das Landratsamt zeigt auf seinem Dashboard, auf dem sämtliche Statistiken zu Corona veröffentlicht werden, Folgendes: Auf dem Boden des Rems-Murr-Kreises wurden seit Beginn der Impfungen und Stand 4. Mai insgesamt 65 525 Erstimpfungen durchgeführt. Diese Erstimpfungen wurden im Kreisimpfzentrum durchgeführt, außerdem im Impftruck, in verschiedenen Einrichtungen und bei den Hausärzten.

Das Landratsamt weiß mittels der eigenen Zählung allerdings nicht, wie viele Menschen aus dem Rems-Murr-Kreis sich auswärts impfen ließen. Genauso wie man nicht weiß, wie viele Menschen von auswärts in den Rems-Murr-Kreis kamen, um sich impfen zu lassen. Wobei diese Zahl vermutlich zu vernachlässigen ist, es gab schließlich nicht sehr viele Termine zu ergattern.

24 678 Impfungen durch die Hausärzte

Die Hausärzte bekommen ihren Impfstoff direkt zugeliefert. Der Kreis hat damit nichts zu tun. In der Tabelle des Landes sind die Impfungen bei den Hausärzten auch nicht mit berücksichtigt. Das heißt: Von der Zahl des Landratsamts können die im Dashboard ausgewiesenen 24 678 Impfungen durch die Hausärzte abgezogen werden. Das ergibt dann eine Zahl, die sich mit jener des Sozialministeriums vergleichen lässt.

Die Zählung des Sozialministeriums geht jetzt zwar nur bis 2. Mai - egal, der Spur nach – zumal ja eigentlich die Zahl der Auswärtigen abgezogen werden müsste – kann man mit diesen Zahlen schlussfolgern: Da im Rems-Murr-Kreis insgesamt 83 319 Menschen ihre Erstimpfung bekommen haben, müssen sich 42 472 Menschen einen Impftermin auswärts gesucht haben. Das kann man durchaus, wie Gernot Gruber, der SPD-Landtagsabgeordnete aus Backnang es in seiner Reaktion auf die Veröffentlichung des Sozialministeriums tut, einen „zeitaufwendigen und letztlich auch klimaschädlichen Impftourismus“ nennen.

Alles zusammengerechnet ergibt sich eine Quote von 25 Prozent

Schön dagegen ist der Gedanke, dass die 24 678 Impfungen beim Hausarzt, die in der Statistik des Sozialministeriums nicht berücksichtigt worden sind, auf die Impfgesamtzahl noch mit drauf gerechnet werden können. Dann nämlich haben 107 997 Menschen bereits ihre Erstimpfung bekommen. Was eine Quote von 25,25 Prozent ergibt. Sprich: Immerhin ein Viertel aller aus dem Rems-Murr-Kreis haben, wenn alle diese Annahmen stimmen, bereits eine Corona-Impfung bekommen. Das klingt einerseits nicht schlecht. Von der angestrebten Herdenimmunität allerdings ist der Rems-Murr-Kreis mit dieser Quote immer noch sehr weit entfernt.

Wie viele Menschen im Rems-Murr-Kreis sind mittlerweile geimpft? Das müsste sich doch eigentlich leicht beantworten lassen – sollte man meinen. Von wegen.

Die vom Sozialministerium am Dienstag veröffentlichten Impfquoten der Stadt- und Landkreise werfen Fragen auf. Vor allem, wenn jene Zahlen mit in Betracht gezogen werden, von denen auch Landrat Richard Sigel am Dienstagmorgen noch ausgegangen war. Er nämlich schrieb in einem Brief an alle Kreisräte, Oberbürgermeister, Bürgermeister

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