Rems-Murr-Kreis

"Die Not ist groß": Busunternehmen im Rems-Murr-Kreis ächzen unterm Dieselpreis

Busdiesel
Der explodierende Dieselpreis setzt vor allem Busunternehmen zu. © Gabiel Habermann

Der Spritpreis steigt und steigt. Für Bus-Unternehmen sind die aus dem Ruder laufenden Diesel-Kosten ein kapitales Problem. „Die Not ist groß“, sagt Horst Windeisen von Omnibus-Ruoff (OVR). Der Kunde könnte es bald in Form von höheren Ticketpreisen zu spüren bekommen.

Laut ADAC kostete am 7. März ein Liter Super E10 im Bundesmittel 2,008 Euro, das waren 18,1 Cent mehr als noch am 1. März. Noch stärker stieg der Dieselpreis. Diesel ist nun teurer als Superbenzin. Ein Liter kostete nach Angaben des ADAC am 7. März durchschnittlich 2,032 Euro, was einen Preissprung von 27,6 Cent innerhalb von sechs Tagen bedeutet. Beide Kraftstoffsorten übersteigen damit erstmals die 2-Euro-Marke.

Dass der Dieselpreis besonders stark steigt, liegt an einer verstärkten Nachfrage nach Heizöl. Viele Menschen befürchten laut ADAC wegen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine Lieferengpässe und füllen jetzt ihre Tanks. Besonders stark trifft der hohe Dieselpreis diejenigen, die auf Kraftstoff angewiesen sind, um ihrer Arbeit nachzugehen.

Um den Verkehr zu sichern, brauchen Unternehmen Unterstützung

Die meisten Busse im Rems-Murr-Kreis fahren mit Diesel. „Die Preissteigerungen tun sehr weh“, sagt Ralf Steinmetz, Geschäftsführer Regionalverkehr bei Fischle. Der Dieselpreis liege derzeit 80 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Eine deutliche Steigerung gab es laut ADAC seit Weihnachten: Super E10 ist seither rund 26 Prozent teurer geworden, Diesel knapp 35 Prozent. „Die exorbitanten Preissteigerungen belasten die Unternehmen und schüren Existenzängste“, sagt Steinmetz. Es müsse eine Kompensation von Seiten der Aufgabenträger erfolgen, um die Verkehre zu sichern, denn lange könnten die Busunternehmen diese zusätzlichen Kosten, die wohl weiter steigen werden, nicht aus eigener Kraft stemmen.

Mittel- und langfristig seien andere Antriebe eine Alternative. „Die Technik ist inzwischen so weit, dass elektrische Busse eine Option sind und auch im ländlichen Raum auf vielen Strecken eingesetzt werden können.“ Allerdings ist auch der Umstieg auf elektrische Antriebe eine Kostenfrage, denn noch sind diese Busse teurer. „Es ist unklar, ob und welche Zuschüsse es gibt“, sagt Steinmetz. Die Finanzierung müsse erst geklärt werden.

Weniger Fahrgäste, weniger Einnahmen

„Selbstverständlich“ ergeben sich finanzielle Schwierigkeiten, sagt auch Erhard Kiesel, Geschäftsführer von Schlienz-Tours. Problematisch sei insbesondere auch, dass sich die Unternehmen gar nicht auf die Preise vorbereiten könnten: „Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Kiesel.

„Furchtbar“. Dieses Wort fällt Markus Dannenmann als Erstes ein, wenn er an den Dieselpreis denkt. Denn Busunternehmen haben keine Alternative, sie brauchen den Kraftstoff. Knapp eine Million Liter Diesel pro Jahr verbraucht das Unternehmen. Einsparungen sind kaum möglich, denn die Fahrer fahren bereits sparsam. Bei Omnibus Dannenmann sehe man die Einschnitte schon jetzt, die Preise seien aktuell rund 50 Cent höher, so Dannenmann. Nicht nur der Dieselpreis macht ihm Sorgen. Auch bei Blue gebe es eine „exorbitante Preissteigerung“. Zu den hohen Kraftstoffpreisen kommt die Corona-Pandemie. Die Fahrgastzahlen sind deshalb noch immer unter den Zahlen vor der Pandemie. Rund 80 Prozent des Fahrgastaufkommens von 2019 zählt Dannenmann zurzeit in seinen Bussen.

Senkung der Energiesteuer gefordert

Unterstützung bekommen die Busunternehmen von Verbänden, die an die Politik appellieren. „Die Energiesteuer auf Treibstoffe muss schnellstmöglich gesenkt werden“, sagt Witgar Weber, Geschäftsführer des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO). In der Pressemitteilung heißt es: „Insbesondere müssen die Landkreise als Aufgabenträger bereit sein, in die Bresche zu springen. Andernfalls ist mit einer Vielzahl von Marktaustritten zu rechnen. Dann können diese Verkehre nicht mehr bedient werden.“

„Der Einkaufspreis ist dramatisch“, sagt auch Horst Windeisen, Geschäftsführer von Omnibusverkehr Ruoff (OVR). „Wir appellieren im Sinne der Solidarität, auch mal das Auto stehen zu lassen und in den Bus einzusteigen.“ In der nächsten Aufsichtsratssitzung des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS), wo Windeisen Aufsichtsratsmitglied ist, werden die Kraftstoffpreise und Lösungen für die explodierenden Kosten Thema sein. Im Raum stehe eine außerordentliche Tariferhöhung.

Unternehmer wissen nicht mehr weiter

Außerdem spricht sich Windeisen für eine Absenkung der Energiesteuer auf Bundesebene aus. Die Energiesteuer macht bei Superbenzin 65,5 Cent pro Liter aus, bei Diesel 47 Cent. Bei Superbenzin machen die gesetzlichen Abgaben, zu denen neben der Energiesteuer auch die Mehrwertsteuer und der CO2-Preis gehören, etwas mehr als die Hälfte des Preises aus, bei Diesel ist es knapp die Hälfte. Die Senkung der Energiesteuer auf Treibstoffe sei zentral, sagt Windeisen. Jedoch seien Steueränderungen sehr langwierig.

Die Unternehmen brauchten jetzt kurzfristige Unterstützung, denn es fehlen Bareinnahmen. Der OVR zähle rund ein Viertel weniger Fahrgäste als vor der Corona-Pandemie. Hinzu kommt: Lohnkosten steigen laut Windeisen ebenso wie die Kosten für Reifen, Ersatzteile, Reparaturen und die CO2-Abgabe. „Wir sind dankbar für den Rettungsschirm von Bund und Land. Es gibt aber eine gravierende zeitliche Verzögerung.“ Die Auszahlung aus dem Rettungsschirm für 2021 sei noch nicht vollständig erfolgt und es sei noch unklar, wie es in diesem Jahr mit dem Rettungsschirm weitergeht. „Ich erhalte täglich Anrufe von Kollegen, die nicht mehr weiterwissen. Die Not ist groß.“

Logistikbranche: Geschäfte auf die Schiene verlagern?

Die Spritpreise seien ein erheblicher Kostenfaktor, sagt Michael Schaaf, Geschäftsführer vom Frachtspeditionsdienst Bay Logistik. „Wir haben aktuell eine Taskforce eingerichtet“ berichtet er. Die Kosten für das Logistikunternehmen aus Waiblingen seien bereits um 25 Prozent angestiegen. Schaaf rechnet mit einem weiteren deutlichen Anstieg um bis zu 70 Prozent. Noch sei die Existenz des Unternehmens nicht bedroht, auch weil glücklicherweise die Zahl der Kunden während der Corona-Krise konstant geblieben sei. „Wir sind in Kontakt mit Verbänden und Kunden“, so Schaaf. Eine Anpassung der Preise sei dabei eine Maßnahme. Eine stärkere Verlegung der Geschäfte auf den Schienenverkehr sei eine weitere Option.

Der Spritpreis steigt und steigt. Für Bus-Unternehmen sind die aus dem Ruder laufenden Diesel-Kosten ein kapitales Problem. „Die Not ist groß“, sagt Horst Windeisen von Omnibus-Ruoff (OVR). Der Kunde könnte es bald in Form von höheren Ticketpreisen zu spüren bekommen.

Laut ADAC kostete am 7. März ein Liter Super E10 im Bundesmittel 2,008 Euro, das waren 18,1 Cent mehr als noch am 1. März. Noch stärker stieg der Dieselpreis. Diesel ist nun teurer als Superbenzin. Ein Liter kostete nach

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