Rems-Murr-Kreis

"Die Parteien versagen": Waiblinger Bestsellerautor Marc Friedrich rechnet ab mit der Politik

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Mann in fotogen inszenierter Denkerpose: Marc Friedrich. © FBV

„Corona leugne ich nicht“, sagt der Waiblinger Bestseller-Autor Marc Friedrich. Aber Fragen, die man sich sehr wohl stellen sollte, seien: Nutzt die Politik die Corona-Krise als Gelegenheit, um Freiheitsrechte einzuschränken, damit sie die Bevölkerung besser zu kontrollieren vermag im mutmaßlich unausweichlichen großen Zusammenbruch des globalen Finanz- und Wirtschaftssystems? Nutzt die Politik die Corona-Krise, um ihr eigenes Versagen zu kaschieren, indem sie die Krise der Weltwirtschaft auf Corona zu schieben gedenke?

Die Rockefeller Foundation habe bereits 2010 als eines von vier möglichen Szenarien für die Zukunft von Technologie den „Lock Step“ (Gleichschritt) beschrieben, in dem im Rahmen einer weltweiten Influenza-Pandemie das autoritäre China Vorbildfunktionen einnimmt, so Friedrich. 2012 veranlasste die deutsche Bundesregierung unter Federführung des Robert-Koch-Instituts eine Risikoanalyse des Namens „Pandemie durch Virus Modi-SARS.“ Und zuletzt im Oktober 2019: Beim „Event 201“ der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, des Weltwirtschaftsforums und der Johns Hopkins University wurde das Szenario einer pandemischen Corona-Verbreitung „durchgespielt“.

„Ich wittere hier keine geplante große, weltweite Corona-Verschwörung und verwahre mich auch gegen diesen Vorwurf“, sagt Friedrich. „Ich frage lediglich, warum war man trotz dieser ganz zutreffenden Analysen und Planspiele so schlecht auf die Pandemie vorbereitet?“ Für Beifall von der falschen Seite könne er nichts. „Ich kann mir meine Leserschaft nicht aussuchen.“

Im Interview mit dieser Zeitung rechnet Marc Friedrich ab mit der Politik. „Ich bin überzeugter Demokrat, habe aber den Glauben verloren, dass diese Parteien den notwendigen Wandel vorantreiben könnten. Wir brauchen stattdessen mehr direkte Demokratie und Entscheidungen auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI).“ Cyberattacken? „Müssen wir uns halt besser schützen“, etwa über die Blockchain-Technologie. Das sei eine absolut sichere Verschlüsselungstechnologie, die auch beim Bitcoin zur Anwendung komme.

Viele Leute trauten dem Bitcoin nicht, er empfehle ihn jedoch als einen wichtigen Teil einer diversifizierenden Anlagestrategie, weil die Banken und Regierungen im Falle des Zusammenbruchs keinen Zugriff auf den Bitcoin hätten, so Friedrich. „Anders als bei Geld auf einem Bankkonto oder bei auf Pump gekauften Immobilien.“

„Der Bitcoin ist ein menschenfreundliches und demokratisches Konstrukt“

Der Bitcoin sei ein dezentrales, aber limitiertes Vermögensspeichersystem. Dieses sei vom Algorithmus so angelegt, dass im Jahr 2140 der letzte Bitcoin das Licht der Welt erblickt. Nicht manipulierbar durch die Zentralbanken und nicht manipulierbar durch Spekulanten wie Elon Musk, sagt Friedrich. „Der Bitcoin ist ein wirklich geniales, menschenfreundliches und demokratisches Konstrukt. Mein nächstes Buch, das Anfang 2022 erscheint, wird den Bitcoin zum Hauptthema haben.“

Auch die ökologische Bilanz des Bitcoin-Schürfens sei nicht so schlecht wie immer wieder behauptet. Der Energieverbrauch dafür sei nur ein Bruchteil dessen, was „unser marodes Banken- und Finanzsystem“ verschlinge, das die Welt in den Abgrund steuere. „Die meisten Bitcoin-Mining-Farmen befinden sich in Island, wo es durch Geothermie schier unbegrenzt ökologisch sinnvolle Energie gibt.“

Und was soll sein Rat, in Uran-Minen-Aktien anzulegen? „Dass das vielen nicht gefällt, ist klar. Wir sollten aber alle die Scheuklappen ablegen. Ohne Atomkraft lassen sich die Pariser Klimaziele nicht erreichen. Wir brauchen weiter CO2-neutrale Atomenergie zur Grundlastversorgung.“ Der Trend gehe hin zu „sicheren, kleinen“ Fusionskraftwerken. Milliardeninvestitionen würden in diesem Bereich weltweit getätigt (auch Bill Gates und Warren Buffett sind mit von der Partie, Anm. d. Red.).

„Selbst Grünen-Politiker haben ihre totale Ablehnungshaltung gegen die Fusionsforschung abgelegt“, sagt Friedrich. Und nennt als Beispiel: 1997 hatten Grüne zusammen mit Umweltgruppen noch bei der Grundsteinlegung für eine Forschungs-Fusionsanlage in Greifswald des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik demonstriert. Im April 2019 sagte Grünen-Chef Habeck bei einem Besuch des Forschungsreaktors Wendelstein 7-X: „Heute beschreiben wir die Atomfusion unideologischer.“

Marc Friedrich verwahrt sich gegen die Bezeichnung seiner selbst als „Crashprophet“ oder „Untergangsapologet“. Schließlich gebe er in seinem neusten Buch „Die größte Chance aller Zeiten“ (2021) jedem Möglichkeiten an die Hand, die Krise als Chance zu begreifen. Ja, er verdiene als Finanzberater auch Geld damit, Menschen Anlagen schmackhaft zu machen. „Im Buch halte ich aber kein Wissen zurück und gebe bereitwillig Auskunft, schade mir als Finanzberater also selbst. Das Buch kostet neu 22 Euro, meine Honorare wären deutlich höher. Zudem habe ich der Waiblinger Stadtbücherei mehrere Exemplare gespendet. Man kann also auch komplett kostenlos von meinen Tipps profitieren.“

„Der Crash kommt, im Jahr 2023, vorher oder nachher, aber er kommt“

Marc Friedrich hat sich in seinem neusten Buch auf das Jahr 2023 festgelegt. „Der Crash mag vorher oder nachher passieren. Aber es wird passieren. Die wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen werden durch die Corona-Politik noch beschleunigt.“ Die Reichen seien noch reicher geworden, die Armen noch ärmer, und die Mittelschicht, die breite Masse, werde schleichend enteignet. Finanz- und Immobilienmärkte seien bereits wieder noch viel mehr aufgeblasen als während der Krise 2007 bis 2009.

Irrwitzige Immobilienpreise und faule, auf Schulden basierende, von realen Werten gänzlich entkoppelte Finanzanlagen bestimmten erneut die Märkte weltweit. Die Überschuldung der öffentlichen Haushalte erreiche auch in der EU neue Spitzenwerte. „Am Ende werden eine gigantische Geldentwertung, Schuldenerlasse und Währungswechsel stehen. Der Euro jedenfalls ist gescheitert.“ Dass die Europäische Zentralbank Anfang Juli 2021 bekanntgegeben habe, künftig auch höhere Inflationsraten zu tolerieren („Das neue Inflationsziel von Christine Lagarde lautet zwei Prozent“), zeige, dass die Nullzinspolitik, das ständige „Neudrucken von Geld“ ohne reale Werte dahinter ein systemischer Irrweg sei.

„Corona leugne ich nicht“, sagt der Waiblinger Bestseller-Autor Marc Friedrich. Aber Fragen, die man sich sehr wohl stellen sollte, seien: Nutzt die Politik die Corona-Krise als Gelegenheit, um Freiheitsrechte einzuschränken, damit sie die Bevölkerung besser zu kontrollieren vermag im mutmaßlich unausweichlichen großen Zusammenbruch des globalen Finanz- und Wirtschaftssystems? Nutzt die Politik die Corona-Krise, um ihr eigenes Versagen zu kaschieren, indem sie die Krise der Weltwirtschaft

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