Rems-Murr-Kreis

Diebe bedienen sich auf Baustellen

Baustoffklau Feature
Symbolbild. © Verband Bauwirtschaft

In luftiger Höhe schweben Betonsägen oder Mörtelpumpen, Fräsen oder Vibrationsplatten, Kupferrohre oder Stahlmatten. Irgendwer hat die Baugeräte und -materialien an Kränen befestigt und nach oben gezogen – und das nicht ohne Grund.

Klau auf Baustellen gab’s schon immer, doch zurzeit scheinen Meldungen dieser Art öfter in den Polizeiberichten aufzutauchen als sonst. Baustoff-Preise klettern, und bestimmte Materialien sind zeitweise nur mit sehr viel Mühe oder gar nicht zu beschaffen. Ob das Diebe motiviert, ihre Arbeitszeiten auszudehnen?

Könnte sein. Was Diebstähle auf Baustellen angeht, verzeichnet der Verein Bauwirtschaft Baden-Württemberg momentan allerdings „keine ungewöhnlichen Rückmeldungen“, so Sprecherin Eleni Auer auf Nachfrage. Was sie definitiv ausschließen möchte, ist Klau unter Kollegen. Im Gegenteil hätten sich Firmen etwa im Frühjahr gegenseitig recht großzügig ausgeholfen, als beispielsweise die Lieferung von Kunststoffrohren stockte.

Momentan sind die gestiegenen Preise das drängendere Problem

Diebstähle auf Baustellen sind in der Bauwirtschaft ein „Dauerthema“, sagt Eleni Auer, doch die größten Sorgen bereiten den Firmen momentan andere Probleme, als da wären: Lieferengpässe und explodierende Preise. Besonders für Stahl, Bitumen, Holz, Kupfer und Bauchemie müssen die Firmen viel mehr bezahlen als noch zu Jahresbeginn. Laut dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie kostete Betonstahl in Stäben im September 2021 gut 80 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, Bitumen gut ein Drittel und Kupfer gut ein Viertel mehr. Der durchschnittliche Preis für Bauhölzer lag im September 2021 rund 126 Prozent höher als im Januar.

Die Gründe sind vielfältig. In vielen Wirtschaftszweigen zieht die Nachfrage wieder an, es fehlt an Transportkapazitäten, in den Häfen der Welt lief’s alles andere als rund, und während, wer konnte, seine Lager füllte, warteten andere vergeblich auf Lieferungen.

Elektrogeräte im Wert von mehreren Tausend Euro gestohlen

Baufirmen können Preissteigerungen nicht so einfach an Kunden weitergeben, weil zwischen Vertragsabschluss und Baubeginn oft Monate liegen. Bei Großprojekten sichern sich Firmen via Gleitklauseln ab, doch im Kleinen ist das nicht ohne weiteres üblich. Häuslebauer, die vergangenen Herbst einen Festpreis vereinbart haben, werden jetzt froh sein, während das Bauunternehmen mit den nun höheren Kosten klarkommen muss.

Froh über Zeugenhinweise wäre unterdessen jene Firma, die seit ein paar Tagen Elektrogeräte im Wert von mehreren Tausend Euro vermisst. Unbekannte haben sich auf einer Baustelle in Stuttgart-Ost in der Nacht auf Mittwoch, 17. November, großzügig an Gerätschaften bedient, die in einem Baucontainer gelagert waren.

Solche Container sind nicht besonders einbruchsicher, bestätigt Sprecherin Eleni Auer. Je entlegener eine Baustelle und je hochwertiger die Geräte, die dort mehr oder weniger gut gesichert lagern, desto höher das Risiko, sagt sie, und das leuchtet unmittelbar ein. Natürlich wär’s sicherer, hochwertige Werkzeuge jeden Abend etwa in den Bauhöfen einzuschließen, doch damit wäre eine Menge Aufwand verbunden. Auch deshalb nutzen Firmen ihre Kräne zuweilen zum Diebstahlschutz – und ziehen Hochwertiges über Nacht einfach hoch.

Zündkerzen entfernen, Wegfahrsperren installieren, Hinweise auf GPS-Systeme anbringen, das kann helfen, damit zumindest Baufahrzeuge dort bleiben, wo sie hingehören. Doch fehlt’s Baustellendieben nicht an Dreistigkeit. Eleni Auer berichtet von Fällen, da aus Rohbauten bereits fertig eingebaute Heizungen und Badausstattungen gestohlen worden sind.

Über ein Baugerüst auf einen Balkon gelangt

Die jüngste Meldung über Klau auf Baustellen im Rems-Murr-Kreis datiert vom 15. November. In der Nacht von Sonntag auf Montag, 14./15. November, entwendeten Unbekannte von einer Baustelle in Schwaikheim Baumaschinen, Kabel und Elektrozubehör. Werkzeuge und Baumaterialien im Wert von etwa 2000 Euro sind Ende Oktober nachts aus einem Lagerraum auf einer Baustelle in Backnang gestohlen worden. Einen Tag davor hatte die Polizei den Diebstahl von Akkuschraubern, Schlagbohrmaschinen, Winkelschleifern, Ladegeräten mit Akkus sowie einer Rohrpresse und Sägen gemeldet. In diesem Fall waren die Täter über ein Baugerüst auf einen Balkon gelangt. Dort schlugen sie eine Tür ein und gelangten auf diese Weise an die Maschinen.

Am 18. Oktober erwischten Zeugen einen 62-Jährigen, der in Schwaikheim auf einer Baustelle Werkzeuge mitgehen lassen wollte. Ende September waren auf der Schul-Baustelle in Korb 30 Euro-Paletten verschwunden.

Nach einem Diebstahl stellt sich die Frage, wer den Schaden übernimmt. Wie immer kommt es auf die Gegebenheiten im Einzelfall an. Das Oberlandesgericht Saarbrücken entschied jedenfalls vor gut einem Jahr, die Baufirma müsse Material im Wert von 18.000 Euro bezahlen, das nach Diebstahl neu beschafft werden musste. Die Firma sei dafür verantwortlich, so hieß es , die Materialien auf der Baustelle so zu lagern, dass sie vor Diebstahl geschützt sind, oder sie jeden Abend von der Baustelle zu entfernen.

In luftiger Höhe schweben Betonsägen oder Mörtelpumpen, Fräsen oder Vibrationsplatten, Kupferrohre oder Stahlmatten. Irgendwer hat die Baugeräte und -materialien an Kränen befestigt und nach oben gezogen – und das nicht ohne Grund.

Klau auf Baustellen gab’s schon immer, doch zurzeit scheinen Meldungen dieser Art öfter in den Polizeiberichten aufzutauchen als sonst. Baustoff-Preise klettern, und bestimmte Materialien sind zeitweise nur mit sehr viel Mühe oder gar nicht zu beschaffen.

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