Rems-Murr-Kreis

Digitaler Unterricht: Wie läuft's und wo hakt's noch?

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Fernunterricht dürfte auch im neuen Jahr zum Schulalltag gehören. © Benjamin Büttner

Noch läuft nicht alles rund, doch seit März ist an den Schulen vieles vorangekommen. Bis zum 22. Dezember steht für die Abschlussklassen jetzt Fernunterricht an. Dafür sind die Schulen „aus unserer Sicht gut gerüstet“, sagt Schulamtsleiterin Sabine Hagenmüller-Gehring: „Seit dem letzten Lockdown ist viel passiert, Konzepte zum Fernunterricht wurden entwickelt, IT-Ausstattung wurde angeschafft und die allermeisten Schulen haben sich für Plattformen entschieden, über die sie viel abwickeln.“

Unter anderem steht laut einer Sprecherin des Kultusministeriums mittlerweile landesweit das Lernmanagentsystem Moodle zur Verfügung. Das Land habe zusätzliche Serverleistung und Speicherkapazität im Wert von 1,3 Millionen Euro hinzugekauft. Über die Plattform können Schüler, Lehrer und Eltern kommunizieren, es werden Lernpläne und Aufgabenpakete eingestellt und vieles mehr. Die Kommunikation über Moodle funktioniere den Rückmeldungen zufolge gut, so die Ministeriumssprecherin. „Sicher ist noch lange nicht alles perfekt“, räumt Sabine Hagenmüller-Gehring ein, „aber da sind Schulen eben auch Lernende.“

Schüler müssen Rückmeldungen erhalten

Verbindliche Qualitätskriterien und Vorgaben für den Fernunterricht hat das Kultusministerium im Sommer vorgelegt. Schülerinnen und Schüler müssen in allen Fächern regelmäßig Aufgaben und auch Rückmeldungen erhalten, sobald sie ihre Aufgaben erledigt haben. Damit auch jene Kinder, die zuhause keine entsprechende Ausstattung haben, am Fernunterricht teilnehmen können, hat der Bund 65 Millionen Euro für Baden-Württemberg bereitgestellt. Das Land hat denselben Betrag obendrauf gelegt. 300 000 Leihgeräte sind laut Kultusministerium inzwischen angeschafft. Berufliche Schulen haben Dokumentenkameras oder Webcams gekauft.

Im Zuge des Soforthilfeprogramms des Bundes und der Länder sollen Schülerinnen und Schüler zwar mit mobilen Endgeräten ausgestattet werden – doch in welchem Ausmaß haben die Schulen das Programm bereits in Anspruch nehmen können? Sind die Fördermittel vom Land konkret angekommen? Und verfügen die Schulen mittlerweile über genügend Geräte, um alle Schülerinnen und Schüler ausstatten zu können?

Teilweise langes Warten auf Geräte

Von den Schulen, die an einer Umfrage dieser Zeitung teilgenommen haben, gaben alle 21 an, im Zuge des Soforthilfeprogramms Laptops, Ipads oder Minilaptops bestellt zu haben. Die Geräte sind in den meisten Fällen eingegangen. Die Haldenschule in Rommelshausen, das Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden oder die Hohbergschule in Plüderhausen warteten zum Teil monatelang auf einen Teil oder auf die gesamte Lieferung.

An den Schorndorfer Schulen war am 24. November nur ein Bruchteil der bestellten Mengen eingegangen, sagt Isabelle Kübler, Kommissarische Leitung Fachbereich Schulen und Vereine. Vergangene Woche habe man begonnen, an den Schorndorfer Schulen Laptops zu verteilen.

Wer konfiguriert alle diese Geräte?

Isabelle Kübler weist darauf hin, dass das Soforthilfeprogramm nicht darauf ausgelegt ist, alle Schülerinnen und Schüler mit einem Gerät auszustatten. Wer aus Verwaltungssicht Bedarf hat, wird anhand sozialer Kriterien entschieden. Zum Beispiel kommt’s drauf an, in welchem Umfeld Kinder leben, wie groß eine Familie ist und welche Erfahrungen die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer gemacht haben.

Ilse Bulling, Schulleiterin am Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden, sagt, mit der technischen Ausstattung der Schüler seien die Probleme des Fernunterrichts nicht geklärt: „Wer konfiguriert alle diese Geräte? Was bringt ein Laptop/Tablet den Schülerinnen und Schülern, wenn sie zuhause kein WLan haben? Wer pflegt diese Geräte in der Zeit des Homeschoolings? Wer haftet für diese Geräte?“ Laut Kultusministerium erhalten die Schulträger für Wartung und für Hilfe bei der Nutzung im Zuge des Digitalpakts ein Extra-Budget.

Erst Schneckentempo, jetzt Schrittgeschwindigkeit

„Die Digitalisierung unserer Schulen geht zwar schneller voran als noch vor Corona, aus dem Schneckentempo ist aber maximal Schrittgeschwindigkeit geworden“, kritisiert Monika Stein, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Viele Schulen warten nach wie vor auf Notebooks und Tablets, so die Gewerkschafterin. Monika Steins Einschätzung zufolge „fehlt der großen Mehrheit der Schulen in Baden-Württemberg weiterhin die Infrastruktur für guten digitalen Unterricht. Hier sind die Schulträger in der Pflicht, mehr zu investieren und für leistungsstarke Internetverbindungen und die Technik in den Schulen zu sorgen.“

An Kompetenzen fehlt’s außerdem: Zwar hat das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung inzwischen einen Schwerpunkt auf Bildungsangebote zu digitalem Unterricht gelegt. Doch sind laut Monika Stein die meisten Fortbildungsangebote überbucht.

Schulleitungen überlastet

Die paar wenigen Fernunterrichts-Tage für die Abschlussklassen sind schnell vorüber, dann dürfen Schüler wie Lehrer und Eltern erstmal durchatmen und in die Weihnachtsferien starten. Doch endet die Pandemie mit dem Jahr 2020 keinesfalls, und im Januar sehen sich alle Beteiligten erneut mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert. Monika Steins Einschätzung: „Das nächste Schuljahr ist noch lange. Deshalb brauchen wir für Januar bis Juli 2021 endlich einen klaren Zeitplan, wie Schulen unter Coronabedingungen funktionieren können. Dazu gehören klare landesweite Richtlinien, ab welchen Inzidenzwerten für alle Schülerinnen und Schüler Wechsel- oder Fernunterricht gestartet wird. Bisher werden schwierige Entscheidungen immer wieder an die überlasteten Schulleitungen delegiert, die das schlechte Krisenmanagement der Landesregierung in Sachen Bildung ausbaden müssen.“

Noch läuft nicht alles rund, doch seit März ist an den Schulen vieles vorangekommen. Bis zum 22. Dezember steht für die Abschlussklassen jetzt Fernunterricht an. Dafür sind die Schulen „aus unserer Sicht gut gerüstet“, sagt Schulamtsleiterin Sabine Hagenmüller-Gehring: „Seit dem letzten Lockdown ist viel passiert, Konzepte zum Fernunterricht wurden entwickelt, IT-Ausstattung wurde angeschafft und die allermeisten Schulen haben sich für Plattformen entschieden, über die sie viel

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