Rems-Murr-Kreis

Drängt die BW-Bank deshalb gezielt Ältere zur Geldanlage, um Negativzins zu vermeiden?

betrug
Anruf vom Kundenberater der BW-Bank. © Pixabay

Die BW-Bank erhebt für Kunden mit mehr als 100.000 Euro auf dem Konto nunmehr „Verwahrentgelte“, also Negativzinsen. Die AGB-Umstellung nutzen Kundenberater angeblich, um gezielt wohlhabende ältere Menschen dazu zu drängen, ihr Geld lieber in Fonds, Rentenpapiere oder Versicherungen zu stecken. Von „Aufschwatzen“ und „Versuchen der Übervorteilung“ spricht eine über 70-jährige Leserin aus dem Schorndorfer Raum, die ähnlich „Unhöfliches“ erlebt haben will, wie eine 84-jährige Bankkundin, über die im Wirtschaftsteil dieser Zeitung am 9. Juni berichtet wurde.

„Auch ich wurde von einem Kundenberater der BW-Bank kontaktiert und am Telefon geradezu bedrängt, um Minuszinsen zu vermeiden, unbedingt Geldanlagen zu tätigen“, sagt die Leserin aus dem Schorndorfer Raum. Das „Service-Gespräch“ sei sehr unhöflich geraten und mit Drohungen versetzt gewesen, nach dem Motto, wenn Sie nicht jetzt ihr Geld dort oder dort anlegen, dann werden sie schon sehen, was passiert.

„Es wird mächtig Druck gemacht, Abschlüsse zu tätigen“

Der Kundenberater habe ihr gegenüber sogar zugegeben, dass mächtig Druck gemacht werde innerhalb der BW-Bank, Abschlüsse zu tätigen, und man wolle ja weiter bei der BW-Bank arbeiten, habe Familie und Kinder. Da die Leserin als ehemalige Steuerberaterin aber sehr gut bewandert ist in Geldsachen, konnte sie ihm haarklein beweisen, dass alle seine Fonds-Angebote unseriös seien, weil alle auch noch so konservativ antizipierten Erlöse durch Gebühren und versteckte Gebühren aufgefressen würden. „Da hätten die Minuszinsen noch geringere negative Auswirkungen als eine Geldanlage.“ Was wäre, wenn ein Bankkunde diese Sachkunde nicht hat!?

Bei ihr sei der Eindruck entstanden, dass Kundenberater der BW-Bank gerade gezielt versuchten, ältere und wohlhabende Menschen zu übervorteilen. „Es wurde sogar versucht, mir eine Lebensversicherung aufzuschwatzen, die ja bei über 70-Jährigen wahrlich kaum noch sinnvoll sind“, sagt die Leserin. Zudem sei ihr zwischen den Zeilen gedroht worden, wenn sie das Verwahrentgelt nicht akzeptiere, ihr womöglich gekündigt werde.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, ist es Alexander Braun, Pressereferent der BW-Bank, zunächst wichtig, voranzuschicken: „Die Einführung eines Verwahrentgeltes bei Privatkunden ist eine notwendige Reaktion auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn die EZB verlangt bereits seit 2014 negative Zinsen für Einlagen von Banken. Der Strafzins der EZB (EZB-Einlagen-Fazilität) an Banken liegt aktuell bei -0,5 Prozent; die Hauptlast tragen die Banken. Diese Kosten geben wir mit dem Verwahrentgelt lediglich weiter.“

Die BW-Bank habe lange auf die Erhebung eines Verwahrentgelts verzichtet und die Kosten selbst getragen, sagt Braun. Doch mittlerweile sei dies im Markt üblich. „Somit ist die Einführung im Neugeschäft und bei Kunden mit sehr hohen Einlagen auch bei uns erforderlich. Damit soll zudem ein übermäßiger Zufluss an Einlagen, die bei Wettbewerbern mit Verwahrgeldern belegt werden würden, vermieden werden.“

„Das entspricht nicht dem Beratungsverständnis der BW-Bank“

Und was sagt Alexander Braun zu den Vorwürfen? „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Einzelfälle, die wir nur aus der Schilderung Dritter kennen, nicht kommentieren. Wir widersprechen aber dem Gesamteindruck, der sich aus Ihren Schilderungen ergibt, entschieden. Dieser entspricht nicht dem Beratungsverständnis der BW-Bank.“ Grundsätzlich gelte für die Beratung der BW-Bank, dass der Kunde und seine Bedürfnisse im Vordergrund stehen. Dafür würden – basierend auf einem ganzheitlich ausgerichteten Beratungsansatz – Lösungs- beziehungsweise Anlagestrategien für die jeweils individuellen Kundenbedürfnisse entwickelt.

Und was, wenn der Kunde dem Verwahrentgelt nicht zustimmt?

Bei der Vereinbarung zum Verwahrentgelt handele es sich um eine individuelle Vereinbarung mit dem Kunden. Das Verwahrentgelt betrage nach getroffener individueller Vereinbarung ab einer Einlage über 100.000 Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten 0,5 Prozent pro Jahr für den übersteigenden Betrag, was genau der aktuellen EZB-Einlagen-Fazilität entspreche.

Ziel der Kundenberatung sei es, Verwahrentgelt zu vermeiden und für den Kunden attraktivere Anlageformen zu finden. „Wenn dennoch keine neue Anlagelösung gemeinsam gefunden werden kann oder der Kunde einem Verwahrentgelt widerspricht, behalten wir es uns vor, im Einzelfall zu prüfen, ob wir die Geschäftsbeziehung gegebenenfalls beenden. Das kann aber nur das letzte Mittel sein.“

„Keine Incentivierung zum Abschluss von Einzelprodukten“

Die Annahme, die Berater der BW-Bank müssten bestimmte individuelle Abschlusszahlen vorweisen, sei falsch, sagt Alexander Braun. „Ziel ist es stets, für die Kunden eine individuelle Lösung zu finden, die zu seinen Bedürfnissen passt. Der individuelle Bedarf jedes Kunden vor einer Anlageentscheidung wird dazu systematisch ermittelt (Finanzkonzept- und Finanzstrategiegespräche).“

Zur Umsetzung stehe ein breit gefächertes und geprüftes Produktuniversum über alle Assetklassen und verteilt über diverse Produkthersteller zur Auswahl. Für die Beraterinnen und Berater gebe es dabei auch keine „Incentivierung zum Abschluss“ von Einzelprodukten, so Braun.

Incentivierung kommt vom englischen Wort incentive (Anreiz/Ansporn) und meint hier etwa Prämien.

Die BW-Bank erhebt für Kunden mit mehr als 100.000 Euro auf dem Konto nunmehr „Verwahrentgelte“, also Negativzinsen. Die AGB-Umstellung nutzen Kundenberater angeblich, um gezielt wohlhabende ältere Menschen dazu zu drängen, ihr Geld lieber in Fonds, Rentenpapiere oder Versicherungen zu stecken. Von „Aufschwatzen“ und „Versuchen der Übervorteilung“ spricht eine über 70-jährige Leserin aus dem Schorndorfer Raum, die ähnlich „Unhöfliches“ erlebt haben will, wie eine 84-jährige Bankkundin, über

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