Rems-Murr-Kreis

Drogen-, Falschgeld- und Waffenhändler war auch im Rems-Murr-Kreis aktiv: Jetzt ist das Urteil gefallen

Landgericht
Symbolbild. © ALEXANDRA PALMIZI

„Das Einzige, was noch fehlt, wäre Menschenhandel“, sagte Richter Rainer Gless, als vor dem Stuttgarter Landgericht das Urteil über den Drogen-, Falschgeld- und Waffenhändler aus Bietigheim fiel. Der Richter bescheinigte dem 40-Jährigen, der den Namen eines der Mafia-Organisation ‘Ndrangheta angehörigen Fellbachers im Prozess nicht nannte, eine gehörige Portion kriminelle Energie. Der Mann wurde zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

In seine Kokain-Geschäfte hat der Familienvater seine Ehefrau reingezogen, die wegen Beihilfe zum Drogenhandel zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde und 40 Stunden gemeinnützig arbeiten muss, damit sie ihre Strafe auch spürt. Die 34.372 Euro, die der Verurteilte mit seinen Straftaten erwirtschaftet hat, werden nun vom Staat eingezogen. Damit entsprach die neunte große Strafkammer dem Antrag von Staatsanwalt Thomas Scheck, der in diesem Fall auf sechs Jahre und drei Monate Haft für den Angeklagten plädierte und auf ein Jahr und sechs Monate zur Bewährung für die mitangeklagte, 38-jährige Ehefrau.

Bei der Strafzumessung zugute kam dem Mann, der am 19. November letzten Jahres am Bahnhof Bietigheim bei Drogengeschäften auf eine Vertrauensperson der Polizei hereingefallen und dort festgenommen worden war, längere Zeit unter Pandemie-Bedingungen in Untersuchungshaft und überhaupt zum ersten Mal in seinem Leben im Gefängnis gewesen zu sein. Seine Frau hatte schon bei der Polizei zugegeben, dass sie ihm beim Verpacken des Kokains geholfen hat und dass sie, als die Beamten vor der Tür standen, 60 Gramm davon hinter dem Spargel im Kühlschrank versteckt hat.

Von dem Falschgeld, das der 40-Jährige für 22500 Euro in Neapel gekauft hat, konnte die Polizei 98 falsche Fünfziger noch sicherstellen, so dass zumindest diese nicht in Verkehr gelangten. In Bietigheim, Stuttgart, Böblingen und Weissach im Tal konnte der Italiener seine Blüten „vom Großmarkt in Neapel“ allerdings schon gewinnbringend unters Volk bringen. Ob die Falsifikate aus einem Fellbacher Lagerraum eines 47-jährigen ‘Ndrangheta-Mitglieds stammen, das zu acht Jahren Haft verurteilt wurde, blieb dahingestellt. Die Falschgeldgeschäfte über Ländergrenzen hinweg waren nicht dilettantisch, sondern so, dass es ein Gutachten der Deutschen Bundesbank brauchte, um zu beweisen, dass es keine echten Banknoten sind.

765er-Pistole in Fellbach abgeholt

„Wer das tut, hat kriminelle Energie“, meinte Richter Gless bei der Urteilsbegründung auch zu den Waffengeschäften des 40-Jährigen, der vor Gericht „keine Ahnung von der Mafia“ hatte und zusammen mit seiner Ehefrau betonte, ihnen sei der „Schutz der Familie“ wichtig. Dass der Bietigheimer in Fellbach eine 765er-Pistole geholt hat, ergab die Beweisaufnahme. Bei drei Versuchstaten ging es ebenfalls um scharfe Schusswaffen, bei denen der Mann aber nur der „Vermittler für 100 Euro Provision pro Stück“ gewesen sein wollte. Als sein Lieferant im März vergangenen Jahres ins Ausland abtauchte, soll er den Fellbacher Mafioso kontaktiert haben, dessen Namen er nicht nannte. Laut Gerichtsakte soll der Bietigheimer den Fellbacher, bei dem es „eine Ehre“ sei, ihn zu kennen, angerufen und gesagt haben, dass er noch was Großes, nämlich eine Kriegswaffe wolle.

Hätte die Kammer alle Strafen für die Einzeltaten nach mathematischen Gesetzen addiert und nicht straff zusammengezogen, wäre nach Informationen von Richter Gless im Falle des Bietigheimers dreimal lebenslänglich herausgekommen. Die zahlreichen Drogengeschäfte bewertete das Gericht als „Serienstraftat“.

Tatmotiv des Ehepaares war „Geldnot“, war der Mann doch mit einer Pizzeria gescheitert. Er nahm einen zweifelhaften Kredit auf, um seiner Familie etwas bieten zu können, und kam hinterher mit den Wucherzinsen nicht mehr klar.

„Das Einzige, was noch fehlt, wäre Menschenhandel“, sagte Richter Rainer Gless, als vor dem Stuttgarter Landgericht das Urteil über den Drogen-, Falschgeld- und Waffenhändler aus Bietigheim fiel. Der Richter bescheinigte dem 40-Jährigen, der den Namen eines der Mafia-Organisation ‘Ndrangheta angehörigen Fellbachers im Prozess nicht nannte, eine gehörige Portion kriminelle Energie. Der Mann wurde zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

In seine Kokain-Geschäfte hat der

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper