Rems-Murr-Kreis

Drogendealer nach wilder Flucht geschnappt: Ein Rauschgiftdelikt von mehr als Tausend im Jahr

Dealen
Im Dezember 2020 hob die Polizei einen Drogenhändlerring in Waiblingen aus, der aus Asylbewerberwohnheimen heraus agierte. © animaflora2016 / Fotolia

Nach einer Verfolgungsfahrt durch Schorndorf hat die Polizei am Samstagnachmittag einen Drogendealer festgenommen. Er hatte sich mit seinem Auto in eine Sackgasse verirrt. In seinem Rucksack fanden die Polizisten mehrere Hundert Gramm Marihuana, bei der anschließenden Hausdurchsuchung beschlagnahmte man weitere fünf Kilogramm Shit. Im vergangenen Jahr hat die Kriminalpolizei zwischen Rems und Murr mehr Rauschgiftdelikte ermittelt denn je. Hauptsächlich drehten die sich um Cannabis.

An Rauschgift hatte die Polizeistreife am Samstag gar nicht gedacht, als sie gegen 17.45 Uhr den 27-jährigen Fahrer eines Seat in der Schorndorfer Straße kontrollieren wollte. Der Fahrer missachtete jedoch die Anhaltesignale der Ordnungshüter und versuchte, vor dem Streifenwagen zu flüchten. Während der Flucht entledigte er sich noch eines Rucksackes, den die Polizei kurze Zeit später sicherstellte. Der Mann fuhr sich auf seiner Flucht schließlich in die Sackgasse der Friedensstraße fest, wo er festgenommen werden konnte. Im aufgelesenen Rucksack fanden die Beamten außer mehreren Hundert Gramm Marihuana auch eine hohe vierstellige Bargeldsumme.

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurde die Wohnung in Schorndorf durchsucht, in der sich der Mann derzeit überwiegend aufhält. Die Polizei fand dort unter anderem gut fünf Kilogramm Marihuana, Waffen und nochmals Bargeld im vierstelligen Bereich. Der Tatverdächtige wurde am Sonntag einem Haftrichter beim Amtsgericht Waiblingen vorgeführt, dieser setzte den Haftbefehl in Vollzug. Der 27-jährige Deutsche wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Dieser Fall in Schorndorf wird in die Polizeistatistik 2021 eingehen als eines von nahezu 1500 Rauschgiftdelikten, die alljährlich im Rems-Murr-Kreis ermittelt werden. Die Rauschgiftkriminalität ist im Coronajahr 2020 weiter gestiegen. Im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen um rund zehn Prozent auf 297 Fälle und zwischen Rems und Murr sogar um 16 Prozent auf exakt 1463 Delikte. Wie viele Fälle es gibt, hängt nicht zuletzt vom Fleiß der Kriminalpolizei oder der Aufmerksamkeit von Polizeistreifen wie der in Schorndorf ab. Denn bei Rauschgiftkriminalität handelt es sich typischerweise um ein Kriminalitätsfeld, bei dem überwiegend das polizeiliche Handeln zur Entdeckung und Aufklärung von Straftaten führt, heißt es in dem jährlich erscheinenden Jahrbuch des Polizeipräsidiums Aalen. „Anzeigen werden üblicherweise nicht erstattet.“ Somit sei die Rauschgiftkriminalität von einem hohen Dunkelfeld geprägt.

Mehr Drogendelikte

Mit 2971 Fällen (2019: 2701) meldete das Polizeipräsidium 2020 den höchsten Wert im Zehn-Jahres-Vergleich. Die reinen Handelsdelikte stiegen um rund 16 Prozent auf 581 registrierte Fälle. Vor allem mit Kokain (66 Fälle, +29 Prozent) und bei Amphetaminen (95 Delikte, +26 Prozent) hat es hohe Steigerungsraten gegeben. Mehr Fälle ermittelt die Polizei auch im Bereich Besitz/Erwerb von Kokain (104, Fälle, +21 Prozent). Das Gros der Delikte entfällt hingegen auf Cannabis mit insgesamt 1728 Fällen (+9 Prozent). Der Besitz/Erwerb von Heroin war hingegen rückläufig (21 Fälle, -50 Prozent),

Rauschgift ist kein typisches Jugendphänomen. Unter den mehr als 2500 Tatverdächtigen entfiel nur ein kleiner Anteil auf Jugendliche (363) und Heranwachsende (582). Bei den meisten handelte es sich um Erwachsene (1587). Bei fast einem Viertel der Tatverdächtigen handelte es sich um Nichtdeutsche, darunter auch Flüchtlinge/Zuwanderer (5,6 Prozent).

Aufgrund starker polizeilicher Aktivitäten haben sich die Sicherstellungs- beziehungsweise Beschlagnahmemengen von Betäubungsmitteln im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Cannabis war mit Abstand die am häufigsten sichergestellte Droge. 2020 wurden immerhin 140 Kilogramm Marihuana beschlagnahmt (Vorjahr 55 Kilogramm) und darüber hinaus in kleineren Mengen Haschisch (693 Gramm), Joints (240), Cannabispflanzen (rund 300) und Cannabissamen (7230). „Die Bedeutung der klassischen Drogen Heroin und Kokain ist weiterhin groß“, schreibt die Polizei. Beschlagnahmt wurden 15 Kilogramm Kokain, 32 Kilogramm Heroin sowie synthetische Drogen (14 Kilogramm Amphetamin, 963 LSD-Trips, 1916 Tabletten Ecstasy).

Drogenhändlerring ausgehoben

Einer der spektakulären Fälle im vergangenen Jahr war die Beschlagnahmung von 74 Kilogramm Marihuana, 1,8 Kilo Kokain und 160 000 Euro Bargeld, die auf einer eineinhalbjährigen Arbeit der Ermittlungskooperation „Rems“ zwischen den Polizeipräsidien Ludwigsburg und Aalen beruhte. Es sei gelungen, einen länder- und grenzüberschreitend agierenden Drogenhändlerring auszuheben und 14 Angeklagte für längere Zeit zu inhaftieren. „Die äußerst konspirativ agierende Tätergruppierung kommunizierte dabei mitunter mit sogenannten „Krypto-Mobiltelefonen“ und nutzte eigens für den Transport der Betäubungsmittel mit professionellen Schmuggelverstecken präparierte Fahrzeuge.“

Im Dezember 2020 hob die Polizei einen Drogenhändlerring aus, der aus sechs Asylwohnheimen in Waiblingen und Umgebung heraus agierte. Durch die polizeilichen Ermittlungen seien acht Gambier als Betäubungsmittelhändler ermittelt worden, die mit Marihuana, Ecstasy, Amphetamin und Kokain gewerbsmäßig Handel trieben – und jetzt im Knast sitzen.

An Rauschgift gestorben sind 2020 acht Personen, davon einer im Rems-Murr-Kreis. „Haupttodesursache bleibt der Konsum von Heroin, oftmals in Verbindung mit weiteren Drogen, Ausweichmitteln, Medikamenten und Alkohol.“ Das Fazit der Polizei zur Rauschgiftkriminalität im Allgemeinen und Ecstasy im Besonderen lautete: „Drogen sind weiterhin im alltäglichen Leben verbreitet. Die Gefährlichkeit einer Ecstasy-Tablette liegt in der Verharmlosung durch Form und Farbe oder bestimmter aufgedruckter Motive. Doch jede Tablette wirkt individuell verschieden und kann zu schweren Gesundheitsschäden bis hin zur Lebensgefahr führen.“

Nach einer Verfolgungsfahrt durch Schorndorf hat die Polizei am Samstagnachmittag einen Drogendealer festgenommen. Er hatte sich mit seinem Auto in eine Sackgasse verirrt. In seinem Rucksack fanden die Polizisten mehrere Hundert Gramm Marihuana, bei der anschließenden Hausdurchsuchung beschlagnahmte man weitere fünf Kilogramm Shit. Im vergangenen Jahr hat die Kriminalpolizei zwischen Rems und Murr mehr Rauschgiftdelikte ermittelt denn je. Hauptsächlich drehten die sich um Cannabis.

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