Rems-Murr-Kreis

Druckhaus Waiblingen produziert jetzt Masken

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Die Mund-Nasen-Maske aus Papier mit antimikrobieller Beschichtung hat das Druckhaus Waiblingen (DHW) patentieren lassen. Im Bild DHW-Produktionsleiter Joachim Battermann (links) und DHW-Geschäftsführer Rainer Wetzel. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Mund- und Nasenmaske
So sieht die Maske aus. © ALEXANDRA PALMIZI
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Mund- und Nasenmaske
„Im Schnelldurchlauf“ ging die Patentanmeldung durch. © ALEXANDRA PALMIZI

Rems-Murr-Kreis.
Sie lässt sich wie ein Fächer auffalten, trägt eine antimikrobielle Beschichtung, kann bedruckt werden und ist komplett recycelbar: Die in Eigenregie entwickelte Mund-Nasen-Maske hat sich das Druckhaus Waiblingen jetzt patentieren lassen. Kommende Woche startet die Produktion. Die Entwicklung eines neuen Produkts samt Patentierung dauert sonst Monate – oder länger. In diesem Fall liegen zwischen der ersten Idee und dem Produktionsstart drei Wochen. Es war an einem Sonntagabend, gegen 23.15 Uhr, im Fernsehen lief Anne Will, es ging um Schutzkleidung. Rainer Wetzel, Geschäftsführer beim Druckhaus Waiblingen (DHW), sah zu – und erinnerte sich an diesen Wirkstoff, von dem zu Zeiten mal die Rede war, als noch kein Mensch je das Wort „Corona“ gehört, geschweige denn mit der Macht eines Coronavirus gerechnet hätte. Diesen Wirkstoff verwendet das DHW jetzt für die antimikrobielle Beschichtung der Mund-Nasen-Masken.

Wer schon einmal ein Produkt entwickelt hat von der Idee bis zur Fertigungsreife, der weiß: Ungezählte Details sind zu beachten, Klippen zu umschiffen, Lösungen zu finden. DHW-Produktionsleiter Joachim Battermann hat diverse Papierstärken getestet, die Luftzufuhr beim Tragen der Maske an sich selbst überprüft, Falttechniken erdacht und wieder verworfen, Piktogramme in Auftrag gegeben – bis alle Parameter stimmten. Die DHW-Mund-Nasen-Maske ist bedruckbar, maschinell falzbar, und sie wird von einer Maschine mit Gummikordeln versehen.

Zum einmaligen Gebrauch ist die Maske aus Papier gedacht, zum Verteilen in Lebensmittelgeschäften, bedruckt mit deren Logo, zur Ausgabe an Kunden überall dort, wo Publikumsverkehr herrscht. Die Maske kann samt Kordeln nach Gebrauch ins Altpapier und ist vollständig recycelbar: Alles andere hätte nicht ins Konzept des Unternehmens gepasst, das 95 Prozent aller Materialien aus seiner Produktion in den Wertstoffkreislauf zurückführt.

„Im Schnelldurchlauf“ ging die Patentanmeldung durch, berichtet Rainer Wetzel. All die Schriftstücke und Fachartikel und Akten, die’s dafür durchzuackern galt – geschenkt, denn das Ziel ist erreicht, und die antimikrobielle Beschichtung ist einzigartig. Ein dermatologisches Gutachten bescheinigt die Unbedenklichkeit; die Beschichtung ist lebensmittelecht.

Auf beiden Seiten, innen und außen, wirkt die Beschichtung gegen eine Vielzahl von Erregern – doch Vorsicht: Eine Infektion sicher verhindern kann eine Maske dieser Art niemals.

Es geht um passiven Schutz der Umgebung, wie es in der Gebrauchsanleitung heißt: „Flüssigkeitsspritzer und Tröpfchen in der Ausatemluft der tragenden Person können damit abgefangen werden, um so das Risiko, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken, zu verringern.“ Die „wichtigste Bürgerpflicht“ in diesen Zeiten bleibt bestehen, wie Rainer Wetzel sagt: Abstand halten. Hände waschen.

Letztere kann das DHW-Team jetzt nicht in den Schoß legen. Das Material für die Gummikordeln reicht nicht ewig; diese Dinge sind zurzeit weltweit höchst gefragt. Rainer Wetzel fahndet nach weiteren Lieferanten, ferner möchte das Druckhaus die Produktion der Masken im eigenen Haus ausweiten. Zum Start unterstützt ein Partner das DHW. „Wir sind weltweit auf der Suche nach weiteren Maschinen, um unsere Produktionskapazität zu erhöhen“, so Rainer Wetzel. Die Produktionskapazität liegt momentan bei 15 000 bis 20 000 Stück pro Tag. Der Bezugspreis wird bei unter 50 Cent je Stück liegen, abhängig von der Menge. Ein Online-Shop ist in Planung, und aktuell halten Rainer Wetzel und Joachim Battermann eine Mindest-Abnahmemenge von 500 Stück für angemessen.

Ungewiss: Wie lange wird die Maskenpflicht gelten?

Wie Handeltreibende, Verantwortliche in Bussen und Bahnen und überhaupt alle Bürger mit der Maskenpflicht umgehen werden, die von Montag an gilt: Man wird sehen. Niemand kann im Moment wissen, wie lange die Pflicht gelten wird, was sie bewirkt und wie es überhaupt weitergeht. Selbst wenn die Menschen später keine Masken mehr tragen müssen, werden viele es trotzdem tun, prophezeit Joachim Battermann. Unterdessen sieht Rainer Wetzel die Entwicklung dieses für ein Druckhaus eher untypischen Produkts nicht allein als Erweiterung des Sortiments. Es geht auch darum, die Beschäftigten in Zeiten von Kurzarbeit mit Aufgaben zu versorgen – und einen Beitrag zu leisten, der Pandemie Herr zu werden.

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Sie lässt sich wie ein Fächer auffalten, trägt eine antimikrobielle Beschichtung, kann bedruckt werden und ist komplett recycelbar: Die in Eigenregie entwickelte Mund-Nasen-Maske hat sich das Druckhaus Waiblingen jetzt patentieren lassen. Kommende Woche startet die Produktion. Die Entwicklung eines neuen Produkts samt Patentierung dauert sonst Monate – oder länger. In diesem Fall liegen zwischen der ersten Idee und dem

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