Rems-Murr-Kreis

Durchmarsch der Grünen in allen drei Wahlkreisen im Rems-Murr-Kreis: Drei Direktmandate für Swantje Sperling, Petra Häffner und Ralf Nentwich

Wahlauszaehlung
Die Auszählung der Stimmen in der Gemeindehalle Schwaikheim beginnt. © Gaby Schneider

Der Rems-Murr-Kreis ist grüner denn je. Die Grünen haben in allen drei Wahlkreisen die meisten Stimmen erhalten und alle drei Direktmandate gewonnen. Zu den Siegern kann sich – außer den Grünen – die FDP zählen, allen voran Jochen Haußmann, der sein Ergebnis im Wahlkreis Schorndorf auf stolze 16,3 Prozent verbesserte. Verloren hat - außer CDU und AfD - die Demokratie: Die Wahlbeteiligung ging von über 70 Prozent auf magere 65 Prozent zurück.

Sehr spät, weit nach Mitternacht und nach Redaktionsschluss unserer gedruckten Ausgabe waren sämtliche 70 Wahlkreise im Land ausgezählt, so dass auch die Zweitkandidaten fest standen.

Im Wahlkreis Waiblingen ziehen außer der Direktkandidatin Swantje Sperling auch Julia Goll (FDP) und Siegfried Lorek in den Landtag ein.

Im Wahlkreis Schorndorf schafften Petra Häffner (Grüne), Christian Gehring (CDU) und Jochen Haußmann (FDP) den Einzug in den Landtag, so dass dieser Wahlkreis mit drei Abgeordneten vertreten ist.

Im Wahlkreis Backnang verpasste Georg Devrikis (CDU) den Einzug in den Landtag. Außer dem Direktkandidaten Ralf Nentwich (Grüne) werden aber Daniel Lindenschmid von der AfD und Gernot Gruber (SPD) Landtagsabgeordnete.

Beginnen wir mit den drei sicheren Direktmandaten für die Grünen. Selbst im Wahlkreis Backnang, wo Wilfried Klenk vor fünf Jahren noch klar über den grünen Bewerber obsiegt hatte, zog Ralf Nentwich (Grüne) knapp an Georg Devrikis (CDU) vorbei. Eine Überraschung.

Petra Häffner hat im Wahlkreis Schorndorf ihr Direktmandat verteidigt und den Vorsprung gegenüber dem CDU-Bewerber ausgebaut. Claus Paal, die Wahlniederlage seiner Partei wohl erahnend, hatte auf eine erneute Kandidatur verzichtet und ging damit dem Risiko aus dem Weg, aus dem Landtag rausgewählt zu werden.

Mit einem knappen Ergebnis wurde auch im Wahlkreis Waiblingen gerechnet. Schließlich trat mit Siegfried Lorek für die CDU ein etablierter Landtagsabgeordneter gegen die Novizin Swantje Sperling von den Grünen an. Sie musste in die großen Fußstapfen von Willi Halder treten. Doch Swantje Sperling meisterte die Aufgabe mit Bravour und legte sogar leicht zu. Siegfried Lorek hingegen konnte sich dem Landestrend für seine Partei nicht entziehen, verlor Stimmen und ermöglichte Sperling das Direktmandat. Über ein Zweitmandat schaffte es Lorek erneut in den Landtag-

Wahlkreis Waiblingen: Hochburg für die Freien Wähler

Im Wahlkreis Waiblingen haben die Freien Wähler aus dem Stand 4,3 Prozent geholt. Mitverantwortlich für das gute Ergebnis dürfte ihr Bewerber Peter Treiber gewesen sein. Der Fellbacher Landwirt, Kreis- und Gemeinderat war vor einem Jahr bei der Nominierung der FDP an Julia Goll gescheitert. Er kandidierte nun für die Freien Wähler. Doch der Waiblinger Kreis- und Gemeinderätin schadete Treibers Kandidatur nicht. Sie legte 2,3 Prozentpunkte zu und  verbesserte das Ergebnis ihres Mannes Ulrich Goll von vor fünf Jahren. Das Mandat im Stuttgarter Landtag bleibt somit in der Familie.

Swantje Sperling konnte das Ergebnis für die Grünen leicht verbessern (+0,8 %). Sie schrammte knapp an der 30-Prozent-Marke vorbei und konnte den Vorsprung gegenüber der CDU ausbauen. Und zwar trotz der Kandidatur von Alfonso Fazio, der aus Groll über die Nichtnominierung seiner Tochter Marilena gegen Sperling angetreten war. Die CDU musste erneut eine herbe Niederlage hinnehmen: 25,2 Prozent sind ein miserables Ergebnis vor dem Hintergrund, dass die Christdemokraten im Unteren Remstal einst solide über 40 Prozent gelegen haben. Für Siegfried Lorek war der Wahlabend eine Zitterpartie, ob er es wieder in den Landtag schafft.

Keine Chance auf ein Mandat hatte Marc Maier (AfD). Die Alternative für Deutschland rutschte unter zehn Prozent - ein Minus von 6,6 Prozentpunkte. Die SPD hat am Sonntag zwar ebenfalls Stimmen verloren, aber weniger als die AfD. Die Sozialdemokraten (10,9%) sind somit im Wahlkreis Waiblingen wieder vor der AfD. Für die SPD-Bewerberin Sybille Mack ist das nur ein kleiner Trost. Sie war chancenlos, Nachfolgerin ihrer Parteifreundin Katrin Altpeter zu werden, die von 2001 bis 2016 Landtagsabgeordnete gewesen ist.

Wahlkreis Backnang: Gernot Gruber zeigt’s den Sozialdemokraten

Das Direktmandat für den grünen Ralf Nentwich ist zweifellos die Überraschung im Kreis. Das hatte auch das Landratsamt Rems-Murr nicht auf dem Schirm und muss sich nun einen neuen Leiter ihres Kreismedienzentrums suchen. Seinen knappen Sieg über Georg Devrikis hat Nentwich jedoch weniger dem eigenen Stimmenzuwachs zu verdanken (+ 1,7 %), sondern eher den herben Verlusten der CDU (- 4,5 %). Ihr langjähriger Abgeordneter Wilfried Klenk war nicht mehr angetreten. Die CDU sackte auf 23,2 Prozent ab.  Georg Devrikis reichte dieses magere Ergebnis nicht für den Landtag, so dass nach mehr als einem halben Jahrhundert erstmals die CDU keinen Abgeordneten in Backnang stellt.

Dass bei Landtagswahlen die Persönlichkeit mit entscheidend ist, zeigte einmal mehr Gernot Gruber. Die Wähler honorierten die engagierte Arbeit des SPD-Landtagsabgeordneten für den Wahlkreis. Gruber konnte gegen den Abwärtstrend der Sozialdemokraten zulegen (+ 3,3 Prozentpunkte). 19 Prozent sind ein hervorragendes Ergebnis, das ihm übers Zweitmandat den Wiedereinzug in den Landtag sichert.

Der Wahlkreis Backnang war vor fünf Jahren eine der Hochburgen der AfD im Land, so dass Jörg Meuthen in den Landtag einzog. Die Rechtspartei verlor aber am Sonntag ein Drittel ihrer Wählerschaft und erreichte nur noch 12,1 Prozent, ein Minus von 7,6 Prozentpunkten. Unter den drei AfD-Bewerbern im Rems-Murr-Kreis hate Daniel Lindenschmid die größten Chancen, Landtagsabgeordneter zu werden und nutzte sie.

Wahlkreis Schorndorf: Jochen Haußmann räumt ab

Respekt. Jochen Haußmann hat den Ruf des Wahlkreises Schorndorf als „Stammland der Liberalen“ kräftig aufpoliert. Ähnlich gute Ergebnisse wie Haußmann jetzt hatte die FDP letztmals in den 1960er-Jahren zu Zeiten eines Reinhold Maiers: Die FDP legte um 3,7 Prozentpunkte auf 16,3 Prozent zu (siehe auch: „Die Hochburgen“).

Petra Häffner hat das Direktmandat zum zweiten Mal geholt. Nachdem sie fünf Jahren ihre Nase noch hauchdünn vor Claus Paal (CDU) hatte, fiel das Ergebnis am Sonntag doch recht deutlich aus. Die Grünen erreichten 29,7 Prozent (+ 2,6 %), die CDU verlor 1,6 Prozentpunkte und schaffte 24,2 Prozent. Die reichten Christian Gehring für das Zweitmandat.

Keine Chancen auf ein Landtagsmandat hatte Kathrin Breitenbücher (SPD). Die SPD verlor 2,2 Prozentpunkte (10,4 %), schob sich jedoch vor die AfD (9,9 %), die in Schorndorf 5,5 Prozentpunkte einbüßte.

Der Rems-Murr-Kreis ist grüner denn je. Die Grünen haben in allen drei Wahlkreisen die meisten Stimmen erhalten und alle drei Direktmandate gewonnen. Zu den Siegern kann sich – außer den Grünen – die FDP zählen, allen voran Jochen Haußmann, der sein Ergebnis im Wahlkreis Schorndorf auf stolze 16,3 Prozent verbesserte. Verloren hat - außer CDU und AfD - die Demokratie: Die Wahlbeteiligung ging von über 70 Prozent auf magere 65 Prozent zurück.

Sehr spät, weit nach Mitternacht und nach

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