Rems-Murr-Kreis

E-Scooter-Fahrspaß mit Tücken: Was für und was gegen die Flitzer spricht und warum man damit niemals durch den Kappelbergtunnel fahren sollte

elektroroller
Flott unterwegs in der Stadt. © ALEXANDRA PALMIZI

Mit einem E-Scooter durch den Kappelbergtunnel: Wer, bitte, kommt auf eine derart verrückte Idee?

Ein betrunkener 22-Jähriger hat das Fahrmanöver am Sonntag früh unbeschadet überstanden, wiederholt es aber vermutlich nicht. Eine Anzeige wegen Trunkenheit im Verkehr ist fertig verfasst; alles Weitere geht dann seinen Gang.

Überflüssig zu erwähnen, nur der Vollständigkeit halber: Mit einem E-Scooter darf man nicht auf Kraftfahrstraßen (landläufig als Schnellstraßen bekannt) oder Autobahnen fahren, und auch nicht auf solchen durch Tunnels, es sei denn, ein veritabler Radweg führt mitten hindurch.

In der Schweiz heißen E-Scooter E-Trotti. Das kommt von „Trottinett“, was wiederum Kinderroller bedeutet und rein gar nichts mit „Trottoir“ zu tun hat: Auf dem Bürgersteig oder in Fußgängerzonen darf man damit nicht fahren, aber auf Radwegen, Radfahrstreifen und in Fahrradstraßen jederzeit. „Radfahrer frei“-Hinweisschilder erlauben auch E-Scooter-Nutzer/-innen freie Fahrt. Dasselbe gilt für Wege, die sich Fußgänger und Radfahrer teilen. Auf die Straße darf ein E-Scooter nur, sofern kein Radweg vorhanden ist – inner- wie außerorts.

Mit dem Gefährt eine Beamtin verletzt

Verboten ist ferner, den E-Scooter als Waffe zu benutzen, worum sich ein 19-Jähriger am Sonntagabend in Fellbach nicht scherte: Er flüchtete erfolglos vor einer Polizeikontrolle und schlug, bereits in Handschellen, mit seinem Gefährt gegen das Bein einer Beamtin. Der junge Mann war ohne Versicherungskennzeichen unterwegs gewesen.

Das wiederum ist auch nicht erlaubt: Elektro-Tretroller müssen mit einer gültigen Versicherungsplakette ausgestattet sein, ansonsten beschränkt sich der Fahrspaß auf die heimische Garageneinfahrt. Bereits 14-Jährige dürfen die Elektrokleinstfahrzeuge ohne Führerschein steuern; empfohlen ist ein Helm.

Klingt alles irgendwie nach Bedenkenträgertum, und ein wirklich erfreuliches Image haftet den Trottis tatsächlich nicht an. Noch mehr Wilde auf den Wegen fürchtet der genervte Fußgänger – bis er oder sie es getestet hat: Was für ein Spaß!

Bonus von den Stadtwerken: Weiß niemand davon?

Gedacht ist das wendige, klappbare Gefährt als Transporteur für die letzte Meile. Vom Bahnhof zum Arbeitsplatz rollert sich’s leicht; das Auto darf zu Hause bleiben. Die Stadtwerke Waiblingen zahlen gar, um einer klimafreundlichen Mobilität Vorschub zu leisten, einen Bonus, es will ihn nur keiner haben: „Merkwürdigerweise“ hat dieses Jahr noch niemand das Fördergeld beantragt, welches Stadtwerke-Kunden beim Kauf eines E-Gefährtes erhalten können, wundert sich Vertriebsleiter Thorsten Meiners. Wer bereits seit zwei Jahren einen Ökostromtarif der Stadtwerke Waiblingen nutzt und einen E-Scooter, ein E-Bike oder einen E-Roller bei einem der Vertragshändler kauft, darf die Hand aufhalten. 50 Euro gibt’s geschenkt für einen E-Scooter, der bis 1000 Euro kostet, 100 für einen teureren. „Ich finde es schade, dass das nicht mehr genutzt wird“, sagt Meiners.

Vielleicht dauert’s einfach noch eine Weile, bis klimafreundliche Mobilitätskonzepte besser greifen. Wer sich die aus Radfahrer- und damit auch E-Scooter-Fahrer-Sicht desaströse Infrastruktur anschaut, weiß auch, warum: Diese fürchten um ihr Leben zwischen all den SUVs.

Kreuz und quer an jeder Ecke abgestellte Leih-E-Scooter gefallen unterdessen auch nicht jedem. In Stuttgarter Parks trifft man hin und wieder auf verlassene Exemplare, und in Köln sollen jetzt Taucher E-Scooter aus dem Rhein bergen: Hunderte Fahrzeuge liegen laut Medienberichten im Fluss, was nicht nur Umweltschützer stört. Während die Gefährte im Wasser vor sich hin rosten, gelangen Chemikalien aus den Akkus in den Rhein.

In Schorndorf zeigten sich Bürger/-innen eher kritisch

Nachrichten dieser Art dürften Sympathien für E-Scooter-Verleihprojekte weiter schmälern. In Schorndorf beispielsweise haben sich Bürgerinnen und Bürger schon vor Monaten kritisch zu dieser Art Fortbewegungsmittel geäußert, es sei denn, sie würden gezielt für die Anfahrt zum Arbeitsplatz genutzt. Im Zuge eines Projekts mit dem Titel „Mikromobilität – nachhaltige Mobilitätslösungen für die Stadt von morgen“ erhielten hingegen Elektro-Lastenräder gute Noten.

Wie mit Fahrrädern, sei es nun mit oder ohne Elektroantrieb, geschehen selbstredend auch mit E-Scootern Unfälle. Schwere Verletzungen erlitt ein 20-Jähriger im Oktober vergangenen Jahres, als er in Fellbach bei einer Fußgängerfurt abbiegen wollte, um die Straße zu queren. Der Mann stürzte und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Vergangenen Freitag starb gar ein Mann an den Folgen eines Sturzes mit dem E-Scooter. Der 29-Jährige erlitt schwere Kopfverletzungen beim Sturz auf einem Parkplatz in Villingen-Schwenningen. Es war keine andere Person beteiligt gewesen.

Das gilt auch für jene Unfälle mit Elektrokleinstfahrzeugen, welche die Polizei dieses Jahr im Rems-Murr-Kreis registriert hat. Polizei-Sprecher Rudolf Biehlmaier spricht, was die Zahlen angeht, von einem „niedrigen einstelligen Bereich“.

In ihrem Jahresbericht für 2020 berichtet die Polizei von neun Unfällen im Rems-Murr-Kreis. Eine Person wurde schwer verletzt, neun Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Mit einem E-Scooter durch den Kappelbergtunnel: Wer, bitte, kommt auf eine derart verrückte Idee?

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