Rems-Murr-Kreis

Ein bisschen Heimatkunde in Corona-Zeiten: Rems-Murr-Kreis präsentiert sich als "Wirtschaftsstandort mit besten Aussichten"

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Kreis-Wirtschaftsförderer Timo John hat die neue Standort-Broschüre über den Rems-Murr-Kreis erstellt. © Landratsamt

Corona, Lockdown, Urlaub zu Hause. In den vergangenen Monaten haben wir unsere Heimat von einer ganz neuen, oftmals überraschenden Seite kennengelernt. Wir sind durchs MoMA in New York geschlendert, ließen jedoch die Galerie Stihl in Waiblingen links liegen; wir träumten von einem Job bei Google, Tesla & Co., attraktive Arbeitgeber an Murr und Rems sind uns hingegen unbekannt; wir durchwanderten die halbe Welt, aber die herrlichen Pfade im Schwäbischen Wald erkunden wir erst jetzt. Was der Rems-Murr-Kreis alles zu bieten hat, stellt eine neue 95-seitige Broschüre des Landratsamtes Rems-Murr vor. Sie nennt sich „Ein Wirtschaftsstandort mit bester Aussicht“ und ist ein bisschen Heimatkunde über Wirtschaft, Kultur und Freizeit zwischen Rems und Murr. Rund 2000 Exemplare sind bereits von Schulen geordert worden, die die Standortbroschüre im Unterricht einsetzen wollen, freut sich Kreiswirtschaftsförderer Dr. Timo John.

Wer den Landkreis noch nicht kennt, dem vermittelt die Broschüre einen ersten Eindruck, was hier alles los ist. Timo John hatte als eine der Zielgruppen selbstverständlich potenzielle Investoren im Auge, vor allem aber Fachkräfte und Auszubildende, die bei ihrer Stellensuche auf Unternehmen im Rems-Murr-Kreis gestoßen sind und sich ein erstes Bild machen wollen, was sie außer der Arbeit noch erwartet.

Die Broschüre vermittelt einen Gesamtüberblick über den Kreis

Konzipiert worden war die Broschüre vor Corona. John hatte festgestellt, dass es keinen Gesamtüberblick über den Rems-Murr-Kreis gab. Wichtig war John bei seinem Konzept, dass der Kreis als Teil der Region Stuttgart dargestellt wird. Wie ausgeprägt die regionale Zusammenarbeit ist, lasse sich am Projekt Gigabit-Region ablesen. In Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaftsförderung verlegt die Telekom in 175 Kommunen der Region Glasfasernetze. Bis 2025 werden sämtliche Gewerbegebiete mit Breitband erschlossen und bis 2030 sollen rund 90 Prozent aller Haushalte mit schnellem Internet versorgt sein.

Auch im Rems-Murr-Kreis laufen die Fäden der Wirtschaftsförderung bei der Region zusammen. John wie auch seine Kollegin, die Europabeauftragte des Rems-Murr-Kreises, sind nicht beim Landratsamt angestellt, sondern bei der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH. Kooperationen über Kreisgrenzen hinweg sind also selbstverständlich und gehören zu seinem Alltag. John wiederum ist mit den Wirtschaftsförderern in den Kommunen im Kreis vernetzt und versorgt diese derzeit mit Informationen rund um die Corona-Pandemie.

Wirtschaftsförderung ist in erster Linie Netzwerken

Netzwerken ist das A & O von Wirtschaftsförderung. Doch seit Corona liegen diese Aktivitäten weitgehend brach oder finden online statt. Johns zweimonatlicher Businessbrunch fällt ebenso flach wie das „Nachfolgenetzwerk Rems-Murr-Kreis“, das John mit der Handwerkskammer initiierte. Gestrichen worden sind zahllose Empfänge und Veranstaltungen von Firmen, Verbänden und Kommunen. John rechnet damit, dass auch 2021 wenig bis gar nichts läuft. Die Touristikmesse CMT in Stuttgart, bei der der Rems-Murr-Kreis sich im Januar traditionell als Fremdenverkehrsdestination präsentiert, steht auf dem Terminplan. Noch. Ob und in welcher Form die Messe mit Zigtausenden Besuchern stattfinden kann, ist angesichts steigender Infektionszahlen fraglich, sagt John.

Als Wirtschaftsförderer versteht sich Timo John in erster Linie als Netzwerker und als Lotse durch den Behördendschungel im Landkreis. Doch auch als Lotse wird er in Corona-Zeiten seltener angefragt. Bei Anfragen von Investoren nach Gewerbeflächen herrscht ebenso Sendepause wie bei Bitten von Unternehmen, sie bei der Suche nach Fachkräften zu unterstützen. Dennoch schätzt John die konjunkturelle Lage der Rems-Murr-Firmen insgesamt als nicht schlecht ein. Bis auf den Einzelhandel, der unter der coronabedingten Flaute am heftigsten leidet, spüre er einen gewissen Grundoptimismus. Mittelständische Firmen seien für eine Krise gewappnet gewesen, zumal nach dem ungewöhnlich langen Boom mit einem Konjunktureinbruch zu rechnen gewesen sei. Typisch schwäbisch, vermutet John, hätten Betriebe Rücklagen gebildet und setzten diese nun ein.

Walter Rogg, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, ist um die Zukunft der Wirtschaft an Rems und Murr nicht bang. Der Kreis sei ein „prosperierender Standort mit großen Zukunftschancen und sehr guten Aussichten für Fachkräfte“, sagte er in einem Interview im Magazin „Ein Wirtschaftsstandort mit bester Aussicht“. Auf Deutsch und Englisch stellt die Broschüre die unterschiedlichen Branchen im Kreis vor und legt dabei den Schwerpunkt auf die Schlüsselindustrien Maschinenbau, Automotive- und Elektrotechnik. Außer den bekannten Global Playern wie Kärcher oder Stihl bekommen im Magazin auch Unternehmen eine Plattform, die Weltmarktführer und dennoch kaum bekannt sind - sogenannte Hidden Champions. Themenschwerpunkte zu Integration und Inklusion sowie Aus- und Weiterbildung präsentieren die Unternehmen als attraktive Arbeitgeber, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes.

Corona, Lockdown, Urlaub zu Hause. In den vergangenen Monaten haben wir unsere Heimat von einer ganz neuen, oftmals überraschenden Seite kennengelernt. Wir sind durchs MoMA in New York geschlendert, ließen jedoch die Galerie Stihl in Waiblingen links liegen; wir träumten von einem Job bei Google, Tesla & Co., attraktive Arbeitgeber an Murr und Rems sind uns hingegen unbekannt; wir durchwanderten die halbe Welt, aber die herrlichen Pfade im Schwäbischen Wald erkunden wir erst jetzt. Was

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