Rems-Murr-Kreis

Ein frischer Text braucht Schutz: Schreibpädagogin Beate Fischer gibt Einblicke

BeateFischer
Schreiben kann ein Licht werfen auf die innere Landkarte: Beate Fischer begleitet diese Prozesse. © Gaby Schneider

Beate Fischer ist neugierig. Das ist einer der Gründe, warum sie gerne schreibt. Schreiben ist ja ein Schöpfungsprozess und führt regelmäßig zu überraschenden Ergebnissen. Und Schreiben kann ein Licht werfen auf die eigene innere Landkarte.

Schon als Kind waren ihr das Schreiben und Lesen wichtig. Ein Roman ist bisher nicht entstanden, aber zahlreiche Gedichte und Kurzgeschichten. Vor zehn Jahren nahm sie selbst an einem Schreibkurs teil und hat Feuer gefangen. Vor drei Jahren gründete sie das Lektorat „Schreibgewandt“. Dort bearbeitet sie Texte professionell und berät Schreibende. Nach einer Ausbildung zur Schreibpädagogin am „Institut für Kreatives Schreiben“ in Freiburg bietet sie heute bei der Volkshochschule Unteres Remstal selbst Kurse für Kreatives Schreiben an.

Ein "gutes Durcheinander" fördert Kreativität

Manche Kurse sind inklusiv, richten sich also explizit auch an behinderte Menschen. Sie werden über die „Easy-Uni“ angeboten, eine Kooperation der VHS mit der Diakonie Stetten.

Mit Inklusion hat sie gute Erfahrungen gemacht. Ein gutes Miteinander und ein „gutes Durcheinander“ entständen dabei, was der Kreativität förderlich sei. Hauptberuflich arbeitet Beate Fischer für die Diakonie Stetten und leitet dort das Büro für Leichte Sprache. Sie ist also jemand, der die Dinge auf den Punkt bringen kann.

Kann man Kreatives Schreiben lernen? Nein, sagt Beate Fischer. Es ist eine Ausdrucksmöglichkeit, die jedem offensteht. Man muss sie nur anwenden. Beim Kreativen Schreiben geht es nicht um Leistung oder Technik, es geht um einen spielerischen Zugang zur eigenen Fantasie, es geht darum, Wort-Schätze zu heben. Manchmal kann eine Anregung helfen. Ein Beispiel: Führen Sie sich die Süßigkeiten Ihrer Kindheit vor Augen. Schreiben Sie sie auf und auch die Assoziationen, die Sie dazu haben. Schon haben Sie eine schöne Grundlage für einen Text.

Texte achtsam miteinander teilen

Manchmal entsteht eine Geschichte auch aus einer Kleinanzeige. Man fragt sich einfach, was dahintersteckt.

Schreiben ist ja zuerst einmal etwas Introvertiertes, man schreibt alleine. Gleichzeitig schreiben wir, um uns mitzuteilen. Der Weg zum veröffentlichten Text ist oft weit, und nicht jeder kann und will ihn gehen. In der Gruppe können die Texte achtsam miteinander geteilt werden. Niemand wird hier verbessert. „Ich habe noch nie etwas Schlechtes von meinen Teilnehmern gelesen“, sagt Beate Fischer. „Es ist immer etwas Besonderes, Persönliches.“ Es kann berührend sein, zu hören, was die anderen zu Papier gebracht haben. Weil es hier nicht um Professionalität geht, kann etwas sehr Echtes, Schönes entstehen. „Ein frischer Text ist wie ein Baby“, er braucht Schutz und viel Liebe. „Man kann sich tatsächlich Dinge von der Seele schreiben“, sagt Beate Fischer.

Sprachliche Bilder und Ideen kommen zum Vorschein

Natürlich geht es hier nicht um die Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen, es handelt sich ja nicht um eine Therapie. Wichtig ist das wertfreie Nebeneinander, die Vielfalt. „Es ist schön zu sehen, wie kreativ Menschen sein können, wenn sie sich trauen.“ Auch die Teilnehmer sind oft überrascht, welche sprachlichen Bilder und Ideen zum Vorschein kommen. Zwei Stunden dauert ein Termin gewöhnlich mit einer Pause. Manche Teilnehmer kommen immer wieder. Man kennt sich und vertraut sich einander an. Aus einem Kurs ist eine private Schreibgruppe entstanden. Seit knapp zwei Jahren bietet Beate Fischer die Kurse an. „Es macht Spaß und es kommen immer mehr Menschen.“ Bisher waren es nur Frauen. Warum?

"Wo liegt das Gute?"

Darauf hat sie auch keine Antwort. Es kann durchaus etwas Mut erfordern, sich vor den anderen zu öffnen. Sind Frauen in dem Punkt einfach mutiger? Oder definieren Männer ihr (kreatives) Tun mehr über Leistung? „Männer sind natürlich herzlich eingeladen“, sagt sie.

Bei der VHS sind einige Kurse mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten geplant. Zum Beispiel „Reisegeschichten“ am 2. und 16. Juli. Oder ab 1. August ein dreiteiliger Kurs, der sich der Frage widmet „Wo liegt das Gute?“

Im Sommer bietet Beate Fischer einen Poetry-Slam-Workshop für Jugendliche an. Im Herbst ist eine autobiografische Werkstatt geplant. Der Kurs richtet sich an Menschen in der Lebensmitte und heißt „Vergiss-dein-nicht“ – Lebenserinnerungen in Worte fassen. Informationen über das Angebot sind im Internet unter www.vhs-unteres-remstal.de zu finden.

Beate Fischer ist neugierig. Das ist einer der Gründe, warum sie gerne schreibt. Schreiben ist ja ein Schöpfungsprozess und führt regelmäßig zu überraschenden Ergebnissen. Und Schreiben kann ein Licht werfen auf die eigene innere Landkarte.

Schon als Kind waren ihr das Schreiben und Lesen wichtig. Ein Roman ist bisher nicht entstanden, aber zahlreiche Gedichte und Kurzgeschichten. Vor zehn Jahren nahm sie selbst an einem Schreibkurs teil und hat Feuer gefangen. Vor drei Jahren

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