Rems-Murr-Kreis

Ein klares Ja zum Radschnellweg

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Das ist der Redaktionskollege Martin Winterling, er fährt gerne mit dem Pedelec zur Arbeit. Wenn der Radschnellweg zwischen Fellbach und Schorndorf kommt, werden Sie ihm dort öfters begegnen. © ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. Ein Radschnellweg, nicht nur ein Wegle eng und b’häb, sondern quasi – Entschuldigung, doofes Wort – eine Fahrrad-Autobahn von Fellbach bis Waiblingen: Ist das realistisch? Absolut, findet die Landkreisverwaltung.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Stefan Hein, im Landratsamt Dezernent für Bauen, Umwelt und Infrastruktur. Der Kreis hat eine Machbarkeitsstudie für die Premium-Pedalier-Piste Fellbach-Schorndorf in Auftrag gegeben – und das Ergebnis sei „hervorragend“ ausgefallen: alle Kriterien erfüllt, um einen Radschnellweg ausweisen zu dürfen.

  • Ein Radschnellweg muss fünf Kilometer lang sein – die Strecke von Fellbach bis Schorndorf misst mehr als 20.
  • Ein Radschnellweg muss auf mindestens 80 Prozent der Strecke vier Meter breit sein, damit Überholvorgänge und Begegnungsverkehr möglich sind – laut Studie zwischen Fellbach und Schorndorf kein Problem; weitgehend könnten bereits vorhandene Wege genutzt werden.
  • Ein Radschnellweg muss täglich im Schnitt mindestens 2000 Radler anziehen – für Fellbach-Schorndorf geht die Studie von 2000 bis 2500 aus.

Radschnellwege ermöglichen deutlich schnelleres Vorankommen

Radschnellwege sind gut ausgebaute, direkt geführte, weitgehend kreuzungsfreie Verbindungen zwischen Kreisen und Kommunen und ermöglichen deutlich schnelleres Vorankommen als herkömmliche Trabbelrouten. So eine Express-Trasse ist nicht nur für Sonntagsausflügler gedacht, sondern auch und vor allem für Pendler, die ohne Auto-Stau oder S-Bahn-Verspätung klimafreundlich zur Arbeit wollen. Dank E-Bike muss sich ja niemand mehr sorgen, dass er nach Schweiß stinkend ankommt.

Für einen Radschnellweg gelten besondere Regeln:

  • Er hat einen Belag wie eine klassifizierte Straße. Rechtlich sind Radschnellwege Landes- und Kreisstraßen gleichgestellt.
  • Nur Zweiräder sind darauf zugelassen, weder Autos noch Fußgänger.
  • An Verkehrsknotenpunkten ist der Radler bevorrechtigt oder kann Unter- oder Überführungen nutzen, damit er nicht bremsen oder gar absteigen muss.
  • Ein Radschnellweg wird vom Winterdienst geräumt.

Strecke von Fellbach bis Schorndorf würde 33 Millionen Euro kosten

Landesverkehrsminister Winfried Hermann steht voll dahinter, bis 2025 will er mindestens zehn solcher Verbindungen als Vorzeigeprojekte realisieren. Das Land trägt dabei die sogenannte Baulast, übernimmt also Planung, Bau und komplette Finanzierung – sofern, und jetzt kommt der Haken, die Verkehrsprognose mindestens 2500 Räder pro Tag voraussagt.

Diese Hürde reißt die Strecke Fellbach-Schorndorf knapp. Aus der Traum? „Das ist gar nicht so schlimm“, findet Stefan Hein. Denn der Kreis kann so einen Weg auch auf eigene Faust anlegen. Die Strecke von Fellbach bis Schorndorf würde 33 Millionen Euro kosten. Das wäre „nicht zu stemmen“. Wäre. Aber: Es gebe, sagt Hein, gewaltige Fördermöglichkeiten.

  • Der Bund übernimmt, wenn die Kriterien erfüllt sind, 75 Prozent – die Kosten für den Kreis schrumpfen auf 8,25 Millionen.
  • Von dieser Restsumme wiederum trägt das Land, sofern die Machbarkeitsstudie überzeugt, die Hälfte. Womit die Kreiskosten auf rund 4,1 Millionen zusammengeschnurrt wären.

Zwei weitere Aspekte lassen den Schnellweg vollends realisierbar erscheinen:

  • Er würde sieben Kommunen anbinden, Fellbach, Kernen, Waiblingen, Weinstadt, Remshalden, Winterbach, Schorndorf. Wenn sich die eine oder andere finanziell an dem Projekt, das ja allen nützt, beteiligen sollte, bliebe am Kreis noch etwas weniger hängen.
  • Da man so einen Weg sowieso „nicht in einem Rutsch durchbauen“ kann, ließen sich die Ausgaben über „zwei bis drei Jahre verteilen“. Man müsste dann im Kreishaushalt vielleicht noch eine gute Million pro Jahr einplanen.

Hein: Gute Chance für Umsetzung

Es bestehe eine „sehr gute Chance für eine Umsetzung“, sagt Hein und wird nachgerade leidenschaftlich: „Wir wollen solche Verbindungen im Landkreis haben!“

Und so sieht das weitere Vorgehen aus:

  • Die Machbarkeitsstudie liege bereits beim Landesverkehrsministerium, „die haben uns jetzt auf dem Schirm“. Das Landratsamt will einen Antrag auf Fördermittel stellen.
  • Ins Boot holen muss die Verwaltung auch den Kreistag – er hat das Haushaltsrecht, die Räte müssen mehrheitlich Ja sagen zu dem Vorhaben.
  • Die sieben Kommunen längs des Weges gilt es auch zu gewinnen. Hein: „Wir werben dafür, das Projekt gemeinsam umzusetzen.“
  • Auch eine Beteiligung der Bürger gehört dazu: Über ein neues Online-Radwegeportal können sie Vorschläge zum genauen Trassenverlauf machen.

Am politischen Willen der Kreisspitze jedenfalls fehlt es nicht – Landrat Richard Sigel: „Das wäre etwas wirklich Wichtiges und sehr Nützliches für das Remstal.“


Noch ein Weg

Auch zu einem Radschnellweg Waiblingen-Ludwigsburg hat die Kreisverwaltung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis steht noch aus, soll aber noch in diesem Jahr vorliegen.