Rems-Murr-Kreis

Ein Traummann, liebevoll und charmant - und dann wird er gewalttätig

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Symbolbild. © Adobestock/Serghei

Er schien ein Traummann zu sein: liebevoll, zuvorkommend, charmant. „Wir hatten eine sehr harmonische Beziehung“, erzählt Inge (Name geändert). Als sie schwanger wurde, änderte sich von heute auf morgen alles. Ihr Mann kontrollierte sie, unterband den Kontakt zu Freunden – und schlug das erste Mal zu, als das gemeinsame Kind anderthalb Jahre war. „Pass auf, was du machst. Ich bring dich um“, drohte er – und Inge verließ ihn.

Kurze Zeit später kehrte sie zurück. Niemand glaubte ihr, erzählt sie. Wegen des Kindes wollte sie die Familie erhalten, und eine Zeitlang ging auch alles gut. Bis es erneut zu einem Gewaltausbruch kam. Inge rief die Polizei.

Sie hat es geschafft, aus der Beziehung auszusteigen. Von Beraterinnen am Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ erhielt sie Unterstützung, von der Polizei, vom Kreisdiakonieverband – und von Menschen in ihrem Umfeld, von denen sie nicht gedacht hätte, dass sie sich so intensiv um sie kümmern würden.

Den anderen klein halten

Inge erzählt ihre Geschichte anlässlich einer Pressekonferenz der Stadt Fellbach, die anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November auf das Thema aufmerksam machen möchte. Gewalt lässt sich längst nicht immer anhand von blauen Flecken beweisen. Oft üben Täter und ebenso Täterinnen auf subtile Weise Gewalt aus, werten die Partnerin / den Partner ab, halten den anderen finanziell klein, so Anneliese Roth, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fellbach. Stehen Frauen finanziell nicht auf eigenen Beinen, wird es noch schwerer, den Schritt zu wagen und eine eigene Wohnung zu finden. Das Gewaltschutzgesetz gewährt Opfern häuslicher Gewalt das Recht, zunächst in der gemeinsamen Wohnung zu bleiben und den Schläger eine Zeit lang zu verbannen. Das hilft in der Akutsituation, aber nicht langfristig.

Die Frauen fürchten, die Kinder zu verlieren

Für die Betroffenen ist es sehr schwer, „den Traum vom Familienglück aufzugeben“, so Sonja Lupfer-Rieg, die beim Kreisdiakonieverband Frauen mit Gewalterfahrung berät. Sie trauen oftmals lange „ihrer eigenen Wahrnehmung nicht“ und fürchten, die Kinder zu verlieren.

„Es ist keine Option zu bleiben“, findet Inge: „Man darf nicht aufgeben. Man muss kämpfen.“ Schon allein der Kinder wegen, die niemals in einem gewalttätigen Umfeld aufwachsen sollten. Betroffenen Frauen rät Inge, ihre „Flucht“ gut vorzubereiten. Das fängt mit ganz banalen Dingen an. Sie selbst hat Lebensmittelpakete gepackt und bei einer Bekannten gebunkert und vor allem wichtige Unterlagen an einem Platz gelagert. Ausweise, Geburtsurkunde des Kindes, Krankenversicherungskarte – alles Wichtige sollte mit einem Griff einzupacken sein, damit man im Notfall sofort verschwinden kann.

Menschen im Umfeld Betroffener können sich ebenfalls an Beratungsstellen wenden

Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, lässt sich schwer vorhersagen: Ein Gewaltausbruch kommt ganz plötzlich dann, „wenn man überhaupt nicht damit rechnet“, so hat sie selbst es erlebt.

Sonja Lupfer-Rieg ermuntert auch Menschen im Umfeld Betroffener, sich an eine Beratungsstelle zu wenden. Das ist auch anonym möglich, und einer Beratung muss keine Anzeige folgen.

Auch in diesen schwierigen Corona-Zeiten sind Beratungsstellen erreichbar, betont Anneliese Roth. Im Rems-Murr-Kreis existiert ein weit verzweigtes Hilfenetz; man kann sich an die Caritas wenden, an den Kreisdiakonieverband, an Pro Familia, ans Jugendamt, an den Kinderkrisendienst, an die Polizei sowieso zu jeder Zeit. Am Hilfetelefon, das deutschlandweit Frauen zur Seite steht, erhielt Inge detaillierte Vorschläge, was sie tun kann, um aus der Situation herauszukommen: „Es gibt immer Wege. Man ist wirklich nicht alleine.“

Er schien ein Traummann zu sein: liebevoll, zuvorkommend, charmant. „Wir hatten eine sehr harmonische Beziehung“, erzählt Inge (Name geändert). Als sie schwanger wurde, änderte sich von heute auf morgen alles. Ihr Mann kontrollierte sie, unterband den Kontakt zu Freunden – und schlug das erste Mal zu, als das gemeinsame Kind anderthalb Jahre war. „Pass auf, was du machst. Ich bring dich um“, drohte er – und Inge verließ ihn.

Kurze Zeit später kehrte sie zurück. Niemand glaubte ihr,

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