Rems-Murr-Kreis

Einkaufen im Rems-Murr-Kreis: So teuer sind Lebensmittel jetzt

Lebensmittelpreise
Annina Baur war in Waiblingen einkaufen. © Benjamin Büttner

Tanken, Heizen, Einkaufen: Das Leben wird immer teurer. Das ist nicht nur ein subjektives Gefühl. Laut Statistischem Bundesamt wird die Inflationsrate in Deutschland im März 2022 voraussichtlich ein Plus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat betragen. Für Verbraucher bedeutet das: Der Wert ihres Geldes nimmt ab. Auch die Verbraucherpreise steigen rasant, und zwar laut Statistischem Bundesamt im März um voraussichtlich 2,5 Prozent im Vergleich zum Februar 2022. Endgültige Zahlen werden am 12. April bekanntgegeben. Gründe für die steigenden Preise sind unter anderem hohe Energiekosten, der Ukraine-Krieg sowie wegen der Corona-Pandemie unterbrochene Lieferketten.

Einkommensschwache Haushalte in Not

Die steigenden Preise, insbesondere bei Lebensmitteln, treffen vor allem Hartz-IV-Empfänger, Menschen in der Altersgrundsicherung und einkommensschwache Haushalte. Sozialverbände und Gewerkschaften haben deshalb eine deutliche Entlastung für einkommensarme Haushalte gefordert.

Doch wie sehen diese Preissteigerungen konkret vor Ort aus? Wir waren Anfang März 2020, kurz vor Beginn der Corona-Pandemie, bei Rewe, Lidl und Naturgut in Waiblingen einkaufen. Dieselben Produkte haben wir in denselben Geschäften vor zwei Wochen sowie in dieser Woche noch einmal gekauft.

Diese Regel gilt für die Testeinkäufe

Für den Einkauf gab es nur eine Regel: Gewählt wird grundsätzlich das am Tag des Testeinkaufs vorhandene günstigste Produkt. Eingekauft wurden Produkte aus fünf Kategorien, und zwar:

  • Vollmilch
  • Kochschinken
  • Apfel
  • Spaghetti
  • Vollmilchschokolade.

Überraschend ist vor allem das Zwischenergebnis. Denn bei Lidl und Naturgut haben wir in Kalenderwoche 12 dieses Jahres weniger bezahlt als zwei Jahre zuvor. Das Gefühl, dass schon lange alles immer teurer wird, bestätigt sich also zunächst nicht, zumindest nicht bei den ausgewählten Produkten.

Im Bio-Supermarkt haben wir 37 Cent weniger bezahlt. Die Preise für Nudeln, Milch und Schokolade sind dort identisch geblieben, Äpfel waren günstiger, und beim gekochten Schinken konnten wir dank eines Angebotes ordentlich sparen.

Bei Lidl ist der relativ kleine Unterschied von 19 Cent weniger beim Gesamtpreis vor allem darauf zurückzuführen, dass es in diesem Jahr Spaghetti der Eigenmarke im XXL-Sparpaket gab, während wir 2020 zu Spaghetti derselben Marke in Bio-Qualität greifen mussten.

Der deutlichste Unterschied im Gesamtpreis war bei Rewe zu verzeichnen. 55 Cent mehr haben wir vor zwei Wochen im Vergleich zu 2020 ausgegeben. Und das liegt nicht nur daran, dass in diesem Jahr die günstigsten Spaghetti der Eigenmarke ausverkauft waren und wir auf Dinkelspaghetti derselben Marke zurückgegriffen haben. Milch und Äpfel haben im Preis angezogen.

Leere Regale wegen Hamsterkäufen

Der Testkauf in dieser Woche zeigt auf den ersten Blick vor allem eins: Es wird wieder gehamstert. Davon zeugen nicht nur Hinweisschilder an der Lidl-Kasse, wonach beispielsweise nicht mehr als drei Liter Speiseöl pro Haushalt gekauft werden dürfen. Man sieht es auch an leeren Regalen. Weder bei Lidl noch bei Rewe ergattern wir die günstigsten Spaghetti und müssen jeweils auf ein etwas teureres Produkt zurückgreifen. Dass wir mit 4,09 Euro bei Lidl zwar mehr als bei den vorangegangenen Einkäufen, aber immer noch mit Abstand am wenigsten bezahlen, haben wir dem Kochschinken im Angebot zu verdanken.

Bei Rewe dagegen hat der Kochschinken deutlich aufgeschlagen und somit zahlen wir nicht nur wegen der etwas teureren Nudeln 44 Cent mehr als vor zwei Wochen und sogar fast einen Euro mehr für unseren Einkauf als 2020.

Auch im Bio-Markt ist der Einkauf in dieser Woche der teuerste aller drei Testeinkäufe. Das liegt an den Preisen für Äpfel und Schinken.

Wurst, Fleisch, Obst und Gemüse sind teurer

Frische Lebensmittel werden teurer. Belegte man im Februar ein Brötchen mit Käse, waren die Hauptzutaten laut Statistischem Bundesamt 7 Prozent (Brötchen) und 4,7 Prozent (Schnittkäse) teurer, Kopfsalat um 17,1 Prozent, Butter um 20,4 Prozent und Gurke und Tomate gar um 30,3 bzw. 27 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Grund für die Teuerung sind vor allem die Energiepreise. Bereits vor Beginn des Ukraine-Kriegs waren laut dem Handelsverband Deutschland die Preise als Folge gestiegener Energiepreise um gut fünf Prozent gestiegen. Weitere Preissprünge hat es diese Woche gegeben. Aldi erwartet wegen der aktuellen Situation auf den Weltmärkten stark steigende Einkaufspreise und reagiert darauf schon in dieser Woche mit steigenden Preisen für die Verbraucher, vor allem bei Butter, Wurst und Fleisch. Auch bei anderen Lebensmitteleinzelhändlern steigen die Preise aus diesem Grund.

Explodierende Energiepreise treffen Verbraucher

Deutlich spürbar sind die explodierenden Energiepreise auch an der Tankstelle. Selbst bei einem sparsamen Kleinwagen, der Super E10 tankt, ist die Tankfüllung extrem teuer geworden. Fast 60 Euro wurden diese Woche für 30 Liter fällig. Zum Vergleich: Im März 2020 gab es dieselbe Menge Sprit für knapp 40 Euro. Während einige Menschen je nach Wohnort aber Alternativen zum Auto finden können, haben die Verbraucher bei Lebensmitteln keine Wahl, als die höheren Preise zu berappen.

Fazit: Unsere Testeinkäufe zeigen, dass das Einkaufen teurer geworden ist. Es wurde aber auch deutlich, dass es sich mehr denn je lohnt, genau hinzuschauen und Angebote zu nutzen, um diese Kosten in Grenzen zu halten.

Tanken, Heizen, Einkaufen: Das Leben wird immer teurer. Das ist nicht nur ein subjektives Gefühl. Laut Statistischem Bundesamt wird die Inflationsrate in Deutschland im März 2022 voraussichtlich ein Plus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat betragen. Für Verbraucher bedeutet das: Der Wert ihres Geldes nimmt ab. Auch die Verbraucherpreise steigen rasant, und zwar laut Statistischem Bundesamt im März um voraussichtlich 2,5 Prozent im Vergleich zum Februar 2022. Endgültige Zahlen werden

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