Rems-Murr-Kreis

Eltern verunsichert: Viele Corona-Impfdosen für Kinder im Rems-Murr-Kreis übrig

Kinderimpfen
Das Kinderimpfzentrum an der Winnender Klinik hat montags bis freitags von 16 bis 20 Uhr geöffnet. © Alexandra Palmizi

Tausende Impfdosen speziell für Fünf- bis Elfjährige hat die Landkreisverwaltung momentan noch übrig. Sie sind bis Mitte Februar haltbar.

Im Kinderimpfzentrum in Winnenden, das am 20. Dezember den Betrieb aufgenommen hatte, haben innerhalb von drei Wochen rund 1200 Fünf- bis Elfjährige eine Erstimpfung erhalten – das sind etwas mehr als vier Prozent der Kinder dieser Altersgruppe, die im Rems-Murr-Kreis leben. Eine exakte Prozentzahl lässt sich nicht bestimmen, denn auch einige Kinder von außerhalb wurden in Winnenden geimpft.

Weitere rund 250 Kinder erhielten bei einer Sonderaktion Mitte Dezember in Fellbach den Kinderimpfstoff von Biontech/Pfizer. Dieses Wochenende ist eine zweite Impfaktion vorgesehen. Vier Kinderarztpraxen im Rems-Murr-Kreis haben Impfdosen vom Landkreis erhalten; zwei weitere bieten Impftermine für Fünf- bis Elfjährige im zentralen Impfportal an.

2500 Impfdosen hat der Rems-Murr-Kreis bereits an andere Landkreise weitergereicht. Alles in allem lagern etwa 15.700 Impfdosen momentan in diversen Kühlschränken: Der Landkreis hatte ganz offensichtlich mit einem größeren Interesse am Kinderimpfen gerechnet – und Mitte Dezember 20.000 Dosen eingelagert. Im Rems-Murr-Kreis leben knapp 30.000 Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren. Überzählige Impfdosen werden den Kreisärzteschaften angeboten, so eine Sprecherin des Landratsamts auf Nachfrage: Sofern dort kein Bedarf bestehe, verteile man die Impfdosen an Impfstellen „im ganzen Land“.

Stiko empfiehlt Kinderimpfung nicht für alle Fünf- bis Elfjährigen

Ob Kinder selbst dann gegen Corona geimpft werden sollten, wenn sie weder vorerkrankt sind noch mit Personen zusammenleben, die einem hohen Krankheitsrisiko ausgesetzt sind – diese Frage scheint eine Mehrheit der Eltern momentan mit „Nein“ zu beantworten. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung Fünf- bis Elfjähriger nicht generell, sondern nur dann, wenn die Kinder vorerkrankt sind oder mit Risikopatienten in Kontakt sind. Bei „individuellem Wunsch“ und nach ärztlicher Aufklärung können, betont die Stiko, auch alle anderen Kinder dieser Altersgruppe geimpft werden. Diese Einschätzung gilt seit Mitte Dezember unverändert. Die Stiko bleibt bei ihrer Risiko-Nutzen-Abwägung: „Nach sorgfältiger Analyse der verfügbaren Daten – auch aus der aktuellen vierten Infektionswelle – besteht derzeit für Kinder ohne Vorerkrankungen im Alter von fünf bis elf Jahren nur ein geringes Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung, Hospitalisierung und Intensivbehandlung“, so das Robert-Koch-Institut mit Verweis auf die Stiko, sprich: Es gibt nach wie vor keine allgemeine Impfempfehlung für alle Fünf- bis Elfjährigen.

Manche Eltern fühlen sich subtil unter Druck gesetzt

Aus diesem Grund möchten sowohl Kinderärzt/-innen als auch viele Eltern lieber abwarten. Tief verunsichert sind sie nicht selten, und sie fühlen sich subtil unter Druck gesetzt, ihre Kinder impfen zu lassen. „Ich habe gehäuft Anfragen von Eltern, die eine Beratung wegen der Impfung möchten und die stark verunsichert sind, ob sie ihren Wunsch, noch nicht zu impfen, beibehalten können. Sie erleben die Aussagen der Stiko und die Werbung für die Kinderimpfung als sehr diskrepant und werden auch oft von anderen Eltern, die ihre Kinder schon impfen haben lassen, angefragt“, so lautet der Bericht aus einer Kinderarztpraxis. Dr. Ralf Brügel, Sprecher der Kinderärzte im Rems-Murr-Kreis, hat auf Bitte dieser Zeitung hin Kolleg/-innen zum Stand der Dinge betreffend Kinderimpfungen angefragt und eine Reihe ähnlich lautender Antworten erhalten: „Die Anfragen halten sich eher in Grenzen und wenn Fragen kommen, leite ich die Eltern ans Kinderimpfzentrum weiter, was dann gerne angenommen wird“, schreibt eine der Praxen, und eine andere: „Ich habe viele Familien erlebt, die nach der gut verträglichen Kinder-Impfung sehr erleichtert sind und den schwierigen Corona-Familienalltag etwas entspannter angehen können. Ich möchte trotzdem erst nach einer allgemeinen Empfehlung der Stiko in der Praxis impfen.“

Das Kinderimpfzentrum schließt voraussichtlich Anfang Februar – es sei denn, die Nachfrage steigt bis dahin enorm an. Gedacht war das an der Kinderklinik in Winnenden angesiedelte Zentrum von Anfang nur als Übergangsangebot, um vor Weihnachten und vor Schulstart im neuen Jahr Familien ein Impfangebot machen zu können und die Kinderarztpraxen zu entlasten. „Die Kleinen sind meist erleichtert, weil sie sich schützen können und die Hoffnung haben, sich damit weiter ungezwungen in Schule und Freundeskreis bewegen zu dürfen. Viele geben bei Rückfrage auch an, vulnerable Familienangehörige zu Hause zu haben, für die eine Infektion in eine Katastrophe münden könnte“, mit diesen Worten wird Prof. Dr. Ralf Rauch, Chefarzt der Winnender Kinderklinik, in einer Mitteilung des Landratsamtes zitiert. Der Chefarzt hatte bereits für die Impfung von Kindern plädiert, als speziell für die Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen noch gar keine entsprechend portionierten Impfdosen vorlagen.

Befürchtungen relativiert

Nicht ohne Grund spricht sich unterdessen die Stiko „erneut und nachdrücklich dagegen aus, dass der Zugang von Kindern und Jugendlichen zur Teilhabe an Bildung, Kultur und anderen Aktivitäten des sozialen Lebens vom Vorliegen einer Impfung abhängig gemacht wird“. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) schrieb bereits Ende November 2021, als die Europäische Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht für den Kinderimpfstoff gab: Es sei nicht verhältnismäßig, Impfungen der jungen Kinder zu fordern, um einen Lockdown zu verhindern. „Der Eigennutz für das Kind muss im Vordergrund stehen.“

Zur Omikron-Variante nimmt die DGPI in einer gemeinsamen Erklärung mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin nun Stellung. Es geht um Warnungen, wonach Kinder und Jugendliche von der Omikron-Variante besonders betroffen wären und sie mit schwereren Krankheitsverläufen zu rechnen hätten. „Detaillierte Analysen relativieren diese Befürchtungen“, schreiben die Fachleute: „Die Erfahrung auch aus den vorherigen Pandemiewellen mit den Varianten Alpha und Delta lehrt, dass sich ein besonderes Risiko von Kindern in keiner dieser Wellen bestätigt hat.“

Schäden, verursacht durch Schulschließungen

Eindringlich warnt die DGPI vor erneuten Schulschließungen: „Die Erfahrung aus den vorangegangenen Schulschließungen hat uns die gesundheitlichen und psychosozialen Folgeprobleme der Schülergeneration sehr klar gemacht. Das Ausmaß dieser Folgeschäden ist – anders als die Erfassung von Inzidenzzahlen – noch nicht annähernd absehbar.“

Tausende Impfdosen speziell für Fünf- bis Elfjährige hat die Landkreisverwaltung momentan noch übrig. Sie sind bis Mitte Februar haltbar.

Im Kinderimpfzentrum in Winnenden, das am 20. Dezember den Betrieb aufgenommen hatte, haben innerhalb von drei Wochen rund 1200 Fünf- bis Elfjährige eine Erstimpfung erhalten – das sind etwas mehr als vier Prozent der Kinder dieser Altersgruppe, die im Rems-Murr-Kreis leben. Eine exakte Prozentzahl lässt sich nicht bestimmen, denn auch einige Kinder

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