Rems-Murr-Kreis

Endlich Radschnellwege im Rems-Murr-Kreis? 2023 starten zumindest mal die Bagger

Pedelec
Wusch! Auf dem Radschnellweg soll's zügig schnurren. © Gabriel Habermann

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. So auch bei den Planungen für die beiden Radschnellwege Fellbach-Schorndorf (RS5) und Waiblingen-Ludwigsburg (RS8). Viele reden mit; jede und jeder hat eigene Vorstellungen, Wünsche und Einwände. Jetzt, fünf Jahre nach der Machbarkeitsstudie, liegen die Pläne für die Trassenführung endlich auf dem Tisch.

Rems-Murr-Verkehrsdezernent Stefan Hein sprach im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages von einem „wichtigen Meilenstein“. Beim RS8 können die Bauarbeiten bereits nächstes Jahr starten; beim RS5 wird es wohl noch bis 2025 dauern.

Was ist ein Radschnellweg?

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist die Gerade, weiß der Mathematiker. Von solch kurzen Verbindungen träumt jeder Radfahrer, der es eilig hat – und umkurvt in der schnöden Realität selbst auf ausgewiesenen Radwegen viele Ecken, holpert über Bordsteine und weicht Passanten und anderen Radlern aus. Radschnellwege sind laut Definition exklusiv für Fahrräder. Die Mindestbreite beträgt vier Meter, so dass Überholen möglich ist und dabei auch Gegenverkehr kein Problem darstellt. Radschnellwege sollen möglichst kreuzungsfrei sein, eine Beleuchtung haben und im Winter geräumt werden.

Warum Radschnellwege?

Radfahren gehört die Zukunft. Staus auf den Straßen, überfüllte Busse und Bahnen – das Landratsamt beurteilt Radschnellverbindungen als „wertvolle Ergänzung der im Rems-Murr-Kreis hoch belasteten Verkehrsinfrastruktur“. Und sie seien ein zusätzliches wirksames Instrument zur Förderung einer klimafreundlichen Mobilität.

Was macht die Planung kompliziert?

Die Umsetzung der Radschnellverbindungen entlang der dicht besiedelten Hauptverkehrsachsen insbesondere im Remstal ist eine große Herausforderung und benötigt Zeit, wissen die Verkehrsplaner im Landratsamt. Davon können ihre Kollegen im Ruhrgebiet ein Lied singen. Der Regionalverband Ruhr war Pionier bei Schnellwegen für Radfahrende und stellte 2010 die Idee für einen mehr als 100 Kilometer langen Ruhr-Radschnellweg vor. Bis heute ist nur ein Bruchteil realisiert.

Der Rems-Murr-Kreis hatte im Land die Nase vorn. Als einer der ersten Landkreise in Baden-Württemberg hat er bereits 2017 erfolgreich zwei Förderanträge für Machbarkeitsstudien eingereicht. Im Rahmen dieser standardisierten Untersuchung wurden für den RS5 wie auch den RS8 die für eine Radschnellverbindung geforderten Potenziale nachgewiesen, nämlich mehr als 2500 Radler pro Tag. Und das bedeutet bares Geld für den Kreis. Bund und Land bezuschussen gut frequentierte Radschnellwege mit bis zu 87,5 Prozent – und zahlen auch den Unterhalt.

Was kosten die Radschnellwege?

Radschnellwege binden zwar möglichst vorhandene Straßen und Wege ein – doch bleibt für den Ausbau in den Städten und Gemeinden noch jede Menge zu tun. Die Kosten für den Remstal-Radschnellweg (22 Kilometer) werden auf 32 Millionen Euro geschätzt. Der RS8 Waiblingen-Ludwigsburg (14,6 Kilometer) kostet 31 Millionen.

Wie viele Radler nutzen den RS5?

Die für Radschnellwege geforderten Standards können auf rund 85 Prozent der Gesamtstrecke erreicht werden. Das Nutzerpotenzial auf der Verbindung RS5 wird mit durchschnittlich 2800 Radfahrenden in 24 Stunden berechnet. Im Bereich Waiblingen und Fellbach werden Nutzerzahlen von bis zu 4000 Radfahrern pro 24 Stunden prognostiziert. Weil aber zwischen Weinstadt und Schorndorf weniger unterwegs sind, liegt die Baulast für diesen Abschnitt nicht beim Land, sondern beim Kreis. Für Trasse, Bau, Unterhalt in Fellbach ist die Stadt zuständig. Während aber in Waiblingen, Kernen, Weinstadt, Remshalden, Winterbach, Schorndorf die Pläne auf dem Tisch liegen, muss Fellbach noch tüfteln, wie der Radschnellweg durch die engen Straßen und Gassen in der Stadt geführt wird.

Gibt es eine Bürgerbeteiligung?

Nun sind die Bürgerinnen und Bürger am Zug. Hierfür ist das Online-Tool des Landkreises vorgesehen, das bereits für die Bürgerbeteiligung zum kreisweiten Radwegekonzept entwickelt und erfolgreich eingesetzt wurde. Die Beteiligung soll zeitnah starten und über mehrere Wochen möglich sein. Die eingehenden Meldungen werden ausgewertet und in der weiteren Entwurfsplanung berücksichtigt.

Was tut sich beim RS8?

Die Planungen für den RS8 zwischen Ludwigsburg und Waiblingen haben später begonnen, gleichwohl liegen die Pläne zeitgleich mit dem RS5 auf den Tisch – und mit dem Ausbau der 14,6 Kilometer langen Strecke kann eher begonnen werden. Beteiligt an den Planungen waren eben nur drei Städte: Waiblingen, Remseck, Ludwigsburg. Die für Radschnellwege geforderten Standards können auf rund 80 Prozent der Gesamtstrecke erreicht werden.

Wie verläuft der RS8 in Hegnach?

Die Führung der Trasse durch den Waiblinger Teilort Hegnach erwies sich als sehr komplex, erklären die Verkehrsplaner. Denn entlang der Landesstraße ist nicht genug Platz für einen vier Meter breiten Radweg. Deshalb soll der RS8 am Ortsrand südlich vorbeigeführt werden.

Und Backnang-Winnenden-Waiblingen?

Wenn’s nach dem Landratsamt geht, soll es noch einen dritten Radschnellweg geben, der von Waiblingen über Winnenden nach Backnang führt. Die Ausschreibung und Vergabe der Machbarkeitsstudie ist noch im Jahr 2022 vorgesehen. Ob auch dieser Weg realisiert wird, hängt vom Ergebnis an, insbesondere von der geschätzten Nutzung.

Was meint der Kreistag dazu?

Im Ausschuss gab es überwiegend Zustimmung. Allerdings herrscht offenbar bei den Landwirten, über deren Äcker und Felder ein Großteil der Radwege führt, Skepsis. Schon heute komme es zu Konflikten zwischen Rädern und Traktoren, sagte der Fellbacher Landwirt Peter Treiber (FDP-FW). Sei’s bei Begegnungen, sei’s wegen des Drecks auf den Wegen. Verkehrsdezernent Stefan Hein weiß um diese Konflikte. Er hofft jedoch, dass ein Radschnellweg diese sogar entschärfen könne, da mehr Radler auf der zentralen Strecke unterwegs sind und weniger auf allen übrigen Feldwegen.

Und der „Remstal-Radweg“?

Schon heute gibt es einen Radweg durchs Remstal. Der „Remstal-Radweg“ von Remseck bis Aalen im Ostalbkreis wurde 2019 im Zuge der Remstal-Gartenschau geschaffen und ist vor allem an Wochenenden proppenvoll. Diesen touristischen Radweg soll es weiter geben. Er ist ausdrücklich für Familien mit Kindern und bummelnde Radler gedacht, die Zeit und Muße haben.

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. So auch bei den Planungen für die beiden Radschnellwege Fellbach-Schorndorf (RS5) und Waiblingen-Ludwigsburg (RS8). Viele reden mit; jede und jeder hat eigene Vorstellungen, Wünsche und Einwände. Jetzt, fünf Jahre nach der Machbarkeitsstudie, liegen die Pläne für die Trassenführung endlich auf dem Tisch.

Rems-Murr-Verkehrsdezernent Stefan Hein sprach im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages von einem „wichtigen Meilenstein“. Beim RS8

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