Rems-Murr-Kreis

Endlich wieder: Die Lok dampft in Schorndorf, die Waldbahn fährt bis Welzheim und zurück

Waldbahn
Endlich dampft die Waldbahn wieder: Am Sonntag, 13. Juni, fuhr sie nach sieben Monaten Stillstand zum ersten Mal wieder. Und Dampfbahn-Fans bekamen einen Leckerbissen zu sehen. Denn zum Einsatz kam zum allerersten Mal die Dampflok 23 058 aus dem Jahr 1954. © Gabriel Habermann

Die Waldbahn dampfte am Sonntag das erste Mal in diesem Jahr von Schorndorf in Richtung Welzheim und wieder zurück. Und alle Eisenbahn-Fans, die den herrlichen Tag und die wunderbare, wiedergewonnene Freiheit und Leichtigkeit genossen, bekamen ein Dampfbahn-Fan-Schmuckstück dazu geschenkt: Um 10.15 Uhr fuhr die „23 058“ im Schorndorfer Bahnhof auf Gleis 5 ein. Das 1954 bei Krupp in Essen gebaute Kraftpaket gehört zur letzten in der Bundesrepublik gefertigten Dampflokomotivbaureihe. Das 1700 PS starke, 83 Tonnen schwere und bis zu 110 Kilometer pro Stunde schnelle Exemplar ist das letzte von einst 105 Fahrzeugen und war bis zum 29. Dezember 1975 zwischen Schwäbisch Hall und Backnang im regulären Einsatz bei der Deutschen Bundesbahn. Dann wurde die Lok zunächst an einen Schweizer Museumsverein verkauft, 2017 kam sie zurück nach Heilbronn, um – repariert und gepflegt – an diesem Sonntag ihre Waldbahn-Jungfernfahrt zu absolvieren.

140 Fahrgäste – da hatten die Kontrolleure zu schaffen

140 Fahrgäste wurden an diesem Morgen von den Kontrolleuren abgefertigt, in ihre Sitzplätze eingewiesen und gemäß den für Museumsbahnen geltenden Hygienevorschriften auch mit Namen und Kontaktdaten erfasst. Ein Beweis für die Fragwürdigkeit mancher Behördenentscheidung, merkte dazu einer der Kontrolleure an. Denn während für Touristikzüge, die im Auftrag des Landes Baden-Württemberg unterwegs seien, weder die Fahrgäste registriert, noch Masken- oder Hygienebestimmungen eingehalten werden müssten, werde den Museumsvereinen mit solchen Bestimmungen das Leben schwergemacht.

Das Waiblinger Ehepaar Uwe und Maria Quasthoff ließ sich trotzdem nicht abhalten und hatte Plätze für diese Fahrt gebucht. Schließlich wetten Uwe und sein sechsjähriger Sohn Emilio miteinander, wer der größere Eisenbahn-Fan ist. Geweckt wurde diese Leidenschaft bei Uwe, als er selbst noch ein Kind war. Bei seiner Märklin HO-Modelleisenbahn hätten es ihm damals schon die Dampfloks und der grüne Zug aus den fünfziger Jahren angetan. Den Tag wollte die Familie in Welzheim verbringen und sich das Ostkastell anschauen. Schade und nicht nachvollziehbar sei es, fügte Uwe an, dass der „Wiesel“ nicht endlich im regulären Betrieb bis Welzheim verkehre, sowohl im Hinblick auf den ständig propagierten Umstieg von der Straße auf die Schiene, wie auch im Hinblick auf den Reiz, den Welzheim und der Schwäbische Wald insbesondere auf Familien ausübten.

Auch in der Waldbahn gilt das "Drei-G-Prinzip"

Benedikt Schwarz, der bei der Stadt Welzheim für die Schwäbische Waldbahn, Wirtschaftsförderung und Tourismus Verantwortliche, erhofft sich „tolle Fahrtage“ den ganzen Sommer über. Es solle mit der Waldbahn weiter steil bergauf gehen, die Zahl der Gäste solle weiterhin steigen, die Zusammenarbeit mit allen, die den Kessel am Dampfen und die Strecke befahrbar halten, harmonisch bleiben. Und Corona möge sich weiterhin so entwickeln, dass die Züge den ganzen Sommer über gut ausgelastet fahren können. Natürlich habe man mit der Pandemie zu kämpfen, und die Vorgaben und Beschränkungen stellten auch eine organisatorische Herausforderung dar. So gelte im Zug das bekannte 3-G-Prinzip „geimpft, genesen oder getestet“, und das Zugpersonal sei dazu vergattert, vor der Abfahrt zu kontrollieren, dass es auch strikt eingehalten werde – was bei den vielen Haltestellen zwischen Schorndorf und Welzheim einen gewaltigen Aufwand mit sich bringe. Sollte es daher weitere Lockerungen geben, werde man die gern an die Fahrgäste weitergeben.

Das Waldbahn-Programm: Trotz Corona bunt und vielfältig

Das Waldbahn-Programm enthalte eine bunte Mischung aus bewährten alten und innovativen neuen Programmpunkten. Selbst die eigentlich für den 2. Mai eingeplante Fahrt von Stuttgart aus soll am 25. Juli nachgeholt werden. Und auch alle anderen vorgesehenen Veranstaltungen sollten stattfinden können: die Mord- und Schlemmer-Expresse, Whisky Train und Gin-Express. Große Erwartungen setze man auch auf die neu etablierte „Waldbahnwanderbar“, die einmal im Monat an Dieselfahrtagen angeboten werde. Es handle sich um thematische Wanderungen unter sachkundiger Führung, bei denen es darum gehe, die Region einmal aus einer anderen Perspektive vorzustellen. Und zum Abschluss sei meist auch noch Zeit und Gelegenheit für einen kleinen „Absacker“, verspricht Schwarz. Ausreichend Möglichkeiten also, so Schwarz, „sich online, per E-Mail oder telefonisch eine Fahrkarte zu reservieren, sich nach Schorndorf, Rudersberg oder Welzheim auf den Weg zu machen, dem Alltag zu entfliehen, alle Traurigkeit hinter sich zu lassen und sich in der Schwäbischen Waldbahn ein Lächeln ins Gesicht zaubern zu lassen.“

Auf diesen „Absacker“ freuten sich auch der 69-jährige Gerhard Franke und sein Sohn Christian. Beide bezeichnen sich selbst als „alte Museumsbahner aus der Eisenbahnstadt Crailsheim“, die sich auf ein Wiedersehen mit der 23 058 freuten, ebenso wie Mark Bidlingmaier und Jan Ulshöfer aus Nürtingen. Während Gerhard Franke das erste Mal die Waldbahn bestieg, kennen die drei jungen Männer bereits den Aufstieg durch die wildromantische Landschaft, an der sie sich gar nicht sattsehen können.

Die Waldbahn dampfte am Sonntag das erste Mal in diesem Jahr von Schorndorf in Richtung Welzheim und wieder zurück. Und alle Eisenbahn-Fans, die den herrlichen Tag und die wunderbare, wiedergewonnene Freiheit und Leichtigkeit genossen, bekamen ein Dampfbahn-Fan-Schmuckstück dazu geschenkt: Um 10.15 Uhr fuhr die „23 058“ im Schorndorfer Bahnhof auf Gleis 5 ein. Das 1954 bei Krupp in Essen gebaute Kraftpaket gehört zur letzten in der Bundesrepublik gefertigten Dampflokomotivbaureihe. Das 1700

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