Rems-Murr-Kreis

Entspannte Musikpower aus dem Kreis

Gaz Brodbek
Ein Screenshot: Thomas „Gaz“ Brodbeck als entspannter Gitarrist in seinem Wettbewerbsvideo „Augen aus Silber“ - jetzt im Internet abrufbar © Gaz Brodbek

Viele Musiker leiden unter den Folgen der Corona-Pandemie. Die Verbände der deutschen Musikwirtschaft rechnen in diesem Jahr mit bundesweiten Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe. Das hat die Baden-Württemberg-Stiftung in Kooperation mit der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung auf die Idee gebracht, ein Programm ins Leben zu rufen, bei dem bis zu tausend baden-württembergische Musiker aus den verschiedensten Stilrichtungen gegen Honorar ihre neuesten, bisher kommerziell unveröffentlichten musikalischen Werke per Video präsentieren und einsenden können. Das Projekt Klangspektrum BW ist sozusagen der Sound des Landes, als ein großartiges Musikkunstwerk für Musikprofis mit Genuss- und Spaßeffekt fürs Publikum. Unterstützt wird das Ganze vom SWR. Der hat einen Beitrag zum Projekt produziert, der unter SWR.de/fuer-euch-da gestreamt wird.

Jetzt sind alle Einsendungen auf Sendung gegangen. Mit dabei ist die volle Musikpower aus dem Rems-Murr-Kreis mit 41 Einsendungen von Klassik über Jazz und Weltmusik bis hin zum Pop und Rock. Ein paar Namen? Martin Hofpower, Paul Harriman, Gaz Brodbeck, Zam Helga, Klaus Marquardt, Calo Rapallo. Sie alle sind dabei mit ihren neuesten Werken. Auch Gerhard Graf-Martinez stellt in seinem Video einen neu eingespielten Flamenco vor.

Für „Dr.Mablues & the detail horns“ kam der Wettbewerb genau zur rechten Zeit, hatten die Jungs doch schon während der ersten Lockdownphase ein Video produziert mit dem Titel „Long and loneley“ (wir berichteten). „Das hatten wir natürlich nicht geplant“, lacht Thomas „Gaz“ Brodbeck, Sänger und Leadgitarrist der Band, „aber unser Video hat zufälligerweise genau die Bedingungen des Wettbewerbs erfüllt.“

Nicht alle Beitrags-Videos sind technisch auf hohem Niveau

Und wenn er schon dabei war, da hat Gaz auch gleich noch ein eigenes Solo-Video eingestellt: „Augen aus Silber“. „Ich hatte einfach Lust, mal was auf Deutsch zu machen, und da hab’ ich meiner Liebsten ein schönes Liebeslied geschrieben.“ Solo-Video ist hier wörtlich zu nehmen. Als virtuelle One Man Band ist er als Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger zu sehen. Als Sänger tritt er gleich mehrfach auf und singt auch noch in seinem eigenen Background-Chor.

Für das tolle Lied hat er auch noch ein sehr schönes Video produziert, das auch technisch echt was hermacht.

Was man, so hat er selbst schon gesehen, nicht von den Filmchen aller Mitbewerber sagen kann. Manche haben wohl einfach nur ein Handy draufgehalten und das Wackel-Video dann eingeschickt. „Na ja, das haben die Statuten auch zugelassen“, meint Gaz, „ich hätte mich einfach in den Garten setzen können und einen Blues in A spielen, das wär auch okay gewesen.“ Aber die Idee des Klangspektrum-Wettbewerbs fand er ganz toll. Und die musikalische Vielfalt, die letztlich dabei herauskam, ist auch wirklich sehenswert. So sei eben nicht einfach das Geld verteilt worden, sondern die Künstler mussten oder durften sich und ihr Können zeigen.

Das findet auch Gerhard Graf-Martinez, einst Urgestein der Musikszene in der Schorndorfer Manufaktur und Beatgitarrist mit E-Gitarre, der dann aber schwer begeistert war von den „Gitarrenweltmeistern“ (O-Ton Graf), die da so auf der Bühne saßen. „Das hörte sich an, als ob ein ganzes Gitarrenorchester spielt, dabei saß da nur einer.“

Er begeisterte sich für Flamenco, reiste sogar mit dem klapprigen VW-Bus nach Andalusien, um tief in die arabisch, indisch und von andalusischer Folklore geprägte Flamenco-Kultur einzutauchen. Seine damals geschriebene Flamenco-Gitarrenschule ist bis heute ein Standardwerk und wird noch immer verkauft. „Von der Bühne und den Konzerten allein hätte ich wohl nie mein Künstlerdasein leben können.“ Aber nun hat auch ihn der Corona-Lockdown eingebremst.

Klangspektrum-Wettbewerb kam genau richtig

Da kam der Klangspektrum-Wettbewerb genau richtig. Gerhard Graf-Martinez: „Ich hatte grade ein traditionelles Flamenco-Stück neu arrangiert und ein Video gedreht.“ Im August war der Wettbewerb ausgelobt worden, im September hatte er schon die Rückmeldung, dass sein Video dabei ist, dafür gab’s 1500 Euro. „Einfach nur noch das Konto angeben und schon war das Geld da.“ Er findet das viel besser als die jetzt angekündigte Novemberbeihilfe, für die ein Steuerberater den Antrag stellen muss. „Ich hab gar keinen. Und dass der mir alles ausrechnet, das kostet mich vorab gleich mal 800 Euro.“

Klangspektrum BW richtete sich an soloselbstständige Musikschaffende, die ihren steuerlichen Hauptwohnsitz in Baden-Württemberg haben und zusätzlich mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen: Hochschulabschluss einer Musikhochschule oder eines Musikkonservatoriums, Immatrikulation an einer Musikhochschule oder einem Musikkonservatorium, Umsatzsteuerbefreiung für Künstler oder Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse, dem Tonkünstlerverband, der GEMA, der Union deutscher Jazzmusiker (UdJ) oder einem anderen vergleichbaren Musikverband. Die ersten tausend Musikerinnen und Musiker, die die Teilnahmebedingungen erfüllten, erhielten für ihren Beitrag ein einmaliges Honorar in Höhe von 1500 Euro. Jeder Beitrag musste einer der fünf Kategorien Klassik, Jazz, Populäre Musikstile, Cultural Diversity sowie Blas- und Volksmusik zugeordnet werden können. Für jede Kategorie vergab die Jury zusätzlich einen Hauptpreis in Höhe von 3000 Euro.

Gewonnen hat im Klassikbereich Matthias Bergmann, der die Suite 4 BWV 1010  (Präludium) von Johann Sebastian Bach wirklich beeindruckend spielt.

Im Bereich Populäre Musik wurden zwei Sieger gekürt: die Sängerin Ultamaryn deren Song Tiefsee von der Jury Ohrwurmqualitäten bescheinigt wurden, und Johannes Jäck, der nur mit seiner Stimme und technisch perfektem Beatboxing einen echten Popsong entstehen lässt.

Im Bereich Cultural Diversity, Weltmusik & Experimentelles verarbeitet Urs Johnen mit dem Titel „Rey sin Corona – Ich bin König ohne Krone/ König ohne Corona“ die Themen „Lockdown“ und „Social Distancing“. Die Band aus kubanischen und deutschen Musikern spielt kubanischen Son vom Feinsten aus dem „Home-Office“.

Bei der Blas- und Volksmusik gewinnt Bertholt Schick mit einer perfekten und hochmusikalischen Videoproduktion „Maxi Polka“ einen Siegpreis.

Den Bereich Jazz gewann Julia Nagele aka Jules aus Mannheim mit ihrem Song „It’s raining“. Und auch der Schlagzeuger Torsten Krill bekam für seine Produktion „When Memories are fading“ einen Siegpreis zugesprochen. Gaz Brodbeck kennt den Stuttgarter, hat sogar schon vor Jahren einmal mit ihm zusammen ein Jazzprojekt gemacht. Auch wenn es für Dr. Mablues, Gaz selbst oder einen der anderen Musiker aus dem Rems-Murr-Kreis nicht zum Sieg gereicht hat, fällt Gaz’ Fazit positiv aus: „Ich gönn dem Torsten das, er ist ein netter Kerl und ein guter Musiker.“

Nach dem Ende des Wettbewerbs gibt es jetzt für alle noch oben drauf die kostenlose Werbung. Der SWR hatte das Klangspektrum BW medial begleitet. Alle eingereichten Aufnahmen sind nun online. Ein echter Tipp, denn ein langer, genüsslicher und abwechslungsreicher, unterhaltsamer Abend vor der (internettauglichen) Glotze oder halt dem PC ist garantiert.

Viele Musiker leiden unter den Folgen der Corona-Pandemie. Die Verbände der deutschen Musikwirtschaft rechnen in diesem Jahr mit bundesweiten Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe. Das hat die Baden-Württemberg-Stiftung in Kooperation mit der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung auf die Idee gebracht, ein Programm ins Leben zu rufen, bei dem bis zu tausend baden-württembergische Musiker aus den verschiedensten Stilrichtungen gegen Honorar ihre neuesten, bisher kommerziell unveröffentlichten musikalischen

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