Rems-Murr-Kreis

Erneut Vorfall mit Messer im Rems-Murr-Kreis: Kinder in der S-Bahn bedroht

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Drückt man den Knopf an einer der Sprechstellen in der S-Bahn, meldet sich die Person, die den Zug steuert. Der Triebfahrzeugführer oder die -führerin kann sofort die Rettungskette auslösen und die Polizei rufen. © Gabriel Habermann

Mit dem Messer bedroht hat ein Mann am Montagnachmittag (16.1.) zwei Jungs im Alter von zehn und elf in der S-Bahn-Linie 2 zwischen Schorndorf-Weiler und Remshalden-Geradstetten. Der Vorfall ereignete sich mitten in der bundesweiten Diskussion um Messerangriffe im öffentlichen Raum, nach der tödlichen Attacke von Illerkirchberg Anfang Dezember 2022. Wie ist der Vorfall in der S 2 einzuordnen angesichts der 2020 begonnenen Erfassung von „Messerangriffen“ als eigenes Kriminalitätsphänomen in polizeilichen Statistiken?

Was laut Polizei passiert ist

Die beiden Jungen stiegen nach Erkenntnissen der Bundespolizei-Inspektion Stuttgart am Montag gegen 16.50 Uhr miteinander scherzend in Schorndorf-Weiler in die S-Bahn ein. „Sie sagten etwas zueinander und lachten. Der Mann bezog dies auf sich und dachte offenbar, er werde ausgelacht, zog ein Messer und bedrohte die beiden“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei dieser Zeitung. „Zumindest ist das unser aktueller Kenntnisstand. Die beiden Jungen müssen noch förmlich vernommen werden im Beisein der Erziehungsberechtigten. Weil sie stark unter Schock stehen, wird die Vernehmung wohl erst in ein paar Tagen folgen.“ Erst im Zuge der Vernehmung könne ein klareres Bild der Ereignisse gezeichnet werden und zum Beispiel auch Fragen nach dem Messer und dem Anlass der Drohungen des Mannes beantwortet werden. Klar sei, selbst wenn er sich aufgrund von „Mobbing“ verletzt gefühlt hätte, wäre sein Verhalten freilich völlig überzogen. „Das zeugte von hoher Aggressivität und Gewaltbereitschaft“, so der Bundespolizei-Sprecher.

Täterbeschreibung: Polizei hofft auf Zeugenhinweise

Die beiden Jungs kamen indes mit dem Schock davon. Der Mann hat ihnen nur das Messer gezeigt und gedroht. Am Haltepunkt Remshalden-Geradstetten flüchteten die Jungs aus der S-Bahn in einen nahe gelegenen Supermarkt und verständigten die Polizei. Der Täter verblieb in der S-Bahn. Er wurde wie folgt beschrieben:

  • 175 bis 180 Zentimeter groß, schwarzhaarig, dunkle Hautfarbe;
  • circa 30 Jahre alt, sprach fließend Deutsch;
  • trug zum Tatzeitpunkt eine weiße Felljacke, eine enge weiße Jeans und weiße Schuhe der Marke Nike.

Die Auswertung der Kameraaufnahmen in der S-Bahn und weitere Zeugenbefragungen sollen weitere Erkenntnisse liefern.

Der Messerangriff von Fellbach

Einen tatsächlichen Messerangriff, der schwere Verletzungen beim Opfer zur Folge hatte, hatte es jüngst erst am Samstagabend (7. 1.) in Fellbach gegeben. Laut Polizei war die handfeste Auseinandersetzung eines 16-jährigen Deutschen und eines 19-jährigen Kosovaren gegen 22 Uhr im Bereich Berliner Platz kein Zufall. Die beiden Kontrahenten kennen sich. Womöglich stritten sie sich wegen einer Frau. Woraufhin der Kosovare den Deutschen mit dem Messer attackierte.

Waffenverbotszone in Stuttgart

In der Landeshauptstadt Stuttgart wird das Thema Messerattacken gerade intensiv diskutiert. Die Stadtverwaltung hat eine Verordnung für eine Waffenverbotszone in der Innenstadt erlassen, die vom 1. Februar 2023 an greifen soll. Hintergrund: Allein von März 2021 bis März 2022 war es zu 1048 Messerangriffen in der Innenstadt gekommen. Für das Gesamtjahr 2022 prognostizierte Polizeipräsident Markus Eisenbraun laut Stuttgarter Nachrichten erneut eine prozentual deutliche Zunahme der „Messerfälle“ in zweistelliger Höhe.

Die Kommunen und Gemeinden im Rems-Murr-Kreis sind keine Großstädte wie Stuttgart. Trotzdem stellt sich auch bei uns die Frage: Nehmen Messerattacken und Migrantengewalt immer mehr zu? Diese Frage wurde jüngst virulent, nachdem ein Asylbewerber aus Eritrea am 5. Dezember zwei deutschtürkische Schülerinnen in Illerkirchberg mit dem Messer angegriffen und eine getötet hatte.

Was die Statistiken sagen

Die Polizeien auf Länderebene und das BKA sind zwar seit 2020 angehalten, „Messerangriffe“ gesondert statistisch zu erfassen. Will heißen, bei jeder Sachbearbeitung kann und sollte auf dem Fall-Meldebogen ein Kreuzchen in der Rubrik „Messerangriff“ gemacht werden, wenn es sich denn um einen solchen handelte. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass diese Kreuzchen mitunter nicht oder falsch gesetzt werden. Alle Zahlen dazu sind demnach mit Vorsicht zu genießen. Unter „Messerangriff“ werden zudem nur Attacken im öffentlichen Raum gerechnet, nicht zum Beispiel aber Messergebrauch bei Streitereien im häuslichen Bereich oder in Asylbewerberheimen.

Die dergestalt erfassten Fallzahlen des Polizeipräsidiums Aalen für die Landkreise Ostalb, Schwäbisch Hall und Rems-Murr:

  • 41 Messerangriffe im Jahr 2020 und
  • 52 Messerangriffe im Jahr 2021.
  • „Für 2022 rechnen wir mit einer weiteren Zunahme“, sagt ein Polizeisprecher. Der Jahresbericht des PP Aalen für 2022 soll Ende März veröffentlicht werden.

Wie hoch ist der Migrantenanteil?

Laut landesweitem Sicherheitsbericht waren im Jahr 2021 von 1562 Tatverdächtigen im Bereich Gewaltkriminalität mit Messergebrauch 331 Asylbewerber beziehungsweise Flüchtlinge. Der Rest waren deutsche Staatsbürger (698 Verdächtige) und andere Nichtdeutsche (533). Der „Migranten“-Anteil bei Messergewalt-Tätern lag 2021 demnach bei insgesamt mindestens 55 Prozent (864 Verdächtige).

Bedrohung in der S-Bahn: Was tun?

„Laut sein! Damit schafft man Öffentlichkeit, macht andere auf die Situation aufmerksam.“ Allerdings sollte man, so eine Sprecherin der Bundespolizei, den Täter nicht beleidigen, ihm nicht drohen oder gar eine körperliche Konfrontation provozieren. Besser sei es, andere ganz konkret anzusprechen, etwa mit Worten wie diesen: „Ich werde bedroht. Sie, mit der schwarzen Jacke. Helfen Sie mir. Rufen Sie die Polizei!“

Mit dem Messer bedroht hat ein Mann am Montagnachmittag (16.1.) zwei Jungs im Alter von zehn und elf in der S-Bahn-Linie 2 zwischen Schorndorf-Weiler und Remshalden-Geradstetten. Der Vorfall ereignete sich mitten in der bundesweiten Diskussion um Messerangriffe im öffentlichen Raum, nach der tödlichen Attacke von Illerkirchberg Anfang Dezember 2022. Wie ist der Vorfall in der S 2 einzuordnen angesichts der 2020 begonnenen Erfassung von „Messerangriffen“ als eigenes Kriminalitätsphänomen in

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