Rems-Murr-Kreis

Erste Impfung mit Astrazeneca verlief ohne Komplikationen -  und dann? - Risiko der Zweitimpfung unklar

Impfstoff impfen spritze coronavirus Symbol symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Sofern eine Person die erste Impfung mit Astrazeneca gut vertragen hat – darf sie dann auf eine komplikationsfreie zweite Impfung hoffen?

Schön wär’s, gäb’s darauf schon eine eindeutige Antwort. Doch es ist noch zu früh. Mediziner und Wissenschaftler brauchen mehr Daten, um eine vernünftige Aussage treffen zu können. Entsprechend beantwortet Monique Michaelis, Sprecherin der Rems-Murr-Kliniken, eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung: „Es kann zum jetzigen Zeitpunkt keine über Mutmaßungen hinausgehende fachliche Aussage getroffen werden.“

Der Impfstoff Astrazeneca ist, wie soll man’s ausdrücken, nicht grade in Verruf geraten – aber eben doch mit einem nicht zu unterschätzenden Angstfaktor behaftet. In sehr seltenen Fällen kann nach einer Impfung mit diesem Stoff eine Hirnvenenthrombose auftreten. Diese Erkrankung ist gut behandelbar, und das Risiko, schwer an Corona inklusive Langzeitfolgen zu erkranken, liegt ungleich viel höher. Dennoch: Wer eine erste Impfung mit Astrazeneca schon vor den Meldungen zu Nebenwirkungen erhalten hatte, wird sich jetzt fragen: Soll ich trotzdem die zweite Impfung mit Astrazeneca in Anspruch nehmen – oder nicht? Laut der Ständigen Impfkommission (Stiko) liegen bislang keine Daten zum Risiko der Zweitimpfung vor.

Ganz unabhängig davon kann sich nun jeder, der möchte, mit Astrazeneca impfen lassen – egal, ob er oder sie vorerkrankt oder aus anderen Gründen impfberechtigt ist. Diese Kategorien gelten für die Impfung mit Astrazeneca jetzt nicht mehr: Bund und Länder haben am Donnerstag (6.5.) beschlossen, dass es bei Impfungen mit diesem Vakzin keine Bevorzugung von Risikogruppen mehr gibt.

Nach zwölf Wochen verringert sich die Schutzwirkung

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission bleibt indes bestehen: Astrazeneca ist für Personen ab 60 Jahren aufwärts geeignet. Jüngere können aus Sicht der Stiko den Impfstoff auch nutzen – „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung“. Unverändert heißt es weiter bei der Stiko: Personen, die jünger sind als 60 Jahre und die erste Impfdosis Astrazeneca erhalten haben, sollen beim zweiten Termin einen anderen, nämlich einen mRNA-Impfstoff erhalten. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer gehört in diese Kategorie. Die Stiko empfiehlt einen Abstand von zwölf Wochen zur Erstimpfung mit Astrazeneca. Der Grund: Nach zwölf Wochen verringert sich die durch eine erste Astrazeneca-Impfung ausgelöste Schutzwirkung.

Im Zuge der Debatten um potenzielle Nebenwirkungen, Ängste und Impfstoffmangel sind die Unterschiede der verschiedenen Vakzine etwas in den Hintergrund gerückt. Kurz zur Erinnerung: Zur Gruppe der mRNA-Impfstoffe zählen Biontech/Pfizer und Moderna. Ihre Funktionsweise erläutert in sehr empfehlenswerten Erklärvideos auf Youtube der Molekularbiologe Martin Moder: Das Coronavirus ist an seiner Oberfläche mit einer Art Stacheln (Spike-Proteine) ausgestattet, mit deren Hilfe es an menschliche Zellen andockt. Bei einer Infektion gelangt die Erbinformation des Virus in die Zelle und wird dort abgelesen. Die Impfung bewirkt, dass das Immunsystem Informationen erkennt – und deshalb reagieren kann. Damit das Virus einem Menschen nichts Schlimmes anhaben kann, die Impfung also ihr Ziel erreicht, muss das Immunsystem des Menschen nicht das ganze Virus erkennen. Es reicht, wenn es die Spike-Proteine, also diese Art Stacheln an der Oberfläche, identifizieren kann. Im Zuge der Impfung lernt das Immunsystem, diese Bestandteile abzuwehren.

Immunzellen scharf machen

Bei einer mRNA-Impfung wird dem Menschen, sehr vereinfacht ausgedrückt, jener Abschnitt aus der Virus-Information verabreicht, der das Spike-Protein betrifft. Der Stoff gelangt in menschliche Zellen, woraufhin Antikörper gebildet werden. Immunzellen werden sozusagen gegen das Spike-Protein - und damit auch gegen das Virus - scharfgemacht.

Die Sorge, dass ein genbasierter Impfstoff menschliche Erbinformation verändern könnte, ist völlig unbegründet: Die Erbinformation des Virus besteht aus RNA, die Erbinformation des Menschen aus DNA. RNA lässt sich nicht einfach in DNA einbauen. In 60 Jahren RNA-Forschung „hat man so was noch nie beobachten können“, erklärt Martin Moder – und zieht einen Vergleich: Viren, die Schnupfen verursachen, sind auch RNA-Viren. Man wird nicht zum Gen-Mutanten durch Schnupfen.

Vektor-Impfstoffe wie Astrazeneca oder der Impfstoff von Johnson & Johnson funktionieren etwas anders. Der Unterschied besteht darin, auf welche Weise man menschliche Zellen mit der Spike-Protein-Info konfrontiert. Vektor bedeutet so viel wie „Träger“. Bei dieser Art der Impfung werden Vektor-Viren verwendet, das sind veränderte Viren, die sich nicht vermehren können, die aber sozusagen die Bauanleitung für das Spike-Protein hinterlassen. Auf diese Information reagiert dann wiederum das Immunsystem des menschlichen Körpers.

Sofern eine Person die erste Impfung mit Astrazeneca gut vertragen hat – darf sie dann auf eine komplikationsfreie zweite Impfung hoffen?

Schön wär’s, gäb’s darauf schon eine eindeutige Antwort. Doch es ist noch zu früh. Mediziner und Wissenschaftler brauchen mehr Daten, um eine vernünftige Aussage treffen zu können. Entsprechend beantwortet Monique Michaelis, Sprecherin der Rems-Murr-Kliniken, eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung: „Es kann zum jetzigen Zeitpunkt keine über

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