Rems-Murr-Kreis

Fachärzte im Rems-Murr-Kreis dürfen gegen Corona impfen: Wie das abläuft, welche Schwierigkeiten es gibt

Symbolbild
Symbolfoto. © Alexandra Palmizi

Nicht mehr nur die Hausärzte, sondern auch die Fachärzte können seit Ende April 2021 in Baden-Württemberg ihre impfberechtigten Patienten gegen Corona spritzen. Machen viele Fachärzte mit und bestellen Impfstoffe über die Apotheken? Wie viel Biontech- und Astrazeneca -Impfstoff wird geordert und verimpft? Erstimpfung im Impfzentrum, Zweitimpfung beim Arzt: Geht das? Antworten auf diese und weitere brennende Fragen zu den "Corona-Impfpraxen" im Rems-Murr-Kreis.

Gibt es Listen der Impfpraxen?

„Solche Listen gibt es leider nicht“, sagt Kai Sonntag. „Das ist ja freiwillig, alle niedergelassenen Ärzte mit Kassensitz können an der Impfkampagne teilnehmen, müssen aber nicht.“ Solche Listen würden wohl auch gar nichts bringen, weil die Praxen ja „ihre“ impfberechtigten Patienten kennen und impfen und nicht jemanden, der zum ersten Mal in die Praxis kommt und gleich einen Impftermin haben will, sagt Sonntag.

Die Hausarztpraxen nähmen engagiert an der Impfkampagne teil und schöpften ihre Möglichkeiten, seit 6. April mitzuwirken, sehr gut aus. „Ob alle Fachärzte Corona-Impfungen in ihrem womöglich noch engeren Termin- und Sprechstundenplan unterbringen können, muss man abwarten“, so Sonntag.

Wie viele Impfpraxen sind es?

Insgesamt 185 Corona-Impfpraxen gibt es im Rems-Murr-Kreis laut Daten der KVBW mit Stand 3. Mai. Bevor die Fachärzte mit einsteigen durften, waren es mit Stand 25. April in unserem Landkreis 163 Corona-Impfpraxen. Deshalb ist davon auszugehen, dass rund 20 Facharztpraxen nunmehr hinzugekommen sind. Mit Stand vom 3. Mai haben Arztpraxen im Rems-Murr-Kreis bereits 25.857 Corona-Impfungen vorgenommen. Davon 24.844 Erstimpfungen und 1013 Zweitimpfungen.

Reine Privatärzte dürfen weiterhin nicht gegen Corona impfen, auch ihre Risikopatienten nicht, weil sie weder ans Abrechnungssystem noch an die Impfdokumentation angebunden sind. 

Was sagen die Apotheken zu alldem?

„Bei uns bestellen fünf, sechs Hausärzte und nun haben etwa genauso viele Fachärzte Interesse an Corona-Impfstoffen für ihre Patienten“, sagt Apothekerin Claudia Rosnauer von der Central-Apotheke in Waiblingen. „Die haben, glaube ich, nur darauf gewartet, dass sie auch dürfen. Unser Eindruck ist jedenfalls, das Angebot wird gut angenommen.“

Bislang „fast null“ hingegen ist in der Rathaus-Apotheke in Weinstadt die Resonanz der Fachärzte auf die Bestellmöglichkeit von Corona-Impfstoffen, sagt Inhaber Jürgen Frasch, der einer der Vorsitzenden der Region Rems-Murr im Beirat des Landes-Apotheker-Verbandes ist. Frasch sieht die Ausweitung der Impfkampagne auf die Fachärzte als kritisch an, da nun immer mehr Ärzte um die geringen Impfstoffmengen konkurrierten. „Bis sich der meiner Meinung nach unnötig komplizierte Bestellprozess einspielt, dauert das, und in den eingespielten Hausarztpraxen landet zu wenig Impfstoff.“

Dass es am Bestellprozess liegt, bezweifelt hingegen die Waiblinger Apothekerin Barbara Nogrady. „Das Bestellen an sich hat nichts Bürokratisches und auch nicht mit übermäßig viel Organisation zu tun. Der Arzt muss lediglich per Sammelrezept immer bis dienstags 12 Uhr für die kommende Woche Impfstoff bei der Apotheke bestellen.“ Womöglich komplizierter könnten die Zeitplanung, die Abrechnung oder die spätere Impfdokumentation geraten.

In ihrer „Bahnhof-Apotheke Dr. Riethmüller“ hielten sich aber bislang auch seitens der Hausärzte die Corona-Impfstoffbestellungen in Grenzen, sagt Barbara Nogrady. „Es gibt Ärzte, die normalerweise ihre Impfstoffe, etwa gegen Masern oder Grippe, bei uns bestellen, die jetzt aber keinen Corona-Impfstoff geordert haben.“ Alles in allem seien es nur ein paar Hausärzte und jetzt ein Facharzt, die Corona-Impfstoff ordern.

„Ein anderer Facharzt hat nachgefragt, hätte aber wohl nur noch samstags Zeit für Corona-Impfungen gehabt, und das hätte nicht funktioniert. So lässt er es vorerst“, sagt Barbara Nogrady. Denn: Die Apotheken geben dienstags nach 12 Uhr die Bestellungen der Praxen an den Pharma-Großhandel weiter, der am selben Tag bis wiederum 15 Uhr die Bestellungen absetzt. Bis Donnerstag sollte die Rückmeldung des Handels über die Apotheken an die Praxen gehen, ob die bestellten Mengen lieferbar sind, damit die Terminplanung fixiert werden kann. Geliefert wird Woche für Woche immer montags.

„So zwischen 11 bis 12.30 Uhr jeden Montag gehen die Corona-Impfstoffe in der Apotheke ein und werden dann an die Praxen ausgeliefert oder ausgehändigt. Wobei die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf“, sagt Barbara Nogrady. Biontech-Impfstoff wird aufgetaut ausgeliefert, sei dann aber nur noch fünf Tage bei normaler Kühlschrank-Kühlung haltbar. „Samstags impfen ginge also gar nicht. Der eine Facharzt bekommt die Corona-Impfungen also womöglich terminlich nicht unter in seinem eng getakteten Praxisalltag“, so Nogrady.

Was wird in den Arztpraxen verimpft: Astrazeneca oder Biontech?

„Welche Impfstoffe für die Arztpraxen über den Großhandel und die Apotheken geliefert werden, unterscheidet sich von Woche zu Woche“, sagt KVBW-Sprecher Kai Sonntag. „In den ersten zwei Wochen war es nur Biontech. Die vorvergangene Woche war es Astrazeneca und Biontech. Die vergangene Woche war es ausschließlich Biontech und diese sowie kommende Woche ist es wieder Astrazeneca und Biontech.“

Die Impfstoffmenge, die der Bund den Arztpraxen via den Pharma-Großhandel und schließlich die Apotheken zur Verfügung stellt, bleibt begrenzt. In der zweiten Maiwoche sollen es knapp drei Millionen Impfstoffdosen von Biontech und von Astrazeneca sein – und damit genauso viel wie für die laufende erste Maiwoche.

Keine maximale Bestellmenge für Astrazeneca mehr

Die maximale Bestellmenge für die Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca hat sich laut Kai Sonntag aktuell geändert: Pro Arzt – in einer Gemeinschaftspraxis darf jeder dort praktizierende Ärzte jeweils für seine Patienten bestellen – sind wöchentlich weiterhin zwar nur bis zu 36 Dosen Biontech bestellbar, aber theoretisch eine unbegrenzte Menge an Dosen von Astrazeneca. „Das bedeutet aber nicht, dass Ärzte, die Impfdosen über die Apotheken bestellen, diese dann auch wirklich vollständig geliefert bekommen“, sagt Kai Sonntag. „Es steht auch bei Astrazeneca keinesfalls unbegrenzt viel zur Verfügung. Die Verteilungsmengen berechnen sich quasi anhand eines Algorithmus, der die Bestellmengen aller Arztpraxen einbezieht. Maximalbestellungen insgesamt können weiterhin nicht komplett abgedeckt werden.“

Die Ärzte, ganz gleich ob Haus- oder Facharzt, legten ihre Konzentration auf den Biontech-Impfstoff, sagt die Waiblinger Apothekerin Claudia Rosnauer. Astrazeneca habe weiterhin ein Image-Problem, und die Stiko-Empfehlung sehe ja vor, dass Astrazeneca am besten nur an über 60-Jährige verimpft werden sollte. „Deshalb kamen für Astrazeneca jetzt auch mit der Mengen-Freigabe nicht bedeutend mehr Bestellungen der Ärzte dafür bei uns an.“

Im gesamten Baden-Württemberg wurden laut Corona-Impfindex des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland in der Kalenderwoche 17 (26. April bis 2. Mai) 280.712 Corona-Impfungen in Arztpraxen durchgeführt. Davon 275.807 mit Biontech und 4824 mit Astrazeneca (sowie 81 mit Moderna). Die KVBW appelliert: „Um möglichst viele Patienten impfen zu können, wird dringend empfohlen, beide Impfstoffe zu ordern.“

Erstimpfung im Impfzentrum, Zweitimpfung beim Arzt: Geht das?

Die Corona-Impfverordnung sieht zwischen Erst- und Zweitimpfung Abstände vor: für den Impfstoff von Biontech sechs Wochen und für den von Astrazeneca zwölf Wochen. „Wenn Patienten ihre erste Impfung in einem Impfzentrum erhalten haben, soll die Zweitimpfung auch dort durchgeführt werden, da die entsprechenden Impfdosen dort dafür eingeplant wurden“, so die KVBW. „Nur in begründeten Ausnahmefällen kann davon abgewichen werden.“ Eine Ausnahme könne beispielsweise sein, dass eine Ärztin/ein Arzt die Impfung bei einem Patienten durchführen, der seine Zweitimpfung im Impfzentrum wegen eines Krankenhausaufenthalts nicht wahrnehmen konnte.

Die maximale Bestellmenge je Arzt, die jede Woche bekanntgeben wird, umfasst Impfstoffdosen für Erst- und für Zweitimpfungen, so die KVBW in einer Mitteilung. „Das heißt, Ärzte können nach Abzug der für ihre Zweitimpfungen benötigten Impfstoffdosen noch so viele Impfstoffdosen für Erstimpfungen bestellen, bis die Obergrenze erreicht ist.“ Seit Ende April muss die Bestellung von Impfstoff für Erst- und Zweitimpfungen in Arztpraxen auf zwei separaten Rezepten erfolgen.

Nicht mehr nur die Hausärzte, sondern auch die Fachärzte können seit Ende April 2021 in Baden-Württemberg ihre impfberechtigten Patienten gegen Corona spritzen. Machen viele Fachärzte mit und bestellen Impfstoffe über die Apotheken? Wie viel Biontech- und Astrazeneca -Impfstoff wird geordert und verimpft? Erstimpfung im Impfzentrum, Zweitimpfung beim Arzt: Geht das? Antworten auf diese und weitere brennende Fragen zu den "Corona-Impfpraxen" im Rems-Murr-Kreis.

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