Rems-Murr-Kreis

Fahrschüler gerät ins Visier der Polizei: Trotz mutmaßlichen Drogenkonsums steuert ein 19-Jähriger ein Fahrschulauto

Tätlicher angriff
Symbolbild. © Gabriel Habermann

Die Polizei hat einen Fahrschüler erwischt, der mutmaßlich Drogen konsumiert hatte und trotzdem am Steuer eines Fahrschulautos saß. Der 19-Jährige fiel den Beamten wegen eines Unfalls auf, den allerdings ein anderer Verkehrsteilnehmer verursacht hatte. Am Mittwochabend war ein 24-jähriger Nissan-Fahrer in Winnenden mit seinem Wagen auf das betreffende Fahrschulauto aufgefahren. Der Fahrschüler hatte in der Max-Eyth-Straße an der Einmündung in die Waiblinger Straße ordnungsgemäß an einer Stoppstelle angehalten, was der 24-Jährige zu spät bemerkte.

Polizisten rückten an, um den Unfall aufzunehmen – und schöpften Verdacht: Der 19-Jährige wirkte auf die Beamten, als sei er von Drogen beeinflusst. Dass der junge Mann am Unfall keine Schuld hatte, spielt keine Rolle: Ans Steuer darf niemand, der zuvor Drogen konsumiert oder zu viel Alkohol genossen hat. Der 19-jährige Fahrschüler wird in naher Zukunft Post von der Fahrerlaubnisbehörde erhalten: Wie es dann für ihn weitergeht, ob und wann er die Fahrausbildung fortsetzen kann, hängt von einer Reihe von Faktoren ab.

Es kann schwierig zu erkennen sein, ob jemand Drogen konsumiert hat

Fahrschulinhaber Ralf Nicolai ist Zweiter Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg und hat einen ähnlichen Fall selbst erlebt, allerdings nur ein einziges Mal: Während einer Fahrt fiel ihm auf, dass ein Fahrschüler unter Drogeneinfluss stehen könnte. Nicolai brach die Fahrt umgehend ab und forderte den jungen Mann auf, einen Nachweis beizubringen, der zeige, er sei clean. So weit kam es seinerzeit gar nicht; jener Fahrschüler brach von sich aus die Fahrausbildung ab, berichtet Ralf Nicolai. „Gelegentlich“ komme es vor, dass Fahrschüler in fahruntüchtigem Zustand zur Fahrstunde erscheinen. Selbstverständlich wird ein Fahrlehrer den Schüler dann nach Hause schicken – vorausgesetzt, der Fahrlehrer erkennt, was los ist. Hat jemand getrunken, fällt das eher auf. Drogenbeeinflussung ist nicht ganz so leicht zu identifizieren, zumal dann, wenn der Drogenkonsum schon eine Weile zurückliegt, die Substanz aber noch immer ihre Wirkung zeigt.

Polizisten fällt so etwas eher auf, denn sie sind in diesen Dingen geschult. Sowohl diverse körperliche als auch verhaltenstypische Anzeichen können auf Drogenkonsum hindeuten, berichtet Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier. Liegen mehrere Indizien vor und verdichtet sich aufgrund dessen ein Verdacht, kann die Polizei die betreffende Person vor Ort einem Drogenvortest unterziehen, sofern die Person zustimmt. Beim 19-jährigen Fahrschüler lagen laut Polizei „konkrete Verdachtsmomente einer Drogenbeeinflussung“ vor, weshalb eine Blutuntersuchung veranlasst und die Fahrerlaubnisbehörde informiert wurde.

Augen zu und mit dem Zeigefinger die Nase treffen

Rote Augen, geweitete oder verengte Pupillen können von Drogenkonsum herrühren. Ferner wird die Polizei bei Verdacht betreffende Personen in ein Gespräch verwickeln, darauf achten, wie die Person reagiert, ob sie zittrig und fahrig wirkt. Bewegungs- und Konzentrationstests können folgen. Man darf sie verweigern – was dann allerdings weitere Konsequenzen nach sich ziehen dürfte. Typische Tests sind, auf einem Bein stehen zu müssen, mit geschlossenen Augen den Zeigefinger zur Nasenspitze zu führen oder rückwärts zu zählen. Wer Drogen eingenommen hat, wird all das nicht ohne weiteres schaffen – doch können auch vollkommen nüchterne Personen allein wegen der Aufregung oder wegen Müdigkeit an diesen Dingen scheitern, weshalb es immer wieder zu Streitfällen kommt.

Die Fahrerlaubnisbehörde wird laut Leonie Ries, Sprecherin des Landratsamts, zunächst das Ergebnis einer Blutabnahme abwarten. Davon hängt das weitere Vorgehen ab, denn es macht einen erheblichen Unterschied, ob jemand weiche oder harte Drogen konsumiert hat, ob er oder sie mutmaßlich Dauerkonsument/-in ist oder ob es sich um eine einmalige Verfehlung handelt.

Einschlägige Gerichtsurteile

Die Bundesanstalt für Straßenwesen erklärt im Detail, in welchen Fällen eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) droht: „Alkohol- oder Drogenabhängigkeit oder der Konsum von Betäubungsmitteln und/oder die missbräuchliche Einnahme von psychoaktiv wirkenden Arzneimitteln oder Stoffen“ gilt in jedem Fall als Verfehlung, die eine MPU nach sich ziehen kann – auch dann, wenn jemand noch gar keinen Führerschein besitzt, aber gern die Fahrprüfung absolvieren möchte. Gerät ein Fahrschüler wegen mutmaßlichen Drogenkonsums ins Visier, kann die Behörde eine eventuell schon beantragte Fahrprüfung auch platzen lassen.

Der Fahrlehrerverband veröffentlicht unterdessen regelmäßig Urteile zum Thema – unter anderem dieses: „Wer gelegentlich Cannabis (Hanf) konsumiert, kann zu Recht als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen angesehen werden und seine Fahrerlaubnis verlieren. Nach der Fahrerlaubnis-Verordnung ist derjenige ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen, der auch gelegentlich Cannabis (Marihuana, Haschisch) konsumiert und nicht zwischen Konsum und Autofahren trennen kann. Letzteres ist bereits bei einer einmaligen Autofahrt unter Cannabis-Einfluss zu bejahen, ohne dass es zu drogenbedingten Ausfallerscheinungen am Steuer kommen muss.“

Die Polizei hat einen Fahrschüler erwischt, der mutmaßlich Drogen konsumiert hatte und trotzdem am Steuer eines Fahrschulautos saß. Der 19-Jährige fiel den Beamten wegen eines Unfalls auf, den allerdings ein anderer Verkehrsteilnehmer verursacht hatte. Am Mittwochabend war ein 24-jähriger Nissan-Fahrer in Winnenden mit seinem Wagen auf das betreffende Fahrschulauto aufgefahren. Der Fahrschüler hatte in der Max-Eyth-Straße an der Einmündung in die Waiblinger Straße ordnungsgemäß an einer

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