Rems-Murr-Kreis

Fantastisch für die Kleinsten: Frauenmilchbank in Kinderklinik Winnenden boomt

Muttermilchbank
Der Vorrat für die Kleinsten: Dr. Janaina Rauch an einem der Gefrierschränke, in denen die Milch von jungen Müttern portionsweise eingefroren wird. Die Mütter spenden diese Milch für fremde Babys, deren eigene Mütter nicht oder noch nicht stillen können. © Gaby Schneider

Der Erfolg wird hier in Litern gemessen: Im Jahr 2020, dem Jahr, in dem die Frauenmilchbank in der Winnender Kinderklinik ihren Betrieb aufnahm, konnten insgesamt 21 Liter Spenderinnenmilch an die Kleinsten und Schwächsten verfüttert werden. Im Jahr 2021 waren es schon 57 Liter. „Das klingt nicht nach viel“, sagt Dr. Janaina Rauch, „ist es aber!“ Und 2022, im Jahr, das gerade erst begonnen hat? Bis jetzt aktuell wurden schon 56 Liter eingefroren und bei Bedarf verfüttert. Besseres kann den Frühchen nicht passieren.

Wer schon von Spenden profitiert hat, spendet anschließend meist selbst gern

Muttermilch ist die perfekte Nahrung für Babys. Das ist längst unumstritten. Das gilt für die Babys, die zum richtigen Zeitpunkt auf die Welt kommen. Vor allem aber für die Babys, die sich zu früh auf den Weg machen. Muttermilch schont die noch so empfindlichen Mägen, schützt vor Infektionen, hilft dabei, die Kinder vor Fettleibigkeit, Bluthochdruck oder Diabetes zu bewahren. Keine künstlich hergestellte Babymilch kommt da mit.

Das große Problem: Die Mütter der Frühchen können ihre Babys oft noch nicht stillen. Die Geburt hat ihre Körper überholt, sie sind noch nicht so weit. Für diese Babys sammelt das Team rund um Dr. Janaina Rauch, Oberärztin in der Kinderklinik in Winnenden, Milch von Spenderinnen. Denn irgendwann können auch die meisten Frühchenmütter stillen. Und manche Frauen haben mehr Milch, als die eigenen Kinder benötigen. Wer schon von Spenden profitiert habe, sagt Janaina Rauch, ist meistens auch bereit, selbst zu spenden. Es ist erst ein dankbares Nehmen und dann ein überzeugtes Geben.

Drei große Gefrierschränke: In guten Zeiten sind alle voll mit Spenderinnenmilch

Drei große Gefrierschränke stehen inzwischen auf der Frühchenstation in Winnenden. Sind sie voll, können alle Kinder, die Spenderinnenmilch benötigen, damit gefüttert werden. Die Station arbeitet mit einer Ampel. Ampel auf Grün: alle ran ans weltbeste Fläschchen. Ampel auf Rot: Nur die Allerkleinsten und Allerschwächsten werden mit Spenderinnenmilch versorgt. Es sei inzwischen selbstverständlich, sagt Janaina Rauch, dass nach der Geburt eines Frühchens die erste Frage laute: Haben wir Milch da? „Das ist schön!“

Idealerweise bekommt das Baby Milch von einer Frau, deren Baby ungefähr im selben Alter ist. Denn die Milch ist, je nach Entwicklung des Kindes, unterschiedlich zusammengesetzt. Idealerweise ist die Milch auch unbehandelt. Denn nur in der unbehandelten Milch erhalten sich alle wertvollen Inhaltsstoffe. Unglücklicherweise gibt es Infektionskrankheiten, deren Erreger auch in die Muttermilch übergehen. Das kann bei den Kleinen Schlimmes anrichten. Deshalb wird die Milch der Spenderinnen im Labor untersucht.

Eines dieser kritischen Viren heißt CMV: Zytomegalievirus. Viele Menschen tragen dieses Virus in sich. Haben sie ein stabiles Immunsystem, merken sie überhaupt nichts davon. Frühchen haben kein stabiles Immunsystem. Die Folgen einer Infektion können furchtbar sein. Befallen werden können die Lunge, die Leber, der Darm, die Augen.

Das Pasteurisiergerät: So teuer wie ein Kleinwagen

Bislang konnten die Frauen, bei denen CMV nachgewiesen wurde, ihre Milch nicht spenden. Die Risiken wären zu groß gewesen. Doch dadurch fielen so viele Spenderinnen weg. Inzwischen steht in der „Milchküche“ ein Pasteurisiergerät. Damit wird dem Virus der Garaus gemacht. Und auch wenn andere wichtige Stoffe ebenfalls leiden – pasteurisierte Spenderinnenmilch ist immer noch besser als gar keine Frauenmilch. Das Pasteurisiergerät, sagt Janaina Rauch, „hat so viel gekostet wie ein Kleinwagen“.

Das Team der Frauenmilchbank braucht auch dringend eine größere Küche. Dass Babys in dieser Klinik Spenderinnenmilch bekommen, ist gut fürs Prestige und hat eine anziehende Wirkung. Natürlich für Frauen, die Bedarf haben. Doch sehr viele stillende Frauen wollen auch helfen, googeln und finden die Kinderklinik in Winnenden. Wer wollte da sagen, dass das Engagement zwar schön ist, die Kapazitäten aber leider ausgeschöpft sind? Spenderinnenmilch ist unendlich wertvoll. So wertvoll, dass manche Kliniken ohne eigene Frauenmilchbank die Milch einkaufen. Und zwar für 80 bis 100 Euro pro Liter.

Frauenmilchspenden werden von den Krankenkassen nicht finanziert

Die Krankenkassen übernehmen nichts. Keinen Cent für die Milch, keinen Cent für die Ausstattung, die’s braucht, um die Milch aufarbeiten, aufbewahren und verteilen zu können. Janaina Rauch, die Kinderärztin, die die Versorgung der Kleinsten im Rems-Murr-Kreis revolutioniert hat, verpasst ihrer Arbeit noch eine weitere Facette. Sie wird PR-Strategin: Tue Gutes und rede darüber, auf dass potente Spender beschließen, die Sache zu unterstützen. Die Hoffnung ist, dass auch dieser Artikel dabei hilft.

Der Erfolg wird hier in Litern gemessen: Im Jahr 2020, dem Jahr, in dem die Frauenmilchbank in der Winnender Kinderklinik ihren Betrieb aufnahm, konnten insgesamt 21 Liter Spenderinnenmilch an die Kleinsten und Schwächsten verfüttert werden. Im Jahr 2021 waren es schon 57 Liter. „Das klingt nicht nach viel“, sagt Dr. Janaina Rauch, „ist es aber!“ Und 2022, im Jahr, das gerade erst begonnen hat? Bis jetzt aktuell wurden schon 56 Liter eingefroren und bei Bedarf verfüttert. Besseres kann den

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